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Standpunkt

Sind Wimpel noch zeitgemäß?

Standpunkt - Sind Wimpel noch zeitgemäß?
Gesa Völkl, RC Rendsburg-Mittelholstein war bis vor kurzem Distriktchair für den Jugenddienst in D 1890. Nun hat sie eine Spezialaufgabe: Jugendaustausch mit Nigeria. © Privat

Manche Clubs legen ihre Wimpel mit dem aktuellem Rotary-Rad neu auf, andere lassen sie im Keller verstauben, weil ihnen diese Tradition als altbacken erscheint.

01.11.2018

Wenn ich einen fernen E-Club besuchen möchte, dann wähle ich mich ein und fertig. Ich schaue zu, über was die anderen sprechen. Vielleicht sieht man mich, vielleicht auch nicht. Aber auf jeden Fall hat man mich vergessen, wenn das Meeting zu Ende ist. Die Präsenz wird Online erteilt oder auf Vertrauensbasis. Ein Gastgeschenk ist unnötig.
Aber was, wenn ich einen fernen Rotary Club „richtig“ besuche? Da sind die Flasche Wein oder das Glas Honig sicherlich willkommen. Aber von wem eigentlich? Genießt die Präsidentin allein? Oder eher der Clubmeister, der sich im Vorfeld so nett gekümmert hat? Gerne erinnere ich mich an den Besuch bei einem Rotary Club in Brasilien. Es war ein Frühstücksmeeting. Der Ablauf des Meetings war sehr ähnlich wie bei uns, gleich zu Beginn wurden die Gäste begrüßt. Wir waren die ersten internationalen Gäste für diesen Club. Leider sprach keiner der dortigen Freunde Englisch, geschweige denn Deutsch und wir sprachen fast kein Portugiesisch. Der Vortrag wurde für uns simultan übersetzt. Aber was sagt man zueinander vor und nach dem Meeting? Der Wimpel brach das Eis. Wir hatten unseren Wimpel mitgebracht und der brasilianische Club hielt seinen Wimpel ebenfalls bereit. Und auf beiden war zu sehen, was unseren Clubs wichtig ist: der RC Rendsburg-Mittelholstein pflanzt Bäume, der brasilianische Club füllt die Schüsseln von Kindern. Am Ende gab es Fotos mit dem Wimpeltausch, später eingestellt als schöne Erinnerung auf der Homepage. Der brasilianische Wimpel passte gut in den Koffer und fand seinen Weg in den heimischen Club. Zu Hause gab uns das die Chance, während der rotarischen fünf Minuten von dem Treffen zu berichten und der Präsidentin die Wünsche aus Brasilien zu übermitteln.
Auch für Austauschschüler sind Wimpel gute Kommunikationshelfer. Die Schüler sind Botschafter ihres Landes und ihres Rotary Clubs, was der Wimpel symbolisiert. Spätestens bei der Übergabe des Wimpels ist Zeit zu fragen, wo der entsendende Club genau liegt, wie viele Mitglieder der heimatliche Club hat, wo und wie er tagt und wofür er sich engagiert. Und so mancher Wimpel schmückt auch die Rotary-Blazer der Jugendlichen.
Selbstverständlich hat jedes Land der Welt seine Flagge. Und genau so ist der Wimpel die Flagge des Rotary Clubs. Es gibt die unterschiedlichsten Wimpel. Da ist der streng sachliche – nur das Rotary-Rad mit dem Clubnamen, da gibt es die bunten verspielten und es gibt die Wimpel mit der Botschaft, was dem Club wichtig ist. Einige Wimpel sind aus schwerem Damast, andere aus so dünnem Stoff, dass man sie in eine Plastikfolie einschlagen muss. Es gibt traditionelle Exemplare, die sich seit Clubgründung nicht verändert haben und es gibt welche mit dem frischen Wind des neuen RI-Präsidenten.
Manche Clubs wissen gar nicht mehr, wo die eigenen und die geschenkten Wimpel liegen, während andere sie gut sichtbar in ihrem Clublokal an einer Wand präsentieren. Es soll sogar Rotary Clubs geben, die genau katalogisiert haben, welcher Wimpel von wem wann mitgebracht wurde. Zum Beispiel, dass der eine, besonders hübsche und bunte Wimpel aus Australien vom rotarischen Freund X mitgebracht wurde, der seinen Sohn dort regelmäßig besucht, weiß dann jeder. In unserem Club stehen immer wieder neu ausgewählte Wimpel auf den Tischen bei besonderen Veranstaltungen. So kann der Wimpel von einem anderen Club, vielleicht sogar aus einem anderen Land, ein guter Gesprächsimpuls sein.
Ich jedenfalls stocke regelmäßig meinen Wimpelvorrat auf, denn abgesehen von den Wimpeln für die Out- und Inbounds sowie meine nächste private Reise, die mich bestimmt auch wieder zu einem Rotary Club führt, möchte ich zur Convention 2018 in Hamburg gerüstet sein! Drei Dinge gehören hierbei zur rotarischen Grundausstattung:

1. Die Deutschlandflagge für die Eröffnungsveranstaltung am Sonntag: Zum Auftakt tragen die Inbounds die Nationalflaggen aller rotarischen Länder auf die Bühne, die jeweils vom Publikum beklatscht und vor allem von den Rotarier aus dem jeweiligen Land mit dem Winken von Flaggen begrüßt werden.
2. Viele, viele Visitenkarten zum Tausch mit den zahlreichen Gesprächspartnern aus aller Welt. Am besten eignen sich hierfür übrigens Visitenkarten mit Porträtfoto und Nennung des Rotary Clubs und Distrikts zusätzlich zu den persönlichen Daten.
3. Clubwimpel! Wenn ich offen und interessiert über die Convention gehe, dann finden sich neue rotarische Freunde, mit denen wir den Abend verbringen werden. Viele ausländische Rotarier werden mit Wimpel anreisen und wenn diese dann am Abend des Host Hospitality (siehe Seite 24) unseren Club besuchen, möchte ich nicht mit leeren Händen dastehen. Jetzt ist also eine gute Gelegenheit für jeden Club, sich zu überlegen: Brauchen wir einen Wimpel oder nicht? Und wenn wir Freude am Kontakt mit anderen Clubs haben und gerne die Tradition des Wimpeltauschs weiterführen möchten: Gefällt uns der aktuelle Wimpel noch? Wo liegen eigentlich unsere Wimpelvorräte? Und hat der Wimpel schon das aktuelle Rotary-Rad?  

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