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Standpunkt

Von „Rotary in Action“ fließend zu Rotary

Standpunkt - Von „Rotary in Action“ fließend zu Rotary
© privat

Gedanken über eine Doppelmitgliedschaft

01.01.2019


ZUR PERSON

Albert Kafka, RC Wien-Oper, RAC Wien-Stadtpark, engagiert sich u.a. mit Intarconnect für den Hausbau im bosnischen Srebrenica zugunsten bedürftiger Familien


Ist Rotaract als Wortschöpfung aus „Rotary in Action“ ein Pleonasmus? Ich weiß es nicht. Selbst als nunmehr zeitgleich beiden Clubtypen zugehörig, lässt sich diese Frage nicht einfach beantworten.

Als spät berufener Rotaracter, eingetreten in den Rotaract Club Wien-Stadtpark vor gut drei Jahren, kann ich auf eine kurze, aber intensive und noch andauernde Phase zurückblicken. Während der Schulzeit treffen wir einander im Club wöchentlich – so weit so ähnlich zu Rotary. Ein monatliches Vortragsmeeting ist fix eingeplant, ein weiteres zum Plaudern und zur Pflege der Freundschaft.
Ein bis zwei Meetings jeden Monat sind „hands on“. Regelmäßig kochen wir in einer Obdachlosenunterkunft für rund 40 Gäste und haben noch einige kleinere Projekte wie Ausmalen in Sozialeinrichtungen, Unterstützung bei einem Kinderfest oder Blutspenden im Programm. Gemeinschaftsmeetings mit dem Patenclub, befreundeten Rotaract  oder Interact Clubs und die Teilnahme an Distriktprojekten lassen uns im Schnitt auf ein Meeting pro Woche kommen.

Kontroverse Diskussion, knappes Mehrheitsergebnis

Mit der Näherung und Überschreitung des 30. Lebensjahres ist laut den Rotary-International-Statuten ein Abschied aus dem Leben im Rotaract Club vorgesehen. Rotary ist eine Option, und so die Chemie stimmt, öffnet sich die eine oder andere Türe in die Gemeinschaft von Berufsleuten. Die Studienphase ist vorbei, die ersten Schritte im Berufsleben getan und die Karriere voll in Fahrt. Zeit für Rotary? Zeit für Rotary!

Noch während meiner Präsidentschaft im Rotaract Club wurde ich vor gut einem halben Jahr in den Rotary Club Wien-Oper kooptiert. Das bedeutete: einerseits die Verpflichtungen und die Freunde im Rotaract Club, andererseits neue Freunde und neue Aufgaben im Rotary Club. Nicht zu vergessen Beruf und Karriere. Anfangs hatte ich starke Bedenken ob der zeitlichen Belastung. Denn aktives Clubleben hängt von aktiven Clubmitgliedern ab, als Past-Präsident kann ich das nur unterstreichen. Der Rotary Club trifft sich jeden ersten Montag im Monat mittags, alle anderen Montage abends. Die Woche füllt sich, Beruf und Termine im In- und Ausland füllen die Lücken zwischen Rotaract und Rotary – bitte verraten Sie mich nicht bei meinem Chef!

Was machen wir im Rotary Club? Abends Vortragsmeetings und ein gemeinsames Essen, mittags Besichtigungen von der Porzellanmanufaktur bis zum Obersten Gerichtshof.

Sozialprojekte haben in Rotary Clubs traditionellerweise einen mehr monetären Character als dass sie „hands on“ sind, aber es liegt nicht an mir, eine Bewertung vorzunehmen. Vielmehr ist es  eine Chance, finanzielle und Zeitspenden zusammenzubringen. Interact und Rotaract können Zeit und persönlichen Einsatz zur Verfügung stellen, während Rotary die Finanzierung übernimmt. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Intarconnect, bei dem Häuser für Flüchtlinge in Bosnien finanziert (hauptsächlich durch Rotary) und innerhalb einer Woche eigenhändig (hauptsächlich durch Rotaract und Interact) gebaut werden. Ein weiteres ist das KidsCamp: Rotaracter fahren mit Kindern aus sozial benachteiligten Familien zelten, Rotary Clubs übernehmen Unterkunft- und Programmkosten. Das sind nur zwei Beispiele für eine Vielzahl von Projekten, wo die Schwierigkeiten mancher Rotary Clubs, Zeit und persönlichen Einsatz betreffend, und die Schwierigkeiten von Rotaractern und Interactern zu wunderbaren Lösungen gebracht werden.

Als noch neues Mitglied eines Rotary Clubs mag es vielleicht anmaßend sein, aber ab und an wird verglichen, welcher Club welchen Betrag für Sozialprojekte zusammenbringen konnte. Noch nie ist mir zu Ohren gekommen, wie viele Stunden ein Club, ob Rotary oder Rotaract, für Sozialprojekte aufgewendet hat. Und das gibt doch zu denken: ein Serviceclub, der sich nicht am Service, sondern am Fluss finanzieller Mittel misst?

Zurück zum Anfang. Rotaract  als rotarische Jugendorganisation, mit der Energie, (im wahrsten Sinne des Wortes) Bäume zu versetzen, und Rotary, rotierend, nicht stillstehend, oft dezent im Hintergrund, strategisch finanzielle Höchstleistungen für den guten Zweck bringend – das ist kein Widerspruch. Und zugleich in beiden Welten zu sein ist dabei lediglich eine zeitliche, eine organisatorische Herausforderung.

Rotaract soll nicht so wie Rotary werden und Rotary nicht wie Rotaract. Das Potenzial, einander zu ergänzen, ist riesig, und so soll es sein. „Rotary in Action“ ist kein Pleonasmus, aber ein Wenig mehr Action in Rotary, durch frischen Nachwuchs aus Rotaract, das ist die Prise Salz, die die Bewegung in Rotary wieder und wieder in Schwung bringt!


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