Global Outlook - »Wir müssen weitermachen, bis wir unser Ziel erreicht haben«

© Illustrationen: Otto Steiniger

13.02.2013

Global Outlook

»Wir müssen weitermachen, bis wir unser Ziel erreicht haben«

Im Gespräch mit Judith Diment

Als PolioPlus-Beraterin für Großbritannien hat Judith Diment auf zahllosen Veranstaltungen gesprochen und Tausende von Pfund für den Kampf gegen Polio gesammelt. Die Rotarierin aus dem RC Windsor St. George (England) führt ihr eigenes PR-Unternehmen. Bei den paralympischen Spielen 2012 in London nutzten Diment und ein rotarisches Multidistrikt-Team die Gelegenheit, um auf Polio aufmerksam zu machen.

Wie nutzten Sie die Olympiade und die Paralympics für Ihre PR?
Diment: Ich beschloss, eine Veranstaltung durchzuführen, die die Paralympics und die Polio-Problematik zusammenführen sollte. Durch die Zusammenarbeit mit der British Pakistan Foundation lernte ich den pakistanischen Paralympic-Ausschuss kennen und konnte so die Teilnahme von Sportlern (einige davon waren Polio-Betroffene) arrangieren. Das Treffen fand im Stil einer englischen Gartenparty statt, und wir hatten schließlich drei Sportler mit Polio-Behinderungen, aus Pakistan, Niger und Haiti. Damit wollten wir darauf aufmerksam machen, dass Polio immer noch ein Problem ist – in Pakistan und anderswo auf der Welt.
 
Hatten Sie bei Ihren Aktionen auch an die regulären Olympischen Spiele gedacht?
Wir hatten das ursprünglich erwogen, aber dann wäre unsere Veranstaltung eine unter vielen gewesen. Durch unsere Verbindung mit der Eröffnung der Paralympics standen wir heraus.
 
Diente die Veranstaltung ausschließlich der Aufklärung?
Also, es begann nicht als Fundraiser. Aber nach Gesprächen mit dem Pakistani Paralympic Committee entschieden wir uns doch, Spenden für Para-Olympioniken zu sammeln, die normalerweise über kaum eine nennenswerte Unterstützung verfügen. Als ich hörte, dass einer der Athleten aus dem Team aus Niger sich einen Rollstuhl borgen musste, um teilnehmen zu können, dachte ich, dass da etwas getan werden müsse. Also hielten wir eine Tombola ab und nahmen damit ungefähr 4500 Pfund ein, von denen zwei Drittel an die Sportler gehen und ein Drittel an Polio.
 
Sie haben ein Händchen für die Planung von Events an ungewöhnlichen Orten, wie etwa dem Dinner in Windsor Castle. Wie haben Sie es geschafft, dort Eingang zu bekommen?
Das ergab sich aus einem zufälligen Gespräch. Ich nahm an einer Veranstaltung mit dem Governor von Windsor Castle und seiner Frau teil. Sie fragte mich nach meinen Plänen und ich sagte, dass ich nach New Orleans zur Rotary International Convention reisen würde, da ich gerne die Rede von Bill Gates hören würde. Und dann erklärte ich, was es mit Bill Gates und dem Polio-Programm auf sich hatte und vor welchen finanziellen Schwierigkeiten wir stünden. Er schlug vor, dass er beim Arrangement eines Dinners in Windsor Castle behilflich sein könnte und bat um mehr Informationen. Dann stellte er einen Kontakt mit dem Dekan von Windsor her, und wir arrangierten einen Abend für 70 Gäste im St George’s House, Windsor Castle.
 
Und wie lief es ab?
Ich arbeitete gemeinsam mit RI Director Allan Jagger an der Planung. Er übernahm die Einführung, und RI-Präsident (2011/12) Kalyan Banerjee war unser Gastredner. Wir hatten auch einen weiteren Redner, Fergus Walsh von der BBC, der als medizinischer Redakteur die Kampagnen in Indien und Nigeria gefilmt hatte. Er berichtete über den Stand von Polio im Weltmaßstab und zeigte einige Ausschnitte. Wir hatten prominente Gäste und die Medien eingeladen und nahmen dadurch 35.000 Pfund und weitere 7.500 Pfund als Zuschuss der britischen Regierung ein.
 
Das Dinner fand direkt nach der Bekanntgabe, dass Indien von der Liste der endemischen Länder genommen werden konnte, im Februar 2012 statt. Hatten Sie das bei der Planung in Betracht gezogen, sozusagen als Aufmacher für die Medien?
Das war Glück. Wir wussten, dass die Kampagne in Indien hervorragend lief, aber das war nur ein glücklicher zeitlicher Zufall.
 
Wie regen Sie die Clubs in Ihrer Region an, für die Polio-Kampagne auf die Straße zu gehen, darauf aufmerksam zu machen, Geld zu sammeln?
Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Ich fungiere in diesem Jahr als Governor, und zum Welt-Polio-Tag besuchte ich jeden Club im Distrikt und veranstaltete dort eine kleine Medienaktion. Wir erhielten auch einen Rotary International PR-Grant, und damit produzierte ich eine zwölfseitige Broschüre mit einer Auflage von 25.000 Stück. Die Haupt-Story war zu Polio. Die Clubs wurden gebeten, sie weiter zu verteilen und damit Polio ins Gespräch zu bringen. Wir verteilten die Exemplare ab Februar innerhalb von vier Wochen. Das ist eine Menge, 25.000 Stück. Im letzten Jahr hatten wir die Wirkung über unsere Website und Facebook analysiert. Wir verzeichneten jeweils einen großen Zuwachs von Besuchern unserer Website und Facebook Page.
 
Wie binden Sie bei Ihrer Arbeit soziale Medien ein?
Ich bin nicht die Jüngste und soziale Medien wurden mir nicht in die Wiege gelegt, daher musste ich das alles lernen. Ich machte mir den professionellen Rat zunutze, dass man bessere Ergebnisse erzielt, wenn man sich auf eine Sache, ein Anliegen konzentriert, anstatt nur allgemein zu chatten. Also habe ich ein Twitter-Account eingerichtet und benutze es nur für die Polio-Kampagne. Das war sehr effektiv. Die Menschen, denen ich folge beziehungsweise diejenigen, die mir folgen, haben alle eine Verbindung zu Polio. So baut man eine natürliche, globale Interessengemeinschaft auf, in der die Teilnehmer sich etwas zu sagen haben. Facebook ist auch wichtig. Das nutze ich nur für meine Arbeit als Governor, nichts Persönliches. Und meine Twitter-Messages gehen natürlich auch auf meine Facebook-Seite.
 
Sie verfügen über viele Kontakte auf höherer Ebene. Was würden Sie Rotariern raten, die für den Kampf gegen die Kinderlähmung werben oder Spenden sammeln wollen, aber über kein großes Netz von Kontakten verfügen?
Es ist überraschend wie viele Kontakte Menschen besitzen, die sie ungenutzt lassen. Nehmen Sie Freunde, Familie, Geschäftskontakte als Ihre Möglichkeiten wahr an Entscheidungsträger zu gelangen anstatt einfach aufs Geratewohl Briefe zu versenden. Wenn Sie nicht in PR und Kommunikation zu Hause sind, lassen Sie sich stets Ihre Korrespondenz redigieren. Und weiter: nutzen Sie die Angebote von RI-Mitarbeitern und RI-Ressourcen. Wenn wir zum Beispiel eine Veranstaltung haben, so halte ich stets ein Infopaket mit RI-Materialien zu Polio bereit, die aktuell und professionell aufgemacht sind und die die Leute mit nach Hause nehmen können.
 
Finden Sie es schwierig, um Geld zu bitten?
Na, ich gehe ja nicht auf jemanden zu und sage: Los, gib mir 5.000 Pfund. Ein Weg für mich ist, Events zu organisieren, bei denen auf die Problematik aufmerksam gemacht wird. Und ich lasse die Leute wissen, dass sie etwas dafür bezahlen müssen und dass das Geld an die Polio-Kampagne geht. Damit geben Sie auch etwas zurück. Und ein anderer Weg ist der, ganz direkt über das Programm aufzuklären und zu erläutern, wie wichtig es ist, es erfolgreich zu Ende zu führen. Dann können sie sich entscheiden, ob sie helfen wollen – entweder selbst, oder sie können uns mit Personen in Kontakt bringen, die uns finanziell unterstützen können. Und es ist ein kraftvolles Argument, wenn wir darauf hinweisen können, dass Rotary bereits über eine Milliarde Dollar auf die Beine gestellt hat.
 
Wie stellen Sie sicher, dass Treffen mit potenziellen Spendern gut verlaufen?
Durch Nachforschen und Vorbereitung. Besorgen Sie sich alle Hintergrundinfos, die Sie kriegen können. Besuchen Sie deren Websites, lernen Sie deren Organisationen kennen. Gehen Sie nicht unvorbereitet in das Meeting. Bringen Sie Ihre „Story“ professionell und poliert herüber. Ich sage meinen Klienten immer, dass Sie beim Umgang mit Medien immer drei Schlüsselbotschaften anbringen müssen. Das ist beim Gespräch mit potenziellen Gebern genauso. Ihre Punkte sind: 1. Ich gehöre zu Rotary; 2. Das ist die Polio-Situation und der Bedarf; 3. Das können Sie tun, um zu helfen. Vorbereitung ist alles.
 
Wie viel würde es helfen, wenn jedes Mitglied von Rotary sein Netzwerk persönlicher Kontakte aktivieren würde, um Polio zu besiegen?
Ich glaube fest, dass ein jedes Mitglied der beste Botschafter für unsere Organisation ist und dass wir alle unsere Fähigkeiten dafür einsetzen sollten. PolioPlus ist solch ein wichtiges Programm, und wir haben so viel darin investiert. Es ist an jedem, seinen oder ihren Beitrag zur Ausrottung der Kinderlähmung zu leisten. Wir sollten stolz darauf sein, was wir geleistet haben. Und wir müssen weitermachen, bis wir unser Ziel erreicht haben.

Erschienen in Rotary Magazin 2/2013

Judith Diment
Judith Diment ist PolioPlus National Advocacy Adviser in Großrbitannien. Die Inhaberin einer PR-Agentur ist Mitglied im Rotary Club Windsor St. George und steht dem Distrikt 1090 im Jahr 2012/13 als Governor vor. www.windsorstgeorgerotary.org.uk

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