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Porträt

Steinharte Kunst

Porträt - Steinharte Kunst
Immer von einer Idee angetrieben, wenn er einen Stein vor sich sieht: Bildhauer Dieter Kränzlein © Annette Cardinale

Die Kunst von Dieter Kränzlein lebt von Entwicklung. Der Bildhauer schätzt die Überraschung im Schaffensprozess und wird immer von einer Idee getrieben.

01.03.2019

Zur Person

Dieter Kränzlein (RC Backnang-Marbach) wurde 1962 in Stuttgart geboren. Nach Ausbildung und Zivildienst war er von 1986 an für drei Jahre privater Schüler des Malers und Bildhauers Franz Dakáy. Seit 1989 ist er freischaffender Künstler. Er gehört zu den angesagten plastisch arbeitenden Künstlern der Gegenwart und wird von Galerien national und international vertreten.


 

Völlig lichtdurchflutet ist das Haus der Kränzleins. Es ist ein Atelierhaus, das Kunstinteressierten offensteht. Hier erschafft Dieter Kränzlein seine Werke. Seit 1989 ist er freischaffender Künstler. Produziert werden geometrische Formen wie Kugel, Würfel, Quader oder Ellipsoid. Um der gezielten Wirkung willen, wechselt er zwischen den Ausgangsmaterialien, wobei er grob kristallinen Marmor aus Norwegen oder Muschelkalk aus Moos bei Würzburg sowie Kunstharz verwendet.

Formen und Farben

Sein Schaffensinstrument ist die Trennscheibe seiner Flex, eine laute Maschine, die ganz im Gegensatz zu den ruhigen und bedächtigen Schnitten seiner Arbeit steht. Denn jeder Schnitt leistet einen Beitrag zum Gesamtsystem und lässt so die Skulpturen entstehen. „Dem Zerstörerischen folgt ein neues Dasein des Steins“, so der Künstler. Schnitt für Schnitt seziert er Steine, um deren Wesen auf den Grund zu gehen. Sein Ziel ist dabei, das Erscheinungsbild des Materials noch sichtbarer für den Betrachter zu machen. Bei seinen neueren Werken verwendet er hierfür auch Farben.

Unerwartetes fasziniert Kränzlein, und so sind auch seine Arbeiten von einem stetigen Entwicklungsprozess geprägt. Er ist ein etablierter und angesagter Künstler, der internationales Ansehen genießt. In Zürich, Kanada, Hongkong, New York und Miami werden seine Werke gezeigt. Zu dem Erfolg des Künstlers trägt seine Frau Gabriele maßgeblich bei. Die beiden wissen, dass sie viel Glück gehabt haben, denn zu Beginn verlief die Karriere alles andere als gradlinig.

Zeitgeist

Geboren wurde Kränzlein 1962 in Stuttgart und erlebte als mittleres Kind eine behütete Kindheit in einem Beamtenhaushalt. Auf ihn wirkten gesellschaftlich vorgegebene Strukturen und Konventionen bedrückend. Mit allen Konsequenzen zog er mit 18 Jahren deshalb von zu Hause aus. Die 80er Jahre sind das Jahrzehnt der jungen Rebellen: Punks, Umweltbewegung und Friedensbewegung in Ost und West. Geprägt von diesem Zeitgeist machte Kränzlein damals hauptsächlich Musik mit seiner Jazz-Rockband.

Faszination Stein

© Ralf Grömminger

Durch eine zufällige Begegnung mit einem Steinmetz wurde in ihm die Faszination für das Material Stein geweckt. Schnell suchte er sich einen Ausbildungsplatz als Steinbildhauer. Auch hier war er wieder mit traditionellen Konventionen konfrontiert, was aber über das Wohlwollen seiner Lehrer kompensiert wurde. Sahen diese doch, dass Kränzlein seine Ausbildung zielorientiert verfolgte.

Der Künstler entschied sich damals bewusst gegen den Wehrdienst und trat nach der Lehre 1985 den Zivildienst an. In diesem Jahr hat er auch seine Frau Gabriele kennengelernt. Seitdem sind die beiden ein erfolgreiches Team: Er verfolgt die Kreativität des Schaffens, sie kümmert sich um das Organisatorische.

Bis Mitte der 80er Jahre wohnte das Paar in Gerlingen. Über einen Zufall entstand der Kontakt zu Franz Dakáy, einem dort ansässigen Maler und Bildhauer. Beim Besuch von dessen Atelier wurde Kränzlein klar, wie seine weitere Zukunft aussehen würde. Er entschied sich gegen das Kunststudium und wurde stattdessen persönlicher Schüler von Dakáy.

Freischaffend

Gabriele Kränzlein, 1987 gerade Mutter einer kleinen Tochter, nutzte ihre damalige berufliche Pause, um für ihren Mann Ausstellungsmöglichkeiten zu finden. 1988 konnte sie so für ihn die erste Ausstellung in Markdorf am Bodensee organisieren. Ein Jahr später endete die Schüler-Lehrer-Beziehung zu Dakáy. Kurz darauf kam der Sohn zu Welt und die Familie zog in ein Haus, das auch Platz für ein eigenes Atelier bot. 1994 entdeckte Kränzlein die Flex als sein Schaffensinstrument, und die damit verbundene Bearbeitungsweise hat sich seither zu seinem Markenzeichen entwickelt. Über eine Ausstellung im GENO-Haus in Stuttgart wurde 1995 der damalige Besitzer der Galerie Dorn auf den Künstler aufmerksam und integrierte dessen Werke in eine Kleinskulpturen-Biennale.

Skulpturen verschiedenster Größen gehören in das Repertoire des Bildhauers. Die größte ist das 4,30 Meter hohe „Segel“, das als Auftragsarbeit für die Gemeinde Neckarwestheim entstand.

© Ralf Grömminger

Zu Beginn des neuen Jahrtausends nahm die Popularität des Künstlers stetig zu. 2007 schaffte er den Sprung in die internationale Kunstszene über Ausstellungs- und Messebeteiligungen in Zürich und Toronto. Betreut wird er heute durch Galerien auf fast allen Kontinenten.

Die Gestaltung eines Selbstporträts, für eine große Ausstellung in Dessau, war eine besondere Herausforderung für Kränzlein. Hierfür nahm er schließlich eine Steinplatte und sägte mit der Elek­trosäge in gewohnter Weise Schnitt für Schnitt in den Stein. Diesen nutzte er dann als Druckplatte und fertigte einen einzigen Abzug auf Papier, die Umrisse seines Kopfes sind hierauf klar zu erkennen. Durch diese neue Art des Arbeitens entstand im letzten Herbst auch die Idee, Steindruckplatten über eine Versiegelungstechnik mit Kunstharz zu neuen Kunstwerken zu gestalten.

Der Bildhauer engagiert sich in verschiedenen Künstlerverbänden. Über den Bund freischaffender Bildhauer Baden-Württemberg e. V. war das Ehepaar Kränzlein 2001 auch maßgeblich an der Aktion „Kunst gegen Gewalt“ in Ludwigsburg beteiligt. Heute bleibt ihm nicht mehr die Zeit, sich persönlich zu engagieren. Hierfür schätzt Kränzlein Rotary. Es ist für ihn ein gutes Gefühl, über seinen Club an Projekten mitzuwirken, die dem Wohle anderer dienen.

Julia Seifert

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