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Rotary Schwerpunkt Wasser

Kennen Sie PAUL?

Rotary Schwerpunkt Wasser - Kennen Sie PAUL?
Bis zu 1.200 Liter Wasser kann PAUL täglich reinigen

23.01.2013

PAUL ist die Abkürzung für Portable Aqua Unit for Lifesaving. PAUL ist dunkelblau, eckig und einen reichlichen Meter groß. Auf der Rückseite befinden sich zwei Gurte, die ihm seinen Beinamen Wasserrucksack eingebracht haben. Zum Einsatz kommt er nach Naturkatastrophen, denn die Wasserversorgung ist dann, vor allem in entlegenen Gebieten, ein vordringliches Problem. Dank seiner Trageriemen, kann er auch zu Fuß in Gebiete gebracht werden, die von der Außenwelt abgeschnitten sind. Nach Naturkatastrophen sind Brunnen und Flüsse häufig durch Bakterien und sonstige Krankheitserreger verschmutzt. Die Menschen leiden an Durchfall, Cholera und anderen Krankheiten, die verunreinigtem Wasser geschuldet sind. Nicht selten führt dies zum Tod, vor allem bei Kindern. PAUL soll das verhindern.

Ein Membranfilter filtert über 99,99% der Bakterien und Krankheitserreger heraus. So besteht kein Bedarf an Energie, Chemikalien oder anderen Zusatzstoffen. Mehrere Monate lang kann PAUL so täglich ca. 1.200 Liter Wasser filtern und damit 400 Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen.

Die Vorteile des Wasserrucksacks "made in Germany" erkannte auch der Länderausschuss Deutschland-Pakistan und setzte ihn nach der Flutkatastrophe 2011 in Pakistan ein. Insgesamt 166 PAULs kamen dort zum Einsatz, finanziert von Rotary Clubs und der Humanity Care Stiftung.

"Als das PAUL-System zum ersten Mal im Dorf gezeigt wurde, versammelten sich fast alle Bewohner um den unbekannten 'Kasten' und schauten aufmerksam zu. Einerseits waren sie alle etwas misstrauisch, andererseits aber auch sehr neugierig," berichtet Nigi Aziz von der Humanity Care Stiftung. "Sie konnten nicht erkennen, was es war, und betasteten vorsichtig das neue Gerät. Folker Flasse, Mitglied des Länderausschusses Deutschland-Pakistan und Präsident der Humanity
Care Stiftung, war ebenfalls vor Ort und er ließ es sich nicht nehmen PAUL zu erklären. Er rief nach einigen Eimern Wasser und bat die Bewohner das verschmutzte und teils auch schlammige Wasser von oben in PAUL hineinzuschütten. Alle warteten gespannt, aber nichts kam aus dem unten angebrachten Wasserhahn heraus. Die Menschen waren verwirrt, sie versuchten PAUL zu schütteln und am Wasserhahn hin und her zu drehen.

Doch nichts geschah.

'Das Wasser ist verschwunden', flüsterten einige. 'Nein, der Wasserhahn ist kaputt', meinten andere. Folker Flasse war ganz ruhig und sagte: 'Wartet ab und schaut'. Und dann, langsam, aber sicher begann das Wasser zu fließen. Da war kein Schlamm mehr zu sehen und auch keine Trübung, das Wasser war rein wie Quellwasser."



Entstanden ist die Idee zu einem Wasserrucksack an der Universität Kassel. Entwickelt wurde PAUL dort im Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft im Fachbereich Bauingenieurwesen unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. F.-B. Frechen. Zum Einsatz kam das System erstmals im März 2010 in Chile. Mittlerweile sind mehr als 700 Wasserrucksäcke in über 30 Ländern in Asien, Afrika und Südamerika zu finden.


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