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Notfallplan im Kampf gegen Polio

PolioPlus - Notfallplan im Kampf gegen Polio

05.06.2012

Trotz des enormen Rückgangs an Polioinfektionen im letzten Jahr sieht sich die Global Polio Eradication Initiative (GPEI) veranlasst, angesichts dramatischer Finanzierungslücken und der daraus resultierenden ungenügenden Impfmaßnahmen einen Notfallplan, den Global Polio Emergency Action Plan 2012-13, zu aktivieren. 

Der Plan läuft bereits seit Anfang 2012. Die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) aktivierte ihr Emergency Operations Center, UNICEF setzte ihr Interdivisional Emergency Coordinating Committee ein, und die WHO dirigiert Polio-Operationen jetzt aus dem Strategic Health Operations Centre der Weltgesundheitsorganisation. Solche Maßnahmen sind gewöhnlich für andere globale Gesundheitsnotfälle reserviert, wie zum Beispiel die H1N1-Pandemie oder den Tsunami 2004 im Indischen Ozean.


Der Plan zielt darauf ab, eine flächendeckende und umfassende Impfversorgung in den drei noch verbleibenden endemischen Ländern Nigeria, Pakistan und Afghanistan zu forcieren, um die Übertragung des Wildvirus dort zu unterbrechen. Die bei der WHA in Genf zusammentreffenden Gesundheitsminister nahmen am 25. Mai eine Resolution an, in der es hieß, dass “der Abschluss der Polioeradikation eine programmatische Notfallsituation für die Weltgesundheitslage darstellt”.

Die volle Umsetzung des Notfallplans, der bereits seit Anfang 2012 in die operative Phase ging, wird bereits behindert durch eine Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Dollar bis Ende 2013. Die GPEI musste schon Impfmaßnahmen in 24 Ländern, in denen nach wie vor ein hohes Risiko besteht, zurückschrauben - was die dort bereits errungenen Erfolge wieder gefährdet. 

Die bisherigen Maßnahmen zur Ausrottung der Kinderlähmung brachten seit 2010 verschiedene weitreichende Erfolge, zuletzt in Indien. Dieses Land galt lange als das Land, das die meisten Hürden auf dem Weg zu einem poliofreien Status zu überwinden habe. Und doch gelang es hier, dass Polioinfektionen unterbunden und das Land von der Liste endemischer Länder genommen werden konnte. Auch in den meisten anderen bereits poliofreien Ländern, die Neuausbrüche hinnehmen mussten, konnten diese fast vollständig gestoppt werden.


Erneute Polioausbrüche in China und Westafrika machten im gleichen Zeitraum jedoch auch klar, dass das Virus nach wie vor eine elementare Bedrohung im Weltmaßstab darstellt. Ein Nachlassen in den Impfanstrengungen könnte daher katastrophale Folgen haben und innerhalb eines Jahrzehnts zu den gleichen Zuständen führen wie vor 25 Jahren, als jährlich Hunderttausende, meist Kinder, von der tückischen Krankheit befallen wurden.

 

"Der Kampf gegen die Kinderlähmung befindet sich am Scheidepunkt zwischen Sieg oder Niederlage“, betonte auch Dr. Margaret Chan, die Generaldirektorin der WHO. Wir schalten um auf Emergency-Modus, um das Blatt zum Guten zu wenden, und um schneller und besser in den Regionen zum Einsatz zu kommen, in denen die Kinder am meisten der Gefahr ausgesetzt sind.“

 

RI Präsident Kalyan Banerjee betonte in diesem Zusammenhang, dass der Erfolg realistisch sei, wie das Beispiel Indien bewiesen habe. “Es ist jetzt eine Frage des politischen und gesellschaftlichen Willens. Entscheiden wir uns für eine Welt ohne Polio, oder gehen wir den Weg, der uns von derzeit 55 Fällen wieder zu über 200.000 gelähmten Kindern pro Jahr bringt?”

Globaler Aktionsplan 


Der Notfallplan der GPEI wurde in Koordination mit entsprechenden nationalen Maßnahmen entwickelt. Er baut auf den Erfolgen in Indien auf und umfasst eine Reihe neuer Strategien und Initiativen, darunter:

  • Intensivierung der Impfungen in besonders betroffenen Gebieten in Nigeria, Pakistan und Afghanistan, um es auf eine Ebene zu bringen, die notwendig ist, um die Übertragung stoppen zu können 
  • Neue landesspezifische Ansätze, die dortige spezifische Herausforderungen besonders berücksichtigen
  • Erhöhte Koordination, Verantwortlichkeit und Aufsicht auf allen Organisationsebenen, um ein optimales Zusammenwirken von Regierungsstellen und Partnerorganisationen zu gewährleisten
  • Erhöhung der Kapazitäten bei technischer Unterstützung und sozialer Mobilisierung.



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