Im Gespräch - Polio bekämpfen als oberste Priorität

Seit Beginn des rotarischen Jahres 2011/12 ist John Hewko neuer RI-Generalsekretär. © Rotary International

28.06.2011

Im Gespräch

Polio bekämpfen als oberste Priorität

Seit dem 1. Juli ist John Hewko Generalsekretär von Rotary International. Ein Gespräch über die Ziele und Vorstellungen des neuen Mannes an der Spitze des RI-Hauptquartiers

Was würden Sie bei Rotary gerne erreichen?

John Hewko: Die oberste Priorität ist die Ausrottung der Kinderlähmung. Wir müssen weiterhin alles Notwendige tun, um diese Aufgabe erfolgreich zu Ende zu führen. Und wir müssen den neuen Strategieplan für RI und den Future Vision Plan für die Rotary Foundation umsetzen. Ein weiterer Schwerpunkt ist schließlich unsere Mitgliedschaft. In einigen Mitgliedsländern besteht ein großer Bedarf an neuen, jüngeren Mitgliedern.  Ich würde gerne erreichen, dass Rotary mit seiner so außergewöhnlichen weltweiten Präsenz eine Schlüsselrolle bei der derzeitigen Diskussion übernimmt, wie den Ärmsten der Welt am besten zu helfen sei. Voraussetzung für eine noch bessere Nutzung unserer Ressourcen ist die Stärkung und der Ausbau strategischer Partnerschaften. Ich würde gerne einen Mechanismus entwickeln, durch den der monetäre Wert aller humanitären Einsätze und Dienstaktivitäten auf Club- und Distriktebene systematisch erfasst werden kann. Wenn wir glaubhaft nachweisen können, dass der Geldwert unserer weltweiten Aktivitäten die 200 Millionen US-Dollar, die wir jedes Jahr durch die Rotary Foundation vergeben, weit übersteigt, würden wir in eine komplett neue Liga aufsteigen – eine Liga, die wir uns mit Größen wie Gates, Rockefeller oder MacArthur teilen würden.

 

Bei der derzeitigen Debatte unter Ökonomen zum Thema Entwicklungshilfe sehen wir auf der einen Seite Jeffrey Sachs, Direktor des „Earth Institute at Columbia University“ und auf der anderen Seite William Easterly, Co-Direktor des „Development Research Institute at New York University“. Wo stehen Sie und Rotary bei dieser Diskussion?

Sachs glaubt an ein umfangreiches Eingreifen und fordert größere Ausgaben der internationalen Gemeinschaft für umfassende Interventionen. Easterly, auf der anderen Seite, mit seinem schrittweisen Ansatz glaubt, dass große Ausgaben nicht halb so wichtig sind wie die Lösung sozialer Ursachen für Armut: Korruption, schlechte Institutionen, schlechte Wirtschaftspolitik und untaugliche Geber. Ich stimme eher Easterly zu. Meiner Meinung nach sollte eines der Hauptziele der Entwicklungshilfeaktivitäten von Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen sein, Voraussetzungen für nachhaltiges, vom privaten Sektor angeführtes Wirtschaftswachstum zu schaffen. Für viele Entwicklungsländer ist das die einzige langfristige und nachhaltige Lösung. Wenn man alle offiziellen Maßnahmen zur Entwicklungshilfe weltweit zusammenzählt, ist das wenig im Vergleich zu den Ressourcen, die im privatwirtschaftlichen Bereich zur Verfügung stehen. Genau hier kann Rotary mit seinen 1,2 Millionen Mitgliedern aus Berufs- und Geschäftswelt in 34.000 Clubs eine wichtige Rolle spielen. Es gibt weltweit nur wenige Nicht-Regierungsorganisationen, die eine derartige globale Reichweite und Präsenz im Privatwirtschaftssektor besitzen.

The U.S. Centers for Disease Control and Prevention, UNICEF und die Weltgesundheitsorganisation sind aktive Partner von Rotary. Drei dieser Organisationen haben seit Kurzem eine neue Führung – Thomas Frieden bei CDC, Anthony Lake bei UNICEF und Sie bei Rotary. Wie würden Sie sich ein Gespräch mit diesen Personen vorstellen?

Wie bereits erwähnt, ist die oberste Priorität die Ausrottung der Kinderlähmung, und ich würde sicherstellen wollen, dass alle vier Organisationen sich weiterhin für die Umsetzung dieses Ziels einsetzen und dabei effizient zusammenarbeiten. Eine erfolgreiche Ausrottung der Kinderlähmung würde auch den Weg für einen nächsten großen Einsatz ebnen. Welches weitere weltweite Anliegen ist innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre erreichbar und wie können wir die Ressourcen von Rotary und unseren verschiedenen Partnern nutzen, um aus 1 plus 1 das Ergebnis 3 anstatt 2 zu machen?

 

Sie haben gesagt, dass einige Rotarier nur wenig darüber Bescheid wissen, was RI und die Rotary Foundation tun. Was sagen Sie diesen Rotariern?

Wir müssen unseren Mitgliedern besser erklären, wofür ihre Beiträge und Spenden verwendet werden, was wir in Evanston machen, was die Foundation macht, was RI macht. Die meisten Mitglieder schließen sich Rotary aufgrund der Freundschaften an, und weil sie sich in ihren Gemeinwesen engagieren wollen. Eine der größten Stärken von Rotary ist die tiefe Verwurzelung im Gemeinwesen. Wir müssen einen Weg finden, wie wir unser lokales Engagement, aus dem die Mitglieder ihre Zufriedenheit und ihr Erfolgsgefühl ziehen, strategisch bündeln können, um weltweit größeren Einfluss auszuüben.

 

Hätten Sie sich vorgestellt, dass Sie jemals das Amt eines Generalsekretärs ausführen würden?

Nein, denn dieser Titel klingt für mich latent sowjetisch und ich habe in meiner Karriere viele Jahre in Ländern verbracht, in denen wir daran gearbeitet haben, die tragischen Hinterlassenschaften der Sowjetära zu überwinden. Ich hatte mir jedoch vorgestellt und gehofft, dass ich eines Tages eine große Organisation leiten würde. Die neue Position bei Rotary gibt mir diese Möglichkeit und ich darf dazu beitragen, eine großartige weltweite Organisation in deren zweites Jahrhundert des Bestehens zu führen.

Erschienen in Rotary Magazin 7/2011

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