Im Fokus - Die Rotary Foundation feiert 100. Geburstag

Arch C. Klumph, 1916 bis 17 RI-Präsident und „Vater der Foundation“ © Foto: Rotary International

01.02.2017

Im Fokus

Die Rotary Foundation feiert 100. Geburstag

Klaus Willimczik

Das zentrale Motto von Rotary Service Above Self ist speziell für die Foundation zeitlos, sagt unser Autor. Eine Sozial-Psychologie

Rotarier treten freiwillig Rotary bei. Man kann sich nicht anmelden, weil die Bedingung erfüllt sein muss, dass eine „Passung“ zu einem bestehenden Freundeskreis besteht. Mit dem Beitritt zu einem Rotary Club muss einem aber bewusst sein, dass man dann einem Serviceclub angehört.

Das ist nicht immer so gewesen. Paul Harris und seine „Fellows“ verstanden sich zunächst nicht als Serviceclub; sie kamen zusammen, um in einer freundschaftlichen Verbindung faire Geschäftsbeziehun­gen zu pflegen. Der Gründung von Rotary vor 111 Jahren folgten erst elf Jahre später die ersten Schritte hin zur Foundation. Als Beginn gilt die erste Spende in Höhe von 26,50 US-Dollar im Jahre 1917 durch den RC Kansas City.

Das Wesen der heutigen Foundation kann man – in der Philosophie und mit den Worten von Dilthey gesprochen – als eine kontinuierliche und vollkommene Entwicklung einer Idee in der Geschichte, als eine „Objektivation des Geistes“, ver­stehen:


  • 1927 wird der erste Foundation-Grant durchgeführt
  • 1930 folgen erste Friedensprogramme
  • 1947 werden die ersten Stipendien ­vergeben
  • 1965 beginnt die Erfolgsgeschichte des Group Study Exchange, ebenfalls
  • 1965 starten die international ­verbindenden Matching Grants,
  • 1973 erfolgt eine erste Schwerpunkt­legung auf Hunger, Health und ­Humanity,  die „3-H-Grants“,
  • 1985 wird der „Leuchtturm“ des rotarischen Service, wird „PolioPlus“ aus der Taufe  gehoben, das 1988 in der „Global Polio Eradication ­Initiative“ mündet
  • 2002 eröffnen die ersten Rotary Peace Center
  • 2013 tritt nach einer intensiven Erprobungsphase (Future Vision) als vorläufige Vollendung das neue Grant-Modell in der Differenzierung District und Global Grants in Kraft


„Service macht Freude“
Rotary wird als eine weltweit tätige Service­organisation geführt. Damit sollte die Not­wendigkeit einer Begründung für Serviceleistungen überflüssig sein. Sie scheint es aber nicht zu sein. Ein Indiz ist, dass 2015 in Deutschland 180 Clubs keine Einzahlung in den Annual Fund gemacht haben. Seiner Pflicht nachkommen kann man von zumindest drei Positionen aus:

  1. Man zahlt eine Spende ein, zumindest 100 US-Dollar im Rahmen des Annual Fund, weil sich das in einem Serviceclub gehört und man beruhigt ist.
  2. Man folgt Kant mit seiner (sehr anspruchsvollen!) moralischen Forderung der Pflichterfüllung und empfindet dann eine moralische Befriedigung.
  3. Oder man modifiziert Schillers bewusst polemische Gegenposition zu Kant: „Gerne leistete ich Service aus Pflicht, doch tue ich es leider aus Neigung!“  

Auf die Stufe von Schiller kommt man sehr leicht, wenn man gehört und erlebt hat, welche hilfreichen Serviceprojekte Rotary Clubs auf den Weg bringen, wie notwendig und nützlich sie sind und vor allem, wie die Hilfe vor Ort ankommt und welche Freude dort bereitet wird!

Freude bekommt man nicht  
Von Stufe 1 auf Stufe 3 zu kommen ist kein Zufallsprodukt; die Sozialpsychologie hat dafür gut validierte Theorien. Zum Ersten ist es ein Schritt von der extrinsischen zur intrinsischen Motivation. Zum Zweiten ist es eine Hinwendung von der Anreiz- zur Tätigkeitszentrierung.

Wer selbst einmal Leistungssport betrieben hat oder mit eben dieser Intension ein Musikinstrument gelernt hat und spielt, weiß, dass der Wettkampf oder das erfolgreiche Auftreten auf einem Podium nicht als Motivation ausreichen: Hoffnung auf Erfolg und das antizipierte Empfinden von Stolz, die als zentrale motivationale Anrei­­­ze gelten, sind förderlich, aber nicht hinreichend. Man muss von der Sache eingenommen sein und – vor allem – man muss auch Freude an der Tätigkeit, am Training und Üben haben. Kein Leistungssportler, kein Berufsmusiker würde zum Erfolg kom­men, wenn er Training und Üben nur als notwendiges Übel, als Pflicht empfinden würde. Nicht anders ist es beim Service. Nur wenn man sich ein Serviceprojekt zu eigen macht und Freude bei der Verwirklichung des Projekts empfindet, wird man auf diesem Weg weitergehen. Ein Besuch am Ort des Serviceprojektes, ein Erleben der Arbeit dort und des Erfolges, das Entgegennehmen des Dankes der geförderten Menschen, kann Wunder bewirken, kann zum „Service aus Neigung“ führen.

Wie wäre es mit einem Hands-on-Projekt, bei dem man den Fortschritt „mit den Händen fassen“, ihn hören und sehen kann?! Für Hands-on-Projekte hält die Sozialpsychologie ein weiteres motivierendes Konzept bereit. Es erklärt eine Aussage, die Kant zugeschrieben wird: „Jeder kann sich an einem guten Essen erfreuen, aber nur der Koch kann Stolz empfinden!“

In die kognitive Motivations- und Emotionstheorie übersetzt, besagt die Aussage: Die Emotion Freude entsteht unabhängig davon, ob eine Leistung eine interne Ursa­che (sie geht auf die selbst erbrachte Leistung zurück) hat oder nicht. Die Empfindung von Stolz dagegen setzt eben die eigene Leistung für einen Erfolg voraus. Psychologen verweisen zum Verständnis dieses Zusammenhangs gerne auf den Sport, in dem die Zuschreibung auf die eigene Leistung, zum Beispiel das Training, gut erkennbar und sichtbar wird. Hands-on-­Projekte weisen ebenfalls den Vorteil auf, dass die Aktiven ihre eigene Arbeit als Ursache für Erfolg empfinden können. Und auch der ganze Rotary Club kann davon profitieren: So wie Deutschland stolz auf seine Nationalmannschaften ist, so kann der Club stolz auf sein Service-Projekt sein. Service ist so identitätsstiftend.

Erschienen in Rotary Magazin 2/2017

Klaus Willimczik
Klaus Willimczik (1983–2005 RC Bielefeld-Süd; seit 2005 RC Darmstadt-Kranichstein) war 2013/14 Governor (D 1860). Er hat in Geschichtsphilosophie promoviert, war bis 2005 Professor für Sportwissenschaft an der Universität Bielefeld. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Wissenschaftstheorie einschließlich der Verantwortung. Seinen bevorzugten Wahlspruch hat er von einem (wie er) Königsberger, dem Dompfarrer Julius Rupp, übernommen: „Wer die Wahrheit, die er bekennt, nicht lebt, ist der größte Feind der Wahrheit selbst.“

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