01.01.2017

Rotary aktuell 

Ein rotarisches Projekt auf der Zielgeraden

René Nehring

Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum entwickelt sich zu einer Erfolgsgeschichte – nicht zuletzt dank der Mitwirkung vieler rotarischer Freunde.

Unter einem rotarischen Projekt verstehen wir in der Regel die Aktivitäten der Rotary Clubs und Distrikte – von der Förderung der Bildung auf lokaler Ebene über die Gesundheitsfürsorge in Entwicklungsländern bis hin zum globalen Einsatz für den Frieden in der Welt. Doch können wir nicht auch diejenigen Projekte „rotarisch“ nennen, in denen einzelne Rotarier club- und distriktübergreifend zusammenwirken, um der Gesellschaft auf ganz anderen Gebieten einen Dienst zu erweisen?

Ein Beispiel dafür, was unsere Orga­ni­sation bewirken kann, ohne dass die Mar­ke Rotary offiziell erscheint, ist der Wieder­aufbau des Berliner Schlosses. Natürlich ist der Bau des Humboldt-Forums und seine anschließende Nutzung ein Vorhaben des Staates. Doch finden sich in der Geschichte des Wiederaufbaus zahlreiche Rotarier wieder, die maßgebliche Impulse dafür setzten und Einfluss auf das Geschehen hatten und haben.

Gleich nachdem zu Beginn der neunziger Jahre die Wiederaufbau-Idee geboren und von den Publizisten Wolf Jobst Siedler und Joachim Fest formuliert worden war, wurde sie von verschiedenen Rotariern vorangetrieben.

Der bekannteste unter ihnen ist Wilhelm v. Boddien (RC Berlin-­Branden­bur­ger Tor), der u. a. den Förderverein Berliner Schloss e.V. gründete und seit vielen Jah­ren dessen Geschäftsführer ist. Im Jah­re 1993/94 sorgte er für Furore, als er zusam­men mit einigen Freunden an historischer Stelle eine Simulation des Berliner Schlosses in Originalgröße errich­ten ließ und öffentlichkeitswirksam die Schönheit des Schlos­ses und seine Bedeutung für das Verständnis der historischen Mitte Berlins in Erin­nerung rief.

Beharrlich überzeugte Boddien in den folgenden Jahren die Entscheidungsträger in der Politik von der Notwendigkeit des Wiederaufbaus und begann parallel damit, Spender für die Wiederherstellung der historischen Fassaden zu gewinnen. Lob und Dank erfuhr er dafür nicht; ganz im Gegenteil wurde er immer wieder von Gegnern des Projektes verunglimpft. „Schlossgespenst“ war noch einer der harmloseren Titel, die ihm angeheftet wurden. Um so wichtiger war die Unterstützung durch einen immer größer werdenden Freundeskreis, der sich um den Förderverein herum bildete. An dessen Spitze stehen seit vielen Jahren als Erster Vorsitzender der Theologe und Philosoph Richard Schröder (RC Berlin-Brandenburger Tor) und als Schatzmeister Gernot von Grawert-May (RC Berlin-Alexanderplatz).

Lange Zeit fehlte jedoch ein Konzept, das das neue Schloss mit Leben erfüllen würde. Für den Durchbruch sorgte die Idee des Humboldt-Forums, die im Jahre 2000 von Klaus-Dieter Lehmann (RC Berlin), damals Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und heute Präsident des Goethe-Instituts, formuliert wurde. Auf dieser Grundlage fasste im Jahre 2002 der Deutsche Bundestag mit fast zwei Dritteln Mehrheit den Beschluss zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses.

Von der Idee zum Konzept
Als Bauherrin errichtete der Bund eine Stif­tung, deren Gründungsvorstand bis 2016 Manfred Rettig war, seit kurzem Mitglied im RC Bad Saarow. Die fachliche Zuständigkeit in der Regierung liegt in den Hän­den von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (RC Berlin-Nord), die das Humboldt-Forum zum zentralen Schaufenster der Kulturnation und zu einem Ort des Dialogs der Weltkulturen gestalten will. Dazu berief sie u. a. eine Gründungsintendanz mit dem früheren Generaldirektor des British Museum Neil MacGregor und dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kul­turbesitz, Hermann Parzinger (RC Ber­lin).

Darüber hinaus engagierten sich unzäh­lige weitere rotarische Freunde für den Wiederaufbau des Schlosses – sei es durch Spenden oder durch die Initiierung lokaler Förderkreise in Deutschland und jenseits der Landesgrenzen. Ein Beispiel dafür ist die Fotografin Beatrice Kühne (RC Berlin-­Alexanderplatz), die in beeindruckenden Bildern Götter-, Engel- und Adlerskulpturen fotografierte, die einst die Sprengung des Schlosses überlebt hatten und nun in den Wiederaufbau integriert werden. Unter dem Namen „Schmerz und Schönheit“ sind die Bilder in der Spandauer Schlossbau­hütte zu sehen.

Der Erfolg hat bekanntermaßen viele Väter, und der Misserfolg ist eine Waise. Im kommenden Jahr werden die historischen Schlossfassaden voraussichtlich vollendet und die Kuppel ihr markantes Kupferdach erhalten. 2018 soll der Innenausbau abgeschlossen sein und die Ausstel­lungen einziehen. Und im September 2019 wird das Haus laut Plan zum 250. Geburtstag Alexander von Humboldts eröffnet. Wenn dann – wie zu erwarten – das Staunen im In- und Ausland groß sein wird, werden sich vermutlich viele Väter mit dem strahlenden Kind schmücken. Das ist auch gut so. Die Rotarier dürfen schon heute stolz darauf sein, dass einige der wichtigs­ten Protagonisten des Wiederaufbaus aus ihren Reihen kommen.


Benefizkonzert
Durch rotarische Freunde ­initiiert sind auch die Benefizkonzerte des Stabsmusikkorps der Bundeswehr zugunsten der historischen Fassade des Berli­ner Schlosses. Das nächste Konzert unter der Leitung von Oberstleutnant Reinhard ­Kiauka findet am 19. März 2017 um 11:00 Uhr im Großen Saal der Philharmonie Berlin statt. Karten und weitere Informationen unter berliner-schloss.de

Erschienen in Rotary Magazin 1/2017

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