Rotary Magazin Spezial - Das nächste Niveau der sinnlichen Klarheit

Verantwortlich für das Aussehen der Mercedes-Modelle: Chief Design Officer Gorden Wagener © Daimler AG

01.11.2017

Rotary Magazin Spezial 

Das nächste Niveau der sinnlichen Klarheit

Gorden Wagener

Über die Designphilosophie von Mercedes-Benz, die Bedeutung traditioneller Techniken und den Wandel der Automobilität in den nächsten Jahren

Design gehört heute zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren im Markt – nicht nur für Automobile. Bei Mercedes-Benz wird Design immer häufiger als Kaufgrund genannt, gerade auch von neuen Kunden.

Gutes Design erfordert aber viel mehr als eine spontane kreative Idee: Die Basis erfolgreichen Designs ist eine klare, durchgängige Designphilosophie und eine bis ins Detail konsequente Umsetzung in ein fertiges Produkt.
Im Spannungsfeld von Tradition und Moderne entwerfen weltweit rund 600 Designer bei Daimler die Autos für die Zukunft. Der Wandel in der individuellen Mobilität erfordert auch eine neue Ästhetik. Ein Beispiel: Mit dem Concept EQA, den wir auf der IAA vorgestellt haben, entwickeln wir unsere E-Mobility-Marke EQ weiter zu einem progressiven Luxus. Wir haben Kanten und Linien bewusst weggelassen und so das nächste Niveau der Klarheit erreicht. Mit seinen atemberaubenden Proportionen, den nahtlos ineinander fließenden Oberflächen, kombiniert mit belebenden Grafiken durch Verwendung von High-Tech-Black-Panel-Flächen ist das Concept EQA definitiv ein starkes Design-Statement.

Form und Körper bleiben, wenn man Sicken und Linien extrem reduziert. Wir haben die Entschlossenheit, andere sagen sogar den Mut, diesen Purismus umzusetzen. Denn gutes Design ist auch die Kunst des Weglassens: Die Zeit der Sicken ist vorbei.  

Im Mittelpunkt unseres Schaffens steht unsere Designphilosophie der sinnlichen Klarheit als Ausdruck modernen Luxus. Das Erfolgsgeheimnis des aktuellen Mercedes-Benz-Designs ist die Verknüpfung von Intelligenz und Emotion: Design muss schön und intelligent sein, kurz gesagt „hot“ und „cool“.

Auch im Interieur steht bei Mercedes-Benz die Bipolarität aus traditioneller Handwerkskunst und Hightech im Zentrum. Mit der fortschreitenden digitalen Entwicklung schaffen wir vernetzte Erlebnisräume mit Wohlfühlcharakter, die Mensch, Auto, Zuhause und Arbeitsplatz verbinden.

Wir setzen die Vision des „third place“, des dritten Raumes neben Wohnen und Arbeiten, konsequent in unseren kommenden Serienprodukten um.

Mein Team und ich beschränken uns nicht auf Fahrzeuge, sondern entwerfen unter dem Label Mercedes-Benz Style inzwischen Produkte, die alle Bereiche des Lebens umfassen und in Kooperationen umgesetzt werden. Unser Anspruch ist umfassend: Wir machen die Welt schöner. Sei es mit einer Yacht, einem Hubschrauber- oder Business Jet-Interieur oder bei einer Leuchte, wir übertragen unsere Design-Philosophie auf alle Bereiche des Lebens und verlängern dabei das Markenerlebnis von Mercedes-Benz über das Auto hinaus.

Der Weg in die Serie
Dabei verfolgen wir einen langen und detaillierten Prozess für maximale Designqualität: Von den ersten Ideen bis zur Modellabnahme vergehen Jahre, in denen das globale Designteam gemeinsam Schritt für Schritt das endgültige Fahr-zeug erschafft. Die Designer arbeiten eng mit Forschungs-, Entwicklungs- und Fertigungsbereichen zusammen, stimmen Fahrzeugdimensionen, Materialkonzepte und Herstellungsverfahren ab und stellen dadurch auch die Produzierbarkeit sicher. Auf dem Weg in die Serie mit höchster Designqualität sind viele unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ bekannt gewordene Tools und Methoden wie Datenbrillen oder 3D-Druck längst Realität.

Doch auch hier existiert eine Bipolarität: Computer, Bildschirm und virtuelle Realität sind wichtige Werkzeuge im Gestaltungsprozess. Aber das haptische Erlebnis, eine erste Skizze zu Papier zu bringen, oder die ganzheitliche und dreidimensionale Sinnlichkeit, die nur ein mit den Händen aus Ton geformtes Modell vermitteln kann, bleiben unverzichtbar. Es ist ein Paradox unserer Arbeit: Wir leben in der Zukunft und gestalten diese, verwenden dabei aber nach wie vor auch traditionelle Techniken, weil nur diese das Wesen eines Designs emotional erlebbar machen.

Der Weg in die Zukunft

„Vision einer neuen urbanen Mobilität“: Der smart vision
EQ fortwo. Foto:  Daimler AG

Mit den Showcars gestalten wir die Designtrends der Zukunft und bereiten die Menschen Schritt für Schritt darauf vor. Wohin die Reise geht, haben wir in den vergangenen Wochen durch eine Reihe von Concept Cars sinnlich erlebbar gemacht. Neben dem bereits erwähnten Mercedes-Benz Concept EQA sind dies:

smart vision EQ fortwo: Mit dem smart vision EQ fortwo zeigen wir eine neue Vision der urbanen Mobilität und eines individualisierten, hochflexiblen und maximal effizienten öffentlichen Nahverkehrs. Es ist ein radikaler Ansatz mit einem coolen und reduzierten Design und visionären Proportionen. Eine Vielzahl an digitalen Oberflächen in Exterieur und Interieur ermöglicht die nächste Stufe der Kommunikation zwischen Mensch und Automobil.

Vision Mercedes-Maybach 6 Cabriolet: Das Vision Mercedes-Maybach 6 Cabriolet steigert modernen Luxus zu ultimativem Luxus und ist die perfekte Umsetzung von „hot“ und „cool“. Atemberaubende Proportionen kombiniert mit einem luxuriösen „Haute Couture“-Interieur schaffen ein ultimatives Erlebnis. Das glamouröse Cabriolet interpretiert klassisch-emotionale Designprinzipien auf extravagante Weise neu und verbindet intelligente Schönheit mit klassisch ästhetischen Proportionen und einem reduzierten, technoiden Auftritt.

Mercedes-AMG Project ONE: Der Mercedes-AMG Project ONE ist eines der heißesten und coolsten Autos, das wir je gemacht haben. Es verbindet unsere Designphilosophie der sinnlichen Klar-heit mit der Leistungsstärke unserer Formel-1-Rennwagen. Dieses Modell ist durch seine extreme Formensprache ohne eine einzige Linie und mit einem extrem puristischen Innenraum ein ganz besonderer Design-Meilenstein.

Die Autoindustrie wird sich in den kommenden zehn Jahren mehr verändern als in den letzten fünfzig. Dieser aktuelle Wandel, den wir bei Mercedes-Benz mit dem Schlagwort CASE beschreiben, ist die größte Herausforderung und das größte Geschenk für uns Designer. CASE bedeutet Connectivity, Autonomous, Shared und Electric – die vier Säulen unserer Zukunft. Diesen Wandel mitzuprägen ist für mich großartig, weil wir völlig neue Wege gehen und völlig neue Autos gestalten können.

Erschienen in Rotary Magazin 11/2017

Rotary Magazin 11/2017

Rotary Magazin Heft 11/2017

Titelthema

Herbst einer Volkspartei

Nach dem zweitschlechtesten Ergebnis der CDU und der Niedersachsen-Wahl scheint es in der Partei zu gären. Die Probleme liegen aber nicht nur an Merkel, sie sind struktureller Natur.

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