16.01.2014

Kapitalmarktsituation in EU und USA  

Wohin mit dem Geld?

Thomas Kurze

Die zuletzt deutlich gesunkene Inflationsrate im Euro-Raum hat die Europäische Zentralbank (EZB) erneut zur Zinssenkung auf 0,25 Prozent veranlasst. Die Budgets der privaten Haushalte in Deutschland werden zurzeit nicht durch steigende Ölpreise oder Steuererhöhungen belastet, was sich sehr positiv auf den privaten Verbrauch auswirkt.

Eine Studie der Beratungsgesellschaft Mc Kinsey Global Institute vom November 2013 weist nach, dass die Länder USA, Großbritannien und des Euroraums mit bis zu Euro 1,2 Billionen von der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken profitiert haben. Dies resultiert aus niedrigen Fremdkapitalkosten und der Weitergabe der Gewinne aus Anleiheverkäufen von Notenbanken an die Staatskassen.

Die Sparer in den Ländern des Euroraums, Großbritanniens und den USA sind jedoch die Verlierer dieser Politik. Die staatliche Rente wird oft nicht reichen, wenn private Altersvorsorge durch das Niedrigzinsumfeld stark erschwert wird. Wenn ein heute 30-jähriger in Deutschland mit 67 Jahren eine inflationsbereinigte Rente von Euro 1.800,- erreichen will, muss er neben der gesetzlichen Rente noch 37 Jahre lang monatlich Euro 570,- sparen (Focus Money 6/2013). Dies wird er weder können, noch angesichts des Zinsniveaus wollen.

Renaissance der Aktien

Andererseits sind sich die Währungshüter auf beiden Seiten des Atlantiks darüber im Klaren, dass hoch verschuldete Staaten, Immobilienmärkte und Banken noch lange dringend niedrige Zinsen benötigen. Deshalb werden wir noch viele Jahre mit sehr niedrigen Zinsen leben. Damit schreitet aber auch die schleichende Enteignung der Anleger voran.

Das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Einlagen und Ansprüchen gegenüber Versicherern erreicht in Deutschland den Rekordwert von Euro 5.027 Mrd. Doch mehr als 40 Prozent dieses Vermögens liegt auf Giro- und Tagesgeldkonten, ist in Sparbriefen oder als Barreserve angelegt. Nach Abzug der Inflation und der persönlichen Steuern sind viele Anlagen, wie z.?B. Bundesanleihen, Verlustgeschäfte.

In Zeiten unverzinslicher Inflation führt kein Weg an Aktien-Investments vorbei und zwar in Aktien erstklassiger Unternehmen, die global tätig sind und die sich auszeichnen durch?…
  • eine starke Marktstellung,
  • eine hohe Preissetzungsmacht,
  • stabile Margen und
  • solide Bilanzstrukturen.
Diese Werte werden gerade bei einer Inflation doppelt profitieren, nämlich durch höhere Bewertungen sowie steigende Umsätze und Erträge. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV – zurzeit ca. 13) erstklassiger Aktien werden meines Erachtens in den nächsten Jahren nachhaltig steigen. Ähnlich sieht es bei den Miet-Multiplikatoren von Top-Immobilien in Ballungszentren in den zurückliegenden Jahren aus. Für Aktien spricht auch die Dividenden-Rendite als Bestandteil eines diversifizierten Portfolios. Diese übersteigt signifikant die Rendite erstklassiger Staatsanleihen und belohnt damit Anleger für das Risiko mit einer angemessenen Prämie. Selbst bei fehlenden Kursgewinnen lohnt es sich, in Qualitätsaktien zu investieren.

Die KGV’s sind noch nicht über ihre langfristigen Durchschnitte gestiegen. In Deutschland investieren Menschen am liebsten in Immobilien, denn sie haben mit dem Immobilienmarkt in der Regel noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Schwacher Anleihenmarkt

Der Anstieg der Zinsen für längere Laufzeiten hat den Haltern langlaufender Bundesanleihen im 2. Quartal 2013 hohe Verluste beschert. Wenn die US-Notenbank im 2. Quartal des kommenden Jahres ihre Anleihenkäufe verringern wird (so wie von mir erwartet), wird sich der Zinsanstieg der Bundesanleihen fortsetzen. Der Anleihenmarkt ist somit zukünftig ein wenig sicherer Hafen, obwohl die meisten Anleger in Deutschland noch fest daran glauben. Ich bin überzeugt davon, dass noch mehr Gelder vom Anleihenmarkt in den Aktienmarkt fließen werden, was in Deutschland seit dem Sommer 2013 beobachtet werden kann.

Die Rückschläge im Deutschen Aktienindex (Dax) der Jahre 2011 und 2012 sind mir durchaus bewusst. Damals verlor der Dax 32 Prozent und 17 Prozent. In den nächsten 12 Monaten sollten (nach der technischen Reaktion) besonnene Aktienanleger investiert bleiben. Interessant ist, dass im langjährigen Durchschnitt die Geldvermögen in Deutschland um 4,9 Prozent wuchsen, der Dax aber um 8 Prozent p. a. gestiegen ist. Aktien sind heute in Relation zu Bonds attraktiv bewertet. Am Aktienmarkt ist aber noch keine Blase erkennbar. Während der Dax im Jahresverlauf um ca. 20 Prozent anstieg, verlor Gold etwa 20 Prozent seines Wertes.

Den Kursanstiegen seit Jahresmitte 2013 von?…
  • 11,5 Prozent für den S+P 500,
  • 17,2 Prozent für den Euro Stoxx und
  • 15,8 Prozent für den deutschen Prime-All-Share-Index?…
…?standen nur jeweils marginale Steigerungen der erwarteten Unternehmensgewinne gegenüber. Je nach Risikoneigung und persönlichen Lebensumständen müssen Investoren ihre Anforderungen an die Anlage definieren. Interessant dürfte für sie die Feststellung sein, dass sich der Fremdkapitaleinsatz an der Wall Street auf einem historischen Höchststand befindet.

Das Volumen der „Margin-Kredite“ zum Kauf von Aktien an der US- Börse auf Pump hat sich seit Januar 2012 verdoppelt. Sollte man jetzt noch am Aktienmarkt einsteigen? Sind die Kurse nicht schon zu weit davongelaufen?

Festzuhalten bleibt: Das wirtschaftliche Umfeld hat sich für Deutschland verbessert. Die Euro-Krise hat ihren Höhepunkt überschritten. Das Risiko eines Auseinanderbrechens des Euro-Raums ist in den Hintergrund getreten. Die deutsche Wirtschaft profitiert von der verbesserten Wirtschaftslage in den USA und Asien. Die Bundesbank hat im Dezember in ihrer Halbjahresprognose festgestellt, dass?…

  • Deutschland weiter die Konjunkturlokomotive in Europa ist,
  • die Arbeitslosenquote niedrig ist bei weiter steigender Beschäftigung,
  • der Lohnanstieg sich normalisiert und
  • ein Wechsel weg von außenwirtschaftlichen Impulsen hin zur Binnennachfrage erwartet wird.


Potentiale von Dax und Dow Jones

Meines Erachtens bieten auf Sicht von 12 Monaten ausgewählte deutsche, europäische und US-Aktien nach wie vor ein interessantes Potential. Sollte der Dax in den nächsten Wochen erstmals bis auf nahezu 10.000 Punkte steigen, so wird es dann eine technische Korrektur geben, die aus heutiger Sicht (Stand: Ende 2013) für Januar/Februar 2014 zu erwarten ist. Nach einem solchen Rückschlag gibt es sicher interessante Rückkaufgelegenheiten. Der Dezember eines Jahres hat seit 25 Jahren dem Dax nur in 4 Fällen Verluste beschert.

In den USA sah der aktuelle Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller Anfang Dezember 2013 im Magazin Barrons bei amerikanischen Aktien trotz hoher Bewertung noch Gewinnpotenzial. Shiller ist der an der Yale-Universität lehrende US-Wissenschaftler, der mehrere Finanzkrisen voraussagte, so auch vor fünf Jahren die Immobilienkrise. Spätestens mit dem Ende der Anleihenkäufe durch die US-Notenbank dürften Aktien in Deutschland, Europa und USA ihre Kursgipfel überschritten haben. Für langfristigen Erfolg an den Märkten sind breit gestreute Risiken und der richtige Ein- und Ausstieg in die verschiedenen Anlageklassen entscheidend. Daneben empfiehlt sich natürlich die Nutzung des Know hows eines professionellen Vermögensverwalters.

Erschienen in Rotary Magazin 1/2014

Thomas Kurze
Dr. Thomas Kurze (RC Berlin- Brandenburger Tor) ist Partner der Böhm   Kurze   Zumbrink Vermögensverwaltung in Berlin. Zuvor war er Direktor der Deutschen Bank in Frankfurt und Vorstand der  Landesbank Berlin. www.bzcm.de

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