Otto der Große und das Römische Reich - Kaisertum von der Antike zum Mittelalter

Miniaturporträt des Kaisers Augustus

17.09.2012

Otto der Große und das Römische Reich

Kaisertum von der Antike zum Mittelalter

Matthias Puhle

Auf 1200 Quadratmetern Ausstellungsfläche geben rund 300 Kostbarkeiten aus der römischen Antike, dem byzantinischen Reich und dem frühen Mittelalter einen Überblick über Beginn, Kontinuität und Wandel dieser europäischen Herrschaftsidee und zeigen eindrucksvoll, welche Ansprüche, aber auch Verantwortung der Kaisertitel beinhaltete, und auf welchem Fundament der mittelalterliche Herrscher Otto der Große aufbaute.

In einer prachtvollen Zeremonie empfing am 2. Februar 962 Otto der Große im Petersdom in Rom aus der Hand des Papstes die Kaiserkrone. Wenig später entstand das Siegel Ottos, in dessen Umschrift sich der Kaiser stolz als OTTO IMP(erator) AUG(ustus) bezeichnet. Damit verweist er auf den ersten Kaiser der römischen Antike, in dessen Tradition sich der Kaiser aus der ostfränkisch-sächsischen Familie der Liudolfinger bewusst stellte.

Aus Anlass des 1100. Geburtstages Ottos des Großen und der 1050. Wiederkehr seiner Kaiserkrönung nimmt das Kulturhistorische Museum Magdeburg diesen von Otto gespannten Bogen auf und thematisiert mit der Landesausstellung Sachsen-Anhalt „Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter“ vom 27. August bis zum 9. Dezember 2012 erstmals die tausendjährige Geschichte des Kaisertums von Augustus bis zu den Ottonen in einer Ausstellung. Nach den beiden Ausstellungen „Otto der Große. Magdeburg und Europa“ 2001 und „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ 2006 bildet die Landesausstellung 2012 den Höhepunkt dieser Trilogie großer Ausstellungen um Otto den Großen in Magdeburg.

 
Das heutige Wort „Kaiser“ geht auf den römischen Staatsmann Gaius Julius Caesar zurück. Seinem Adoptivsohn Oktavian gelang es, die Alleinherrschaft im Römischen Reich dauerhaft zu etablieren. Vom römischen Senat erhielt dieser zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ehrennamen „Augustus“ (der Erhabene), unter dem er heute bekannt ist. Aus den verschiedenen Rollen und Funktionen vom Feldherrn bis zum obersten Priester, die Augustus übernahm, entwickelte sich im Laufe der Zeit das Bild kaiserlicher Aufgaben und deren Repräsentation. Von Rom aus herrschten die Kaiser über das Römische Reich, das unter Trajan seine größte Ausdehnung erreichte. Im ersten Kapitel der Ausstellung zeigen Marmorbüsten und -statuen, Prunkkameen und Bronzebildnisse, wie Augustus und seine Nachfolger in den ersten drei Jahrhunderten das Kaisertum formten.

Von Augustus zu Konstantin

Unter Konstantin dem Großen entstand im Osten des Römischen Reiches mit Konstantinopel ein neues Machtzentrum. Der Kaiser förderte den christlichen Glauben entschieden und legte damit das Fundament für ein neues, christlich geprägtes Kaisertum. Theodosius, der als letzter Kaiser das ost- und das weströmische Reich vereinen konnte, erklärte das Christentum schließlich zur Staatsreligion. In seiner Nachfolge herrschte wieder je ein Kaiser im Westen und einer im Osten, das römische Reich insgesamt wurde jedoch weiter als Einheit gesehen. Nach der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus im Jahr 476 blieb die Kaiserwürde zunächst auf das oströmische Reich beschränkt. Das zweite Ausstellungskapitel zeigt mit ebenso kostbaren wie eindrucksvollen Exponaten die tiefgreifenden Veränderungen für das Kaisertum, die mit der neuen Religion unter Konstantin und seinen Nachfolgern in der römischen Antike einhergingen.

Nach dem Ende des weströmischen Kaisertums beanspruchten die oströmischen Kaiser von Konstantinopel aus die Oberhoheit über das gesamte römische Imperium, ihre tatsächliche Macht blieb aber auf den Osten beschränkt. Aus dem spätrömischen Ostreich wurde allmählich das griechisch geprägte Byzantinische Reich, dessen Kaiser den griechischen Titel „basileus“ führten.

Im 9. und 10. Jahrhundert entwickelte sich eine neue Phase des kulturellen Aufschwungs in Kunst, Literatur und Wissenschaft, die durch herausragende Objekte in der Ausstellung gezeigt wird. Dazu zählen auch erlesene Seidenstoffe, kostbare Elfenbeine und andere Luxusgüter, die begehrte Handelswaren und diplomatische Geschenke byzantinischer Gesandter waren.

Von Karl zu Otto

Am 25. Dezember des Jahres 800 krönte Papst Leo III. Karl den Großen im Petersdom in Rom zum Kaiser. Diese Krönung schuf die Grundlagen für das mittelalterliche Kaisertum im Westen: Mit Karl gewann erstmals ein Herrscher nördlich der Alpen für sich den Glanz des antiken Kaisertums, und der Papst konnte von nun an für sich in Anspruch nehmen, die Kaiserkrone zu verleihen.

Das Großreich Karls wurde unter seinen Nachfolgern geteilt, das Kaisertum von seinen Erben weitergeführt und geprägt. Es blieb aber mit dem Königtum über das Teilreich Italien gebunden und erlosch im Jahr 924.
Karl der Große und seine Nachfolger versammelten die bedeutendsten Gelehrten und Dichter ihrer Zeit und förderten die Künste und Wissenschaften. Auf allen Gebieten gab dabei die römische Antike das Vorbild. Die Otto-Ausstellung zeigt Höhepunkte der heute erhaltenen Kostbarkeiten wie Buchmalereien, Elfenbeinschnitzereien und Goldschmiedearbeiten der Karolingerzeit.

Otto der Große hatte durch die Hochzeit mit Adelheid, der Witwe König Lothars von Italien, das Königreich Italien für sich gewinnen können. Der König des ostfränkisch-sächsischen Teils des karolingischen Großreiches wurde 962 von Papst Johannes XII. in Rom zum Kaiser gekrönt. Fortan blieb das Kaisertum des Westens mit dem Königtum dieses Reiches nördlich der Alpen verbunden.

Wie vor ihm Karl der Große sah auch Otto der Große in seiner Herrschaft die Fortsetzung des römischen Kaisertums der Antike. Durch die Hochzeit seines Sohnes Ottos II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu gelang die Anerkennung des ottonischen Kaisertums durch Byzanz.

Der Plan ihres gemeinsamen Sohnes Ottos III., mit der Erneuerung des Römischen Reiches wieder eine Residenz in Rom zu errichten, scheiterte. Doch die Vorstellung von der Erneuerung des Römerreiches wirkte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bis zu seiner Auflösung 1806 fort.

Begleitprogramm

Ergänzend zur Ausstellung beleuchten Vorträge namhafter Wissenschaftler im prächtigen Kaiser-Otto-Saal des Kulturhistorischen Museums wesentliche Aspekte des antiken, byzantinischen und frühmittelalterlichen Kaisertums. Lange Museumsnächte laden dazu ein, die Landesausstellung zu ungewohnter Zeit zu besuchen.
Seit 1996 bietet das museumspädagogische Projekt „Megedeborch“ im Innenhof des Museums Schulklassen die Möglichkeit, für einen Tag in die Welt des Mittelalters einzutauchen. Im Jahr 2012 erleben die Schüler den Alltag einer Pfalz zur Zeit Ottos des Großen und entdecken spielerisch die Strukturen kaiserlicher Herrschaft im Mittelalter.

In der Ausstellung bieten Führungen und museumspädagogische Angebote für verschiedene Schulformen und Altersstufen die Gelegenheit, die Geschichte und die Entwicklung des Kaisertums sowie den Alltag in der Antike und im Mittelalter zu erforschen. 



ZUR AUSSTELLUNG
Auf den Spuren Ottos des Großen

Im Jahr 2012 jährt sich zum 1100. Mal der Geburtstag Kaiser Ottos des Großen und zum 1050. Mal seine Kaiserkrönung. Das Kulturhistorische Museum Magdeburg zeigt aus diesem Anlass in einer großen Sonderausstellung die faszinierende Entwicklung des Kaisertums von der Antike bis ins Mittelalter. Der Begleitband zur Ausstellung ist im Verlag Schnell + Steiner erschienen.

Die ottonische Zeit ist heute kaum noch so unmittelbar erlebbar wie in Sachsen-Anhalt. Im Jahr 2012 werden zahlreiche Schauplätze seines Lebens unter dem Titel „Auf den Spuren Ottos des Großen. Kaiserorte in Sachsen-Anhalt“ mit eigenen Ausstellungen und Veranstaltungen die Landesausstellung begleitet. Dazu zählen sowohl der wahrscheinliche Geburtsort Ottos, Wallhausen, wie auch sein Sterbeort Memleben. In Quedlinburg feierten Otto und seine Nachfolger oft das Osterfest sowie glanzvolle Hoftage. Nahe Quedlinburg befindet sich in Gernrode eine der am besten erhaltenen Kirchen aus ottonischer Zeit, in Tilleda die auf den ergrabenen Fundamenten rekonstruierte Anlage einer ottonischen Pfalzanlage. Den schon zurzeit seines Vaters wichtigen Ort Merseburg erhob Otto zum Bistum. Aus Halberstadt kam lange erfolgreicher Widerstand gegen Ottos Pläne zur Errichtung des Erzbistums Magdeburg.

Erschienen in Rotary Magazin 9/2012

Matthias Puhle
Prof. Dr. Matthias Puhle ist Direktor der Magdeburger Museen.

Rotary Magazin 12/2016

Rotary Magazin Heft 12/2016

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