Standpunkt - Eliteförderung nützt allen

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01.12.2017

Standpunkt

Eliteförderung nützt allen

Regina Kaschubek

Mithilfe von Global-Grant-Stipendien investieren wir gezielt in Talente – zum Wohle aller. Das passt zu Rotary und konkurriert keinesfalls mit anderen Projekten.

Wir alle wissen, dass Bildung ein hohes Gut in unserer Gesellschaft darstellt und dass der Zugang zu Bildung nicht überall selbstverständlich ist. Daher werden Projekte im Bereich der Elementarbildung in Entwicklungsländern oftmals von rotarischen Clubs unterstützt, ohne die Unterstützung in speziellen Schulbereichen im örtlichen Umfeld eines Rotary Clubs deshalb aus den Augen zu verlieren. Die Förderung von Bildung für Kinder und Jugendliche weltweit ist eines unserer Hauptanliegen.

Diskussionen ergeben sich jedoch immer wieder, wenn es um die Finanzierung  eines Stipendienprogramms für weiterführende Schulen oder Graduate-Studien geht. Die Rotary Foundation finanziert solche Stipendien über Global Grants. Ist das Eliteförderung oder bringt die Spitzen­ausbildung Einzelner tatsächlich vielen etwas? Es handelt sich hier ja nicht um soziale Bedürftigkeit. Warum soll man viel Geld in eine Person investieren, wo doch so viele Menschen nicht einmal lesen und schreiben können? Warum haben RI und die Rotary Foundation sich zum Ziel gesetzt, begabte Studenten zu fördern und damit in die Zukunft unserer Welt zu investieren? Was steckt dahinter?

Wissen, Erfahrung und Ressourcen bündeln
RI hat sich intensive Gedanken gemacht, was die wichtigsten Themenbereiche für unsere Zukunft sind, und sechs Schwerpunktbereiche definiert: Friedensförderung, Kampf gegen Krankheiten, Wasser und Hygiene, Schutz für Mutter und Kind, Elementarbildung, Wirtschafts- und Kommunalentwicklung.

Es sollen Wissen, Erfahrung und Ressourcen gebündelt werden, um weltweit nachhaltige Lösungen und Weiterentwicklungen zu finden. Dazu bedarf es kluger, begabter und engagierter Köpfe. Global-Grant-Stipendiaten planen eine Laufbahn in diesen Schwerpunktbereichen und verpflichten sich langfristig für nachhaltige und messbare Veränderung in ihrem Bereich.

Nicht umsonst haben Entwicklungsministerien und Universitäten erkannt, dass flächendeckende Bildungsförderung nur dann wirksam ist, wenn Ausbilder weiter geschult und vernetzt werden. Sie geben ihr Wissen vor Ort an Tausende weiter, immer auch unter Berücksichtigung kultureller, klimatischer, sozialer Bedingungen und mit dem Wissen um lokale Bedingungen. Das verhindert ein verwässerndes Gießkannensystem, ist direkter, bereits nachweisbar effizienter und spart Zeit. Es geht nicht darum, weniger Schulen zu bauen und zu erhalten, sondern zusätzlich lokale Fachkräfte für Schlüsselstellen in allen Bereichen aufzubauen. Diese Menschen können von Postgraduates, auch aus unseren Förderprogrammen, geschult werden. Hier setzen wir den Hebel an!

Unser Club, der RC Korneuburg, hat nach teils sehr kontroversen Diskussionen einen jungen, engagierten Arzt unterstützt. Über ein GG-Stipendium, gemeinsam mit der Unterstützung des RC Berkeley, konnte er ein Masterstudium in Maternal and Child Health an der Berkeley- Universität in Kalifornien absolvieren. In diesem Bereich sind die Ausbildungsmöglichkeiten in den USA hervorragend und zukunftsweisend. Jemand wie er wird künftig in Schlüsselpositionen von Gesundheitsbehörden, UN-Abteilungen und NGOs tätig sein können. Damit kann die „elitäre Ausbildung“ an eine Stelle gelangen, die ein Vielfaches an Auswirkung und Reichweite haben wird. Dies bedeutet natürlich keineswegs, dass die direkte Unterstützung weniger sinnvoll ist.

Speziell im Fokus Gesundheit für Mutter und Kind geht es neben der Senkung der Sterblichkeitsrate von Müttern und Kindern auch um die Stärkung der Frauen sowie deren Rechte und Wissenszugang, und vor allem um freien Zugang zur Familienplanung. Nur so kann die rasante Zunahme der Weltbevölkerung gestoppt und der Armut weltweit Einhalt geboten werden.

Die Mitglieder und Mitarbeiter von RFPD (Rotarian Action Group for Population & Development) engagieren sich bei Rotary und in der Öffentlichkeit mit der Initiierung von Projekten in diesem Bereich. Wenn hier ein top ausgebildeter Spezialist zur Verfügung stehen wird, können zukünftig Projekte professioneller geplant und effektiver abgewickelt werden. Dies ist eine Zielsetzung des Future Vision Plans von RI.

„Service Above Self“
Eliteförderung von Begabten, die diese Art von Weiterbildung nicht selbst bezahlen können, ist keine Unterstützung, die in den Bereich von sozialer Bedürftigkeit fällt, und auch kein Projekt im unmittelbaren Wirkungskreis eines Clubs.

Aber es dient der Zukunft auch unserer Kinder und ist ein globales Investment. Wir engagieren uns noch stärker im rotarischen weltweiten System. „Service Above Self“ zum Wohle aller und für unser aller Zukunft.

Erschienen in Rotary Magazin 12/2017

Regina Kaschubek
Regina Kaschubek, RC Korneuburg. ist selbstständige Vermögensberaterin und seit 2007 bei Rotary. Sie ist Gründungsmitglied des RC Korneuburg. Seit 2016 ist sie Mitglied im Foundation Team Distrikt 1910, zuständig für Stipendien und Peace Fellowships.

Rotary Magazin 1/2018

Rotary Magazin Heft 1/2018

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