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Jugendarbeit

Wie ein Rotarier mit Hörspielen Werte vermittelt

Jugendarbeit - Wie ein Rotarier mit Hörspielen Werte vermittelt
Zurzeit arbeitet Dirk Leiber mit einem Team von internationalen Filmfachleuten, die u.a. mit Hollywoodauszeichnungen und Oskar Nominierungen glänzen können, am ersten Pollution Police Kinofilm – hier ist eine Szene daraus zu sehen. © Pollution Police

Wie kann man Jugendlichen mehr echte Werte vermitteln? Dirk Leiber hat da eine zündende Idee gehabt: Mit Hörspielen über Pfadfinder.

16.01.2014

Dirk Leiber, Mitglied im RC Kevelaer gründete mit 14 Jahren seine erste Pfadfindergruppe. 15 Jahre später war sie, mit 50 Kindern und entsprechend vielen Leitern, die größte Jugendorganisation des Ortes. Als Prokurist einer Werbetechnikfirma für Messegrafik, Fahrzeug- und Außenwerbung begegnete er auch beruflich der Jugend. So las er Bewerbungen und führte Vorstellungsgespräche.

Als er ein Anschreiben bekam, in dem die Rechtschreibfehler notdürftig mit Kugelschreiber korrigiert wurden und in einem Vorstellungsgespräch auf die Frage: "Warum bewerben Sie sich hier? Was sind Ihre Ziele?" nur ein leerer Blick mit leichtem Schulterzucken als Antwort kam, riss ihm der Geduldsfaden. "Ich wünschte Pfadfinder würden sich bei mir bewerben, war mein Gedanke." Und Lieber meint damit nicht die Tatsache, dass Pfadfinder eine Kaderschmiede sind. Aber das, was Pfadfinder begeistere und spielerisch an Herausforderung und Verantwortung in abenteuerlicher Art und Weise in ihrer Freizeit lebten, führe ganz nebenbei zu einem Werteleben aus Erfahrung.

So trat der Rotarier wieder mit der Pfadfinderwelt in Kontakt und war erschrocken, unter was für einem verstaubten Image sie litt. "Ich musste erkennen, dass auch hier die Egozentrik, das virtuelle Leben und die Medienaffinität der Kinder Einzug gehalten hatte", so Leiber. So wie in der Presse heute der Nachwuchsmangel in den freiwilligen Feuerwehren beschrieben wird, so war auch bei den Pfadfindern ein Leitermangel und der Einzug des Unverbindlichen zu erkennen. Leiber erkannte, dass im Internet und im oft kritisierten Hang der Jugend zu den Medien auch eine große Chance steckt. "Wir leben in einer Zeit, in der Ideen in kürzester Zeit an Millionen Menschen vermittelt werden können. Wenn die Idee schlecht ist, ein Fluch, wenn die Idee gut ist, ein Segen."

Englischer Titel für Pfadfinder weltweit


Also entwickelte Leiber mit Drehbuch und Hörspielinstanz Markus Topf die Kinder und Jugendserie "Pollution Police - Die kleinen Pfadfinder". Er wählte einen englischen Titel, um auch ein junges Publikum über deutsche Grenzen hinaus anzusprechen, schließlich gibt es mehr als 13 Millionen Pfadfinder weltweit. Hauptfiguren sind die Pfadfinder Linus, Melissa und Niklas, die, zusammen mit ihrem Maskottchen dem Waschbären "Einstein", Abenteuer erleben. In den Geschichten selbst geht es um Zivilcourage, Ehrlichkeit und Werte. So bringen die Geschichten zum einen die Pfadfinderbewegung wieder mehr in den Fokus von Kindern und Eltern zum anderen zeigen sie, welche Werte im Leben wichtig sind. Alle Rechte der Geschichten sind dabei in Hand eines gemeinnützigen Vereins.

Das Geld, das mit dem Verkauf der Geschichten verdient wird, nutzt der Verein zur Produktion weiterer Folgen und zur Förderung von Pfadfinderprojekten. Die ersten drei Folgen wurden durch Firmensponsoring ermöglicht. Die folgenden fünf Folgen schon durch den Verkauf der ersten Produktionen. "Das Projekt ist also nachhaltig", sagt Leiber. "Keine Firma oder Privatperson kann sich bereichern, da die Finanzen im geschlossenen und gemeinnützigen System der Jugendförderung verbleiben müssen."

Für den Hörspiele hat Leiber Profi -Synchronsprecher aber auch Filmschauspieler als Gastsprecher gewinnen können.  "Die Liste der Prominenz aus Kultur, Sport und Wissenschaft, die wir als Gastsprecher anfragen dürfen, ist sehr groß. Interessant auch für die Firmen, die als Paten für Hörspiele, Produktionen unterstützen und deren Logo im Booklet aufgeführt werden."

Zurzeit arbeitet Leiber mit einem Team am ersten Pollution Police Kinofilm. Die Finanzierung wird mit einem Fundraising aufgebaut. Firmen können mit einem Stempel in das Sponsorenbuch erklären, dass sie, wenn es mit dem Film klappt, 100 Kinderhörspiele zu je 10 Euro kaufen. So sollen die Kinderhörspiele von Firmen als Werbegeschenke in Umlauf gebracht werden, und gleichzeitig Geld für den Film gesammelt werden.

Junge Menschen als Pfadfinder gewinnen

"Nur noch 50 Stempel“, so Leiber "und wir können mit dem Film anfangen. Denn die Filmproduzenten arbeiten zu Selbstkosten."  Ihm liegt die zweite Säule des Konzeptes, die Pfadfinder Jugendarbeit, am meisten am Herzen.  "Wenn ein Kind erst einmal die erste Gruppenstunde mitgemacht hat, dann ist der Funke meist übergesprungen. Dann sind die Vorurteile, das Feuer machen und Lieder singen uncool ist, schnell abgebaut und das Mädchen oder der Junge fiebert dem nächsten Treffen entgegen.", sagt lieber. "Erst wenn ein Kind in der Natur ist, haben wir unser Ziel erreicht", so Leiber.

Im Pfadfinderkonzept "Pollution Police", das jede Gruppe verbandsübergreifend mit Unterstützung vom Pollution Police e.V. nutzen kann, wird auch mit anderen Vereinen zusammen gearbeitet. Die Mitglieder können Reiten lernen, den Angelschein machen, Segelfliegen, Theaterunterricht nehmen, oder an anderen  Projekten teilnehmen. Jeder Unterstützer und Sponsor bekommt ein Mal im Monat einen Bericht über die Arbeit der "Pollution Police" Pfadfinder.

Natürlich kosten solche Projekte Geld. Hier kommt die dritte Projektsäule ins Spiel. Firmen der lokalen Wirtschaft unterstützen die Ortsgruppe finanziell mit kleinen monatlichen Spenden. "Dafür gibt es zwar keine Bandenwerbung am Sportplatz, aber etwas, in Zeiten des Werteverfalles, viel interessanteres", so Leiber. Der Unternehmer bekommt die Perspektive, dass sich vielleicht ein Kind aus der Gruppe als Ferienjobber, Praktikant oder Auszubildender bewirbt. "Für die Kinder ist es auch ein gutes Gefühl diese Unternehmen ansprechen zu können. Und der Verein vor Ort kann eine Arbeit machen, wie sie sonst nicht möglich ist."

Sozial benachteiligte Kinder bekommen die Ausrüstung leihweise gestellt, Mitglieder mit Behinderungen werden gefördert und Projekte werden finanziert. Die Gruppe, die Dirk Leiber zu "Testzwecken" vor fünf Jahren gegründet hat, beweist, dass das Konzept funktioniert. Auf maximal 30 Kinder und fünf Leiter beschränkt, gibt es bereits eine Warteliste. Weitere Projekte wurden bereits zum Abschluss gebracht und Ausbildungsverträge vermittelt.