Projekt für den Niger - Wiener Studenten planen SozialzentrumFotostrecke: Ein Dorf der Hoffnung für den Niger

?Viele der Gebäude sind aus Lehm gebaut – ein wichtiger Werkstoff, den die Studenten in ihre Entwürfe einbeziehen. © Hans Rutkwoski

23.10.2013

Projekt für den Niger 

Wiener Studenten planen Sozialzentrum

In behutsamer Abstimmung auf die Bedürfnisse vor Ort planen Professoren und Studenten der TU Wien zwei Schulen, ein Schwesternheim und weitere Begegnungsstätten für die Stadt Tibiri  im Niger. „Dorf der Hoffnung“ nennt sich das Projekt, das auf einem 2 Hektar großen Grundstück entsteht, Mutter Marie Catherine Kingbo, gebürtige Senegalesin, hat es so getauft. Sie hatte die Idee für dieses Dorf,  in dem einmal 1500 Kinder unterrichtet, junge Mädchen wohnen und lernen und junge Frauen in einem eigenen Bildungszentrum Förderung erfahren.

Bildung, Gesundheit und sozialen Zusammenhalt soll das Projekt den Frauen in die Gegend um Tibiri bringen. Das ist Mutter Marie Catherines Vision, für die sie kämpft – und für die sie einige Partner gewonnen hat. So unterstützt der Rotary Club (RC) Wien-Stadtpark das Projekt finanziell und begleitet die Planungsschritte. Die TU Wien steuert Fachkenntnis bei: Studenten entwickeln speziell an die Region angepasste Bauvarianten.

Ein Grundstück von zwei Hektar wurde in  2011 mit der Hilfe von Rotary Innsbruck erworben. Ein Schwesternwohnheim, das teilweise auch für Schulungszwecke verwendet werden soll, ist schon fertig. Als nächster Schritt soll eine Vorschule für 300 Kinder errichtet werden und im Anschluss daran eine Grundschule für 1.200 Jugendliche. Ein Mädcheninternat, ein kleines medizinisches Zentrum mit angeschlossenem einem einfache Spital, ein Frauen-Bildungszentrum und ein Gästehaus für Seminarteilnehmer sollen schrittweise folgen.

Ernähren, unterrichten, heilen


Mutter Marie Catherine Kingbo verfolgt das Ziel, jungen Frauen in den Dörfern der Trockensavanne im Norden der Provinzhauptstadt Maradi Bildung zu ermöglichen. Doch sie leistet noch mehr: Da der Hunger die in der Sahelzone liegende Provinz Maradi immer wieder heftig heimsucht, geben Marie Catherine Kingbo und ihre 18 Schwestern regelmäßig Kindernahrung an bis zu 1.000 Kinder am Tag aus. Die engagiert Frau vergibt außerdem zinsfreie Mikrokredite. Damit können die Menschen vor Ort kleine Geschäfte aufbauen. Nähen, Schneidern oder Stoffe färben – das Wissen und die Fertigkeiten dafür erlernen sie in dreitägigen Wochenendseminaren in den einzelnen Dörfern mit bis zu 250 jungen Menschen.

Dass Marie Catherine Kingbo als christliche Ordensfrau in einer fast ausschließlich muslimischen Region arbeitet, ist für sie kein Problem: Sie genießt volle Akzeptanz der lokalen Dorfvorsteher und der Imame und Behörden und eine hohe Wertschätzung in den von ihr betreuten rund 100 Dörfern.

Die Aktivitäten von Mutter Marie Catherine wurden von am Anfang an ausschließlich von privaten Spendern aus Europa finanziert, sehr stark vor allem aus Österreich, wobei neben dem RC Innsbruck der RC Wien Stadtpark seit einigen Jahren einer der größeren Sponsoren ist, der die Projekte von Marie Catherine Kingbo direkt und indirekt finanziell stark unterstützt, ist es doch seit fast drei Jahren das internationale Sozialprojekt des RC Wien Stadtpark. Der RC Wien Stadtpark befasst sich aber auch mit der Suche nach zusätzlichen Spendern für Marie  Catherine Kingbo: Anfang 2011 wurde zu diesem Zweck von einigen Mitgliedern dieses Clubs ein gemeinnütziger Verein gegründet, die „Initiative Maradi Verein zur Förderung junger Menschen im Niger“.

Aktivitäten an der TU Wien

Für das „Dorf der Hoffnung“ müssen Gebäude errichtet werden, die deutlich größer sind als die typischen Häuser der Region. Daher arbeitet Mutter Marie Catherine bei der Planung mit der TU Wien zusammen, ein Kontakt ist durch den RC Wien Stadtpark zustande gekommen.

„Die Gebäude sollen nicht zu protzig wirken, sich in die typischen Bauweisen einfügen und ein gewisse Bescheidenheit ausstrahlen“, sagt Hans Rutkowski, Obmann des Vereins „Initiative Maradi“ und Past President des RC Wien Stadtpark. „Insgesamt 1500 Kinder werden dort unterreichtet werden, was eine sehr professionelle und umfassende Planung bedingt.“

Unter der Leitung von Professorin Andrea Rieger-Jandl haben die etwa 25 Studenten der TU Wien jedes einzelne Gebäude entworfen. Marie Catherine Kingbo kam regelmäßig für Arbeitsgespräche nach Österreich. Im Juni haben die Studenten ihre Entwürfe vorgestellt. Marie Catherine Kingbo hat darunter eine Variante für die Vorschule ausgewählt, die ihr am besten gefällt. Mit diesen Plänen flog sie zu zurück nach Niger, um diese ihren Schwestern abzustimmen.

Wo soll es später einen Ballspielplatz geben? Wo sind die Klassenräume zu finden? Solche Fragen klärten die Frauen vor Ort. Das Ergebnis waren Änderungs- Ergänzungs- und Streichungswünsche, die Mutter Catherine mit der TU Wien abstimmte. Bald wird es in die Detailplanung gehen.

Erfahrung mit solchen Bauprojekten

Das Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege der TU Wien hat viel Erfahrung mit außereuropäischen Forschungsprojekten. Auch in Äthiopien und in Saudi-Arabien hat das Team bereits gearbeitet. Mit Bärbel Müller von der Universität für Angewandte Kunst und der Architektin Anna Heringer begleiten zusätzlich zwei renommierte, international erfahrene Fachfrauen das Projekt.

„Wir wollen keinesfalls unsere europäischen Architektur-Gewohnheiten den Menschen in anderen Regionen aufzwingen“, sagt Ulrike Herbig (TU Wien). „Wir sehen uns die Infrastruktur und die Bautradition vor Ort genau an. Dann versuchen wir zu überlegen, wie man die Gebäude auf eine Weise planen kann, die gut zu den dort vorhandenen Materialien und Baugewohnheiten passt.“

In der Region um Tibiri wird viel mit einem besonderen Lehm gebaut, dieses Material spielt daher in den Entwürfen der TU-Studierenden auch eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse der Planungsarbeit sind eine logische Fortsetzung der lokalen Bautradition, sie nehmen Rücksicht auf die Ressourcen, die dort zur Verfügung stehen und auf die handwerkliche Expertise der Gegend.

Der Erwerb des Grundstückes in der Stadt Tibiri, die Schaffung eines Teiles der Infrastruktur und die Errichtung des Schwesternhauses samt einigen Nebengebäuden kosteten rund 220.000 Euro, die durch Spendenaus Deutschland, Frankreich und Österreich, aufgebracht wurden. Die Kosten zur Errichtung der Vorschule werden in etwa bei EUR 85.000  liegen, die jetzt gefunden werden müssen.

Die Grundschule wird errichtet, nachdem die Vorschule fertig ist. Der Finanzbedarf wird derzeit ermittelt. „Es gilt immer wieder kleine und große Spender zu motivieren“, sagt Hans Rutkowski. Doch es lohne sich. „Mit dem Dorf der Hoffnung und Mutter Marie Catherines Engagement hilft man den Menschen im Niger, einem Land, um das sich sonst kaum jemand kümmert.“

  • Weitere Informationen sind der Vereins-Website zu entnehmen: www.initiative-maradi.org
  • Spenden zur Unterstützung der Tätigkeiten von Mutter Marie Catherine an an „Initiative Maradi“, ERSTE Bank, Wien, BIC: GIBAATWWXXX, IBAN AT30 20111 289 590 205 03

 

 

 

 

 

 

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