Chicago - 158 Entscheidungen in fünf Tagen

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30.04.2016

Chicago 

158 Entscheidungen in fünf Tagen

Peter Iblher

Nicht immer, aber immer wieder wird bei dem nur alle drei Jahre stattfindenden Council on Legislation (CoL) rotarische Geschichte geschrieben. So wie diesmal.

Fast alle der insgesamt 534 Distrikte hatten Repräsentanten zur fünftätigen Konferenz nach Chicago entsendet. Tatsächlich rütteln nun einige ihrer Entscheidungen an rotarischen Grundfesten, sanktionieren andererseits aber nur das, was in manchen Teilen der rotarischen Welt schon lange Usus ist. Hier kommt eine Übersicht über die wesentlichen Neuerungen.

Gesamtziele von RI sind für alle Clubs verpflichtend
In einem neuen Artikel 6 der Clubverfassung wurden die Clubs ausdrücklich auf die Gesamtziele der Organisation, also auf Serviceprojekte in den Schwerpunktbereichen, Mitgliedschaftsstärkung, Unterstützung der Rotary Foundation und Entwicklung von Führungskräften verpflichtet.

Einsatz- und Führungsqualität sind relevanter als die Position
Die Aufnahmekriterien wurden neu so formuliert, dass statt Positionsmerkmalen Integritäts-, Einsatz- und Führungsqualitäten in den Vordergrund treten. Inoffiziell übersetzt heißt das: „Ein Club soll aus erwachsenen Personen mit gutem Charakter, Integrität und Führungsqualitäten bestehen; sie sollen einen guten Ruf in ihrem Unternehmen, Beruf und/oder ihrer Gemeinde besitzen und zum Dienst in ihrer Gemeinde und/oder weltweit bereit sein“. Leider ist trotzdem unser RI- Verfassungsantrag knapp an der 2/3-Hürde gescheitert, der Verpflichtung zu einer gut gemischten professionellen Struktur eine Verpflichtung zur ausgewogenen Altersstruktur zur Seite zu stellen.

Flexibilisierung der Präsenz
Als wesentlichste Veränderung wurden mit großer Mehrheit von 392 zu 82 Stimmen die Regularien für Meetings und die Präsenz flexibilisiert. Wenn Clubs dies wünschen, können sie in Zukunft Meetingorganisation und Präsenzregeln frei gestalten, solange mindestens zwei Meetings im Monat stattfinden.

 85er-Regel verschärft
Die sogenannte 85er-Regel zur Entpflichtung von Mitgliedern wurde insofern verschärft, als in der Summe von Lebensjahren und Mitgliedschaftsjahren von 85 mindestens 20 Mitgliedschaftsjahre enthalten sein müssen.

E-Clubs erhalten „normalen“ Club-Status
Unterschiede zwischen traditionellen und E-Clubs wurden entsprechend einem japanischen und unserem Antrag aufgehoben. Clubs können sich individuell für persönliche und virtuelle Meeting- und Kommunikationsformen entscheiden. Virtuelle und persönliche Präsenzen werden gleich gewertet.

Es gibt keine besonderen E-Clubs mehr. Im Clubnamen kann das bisherige „E“ entfallen. Umgang bei Rechtstreitigkeiten neu geregelt Sanktionsmöglichkeiten von RI gegenüber Clubs und Mitgliedern, die die eigene Organisation ohne Rücksicht auf die internen Regeln in Rechtsstreitigkeiten verwickeln, wurden verschärft, zugleich aber Verteidigungsmöglichkeiten bei Suspendierungen ausgebaut.

Distriktgrenzenänderungen durch RI-Vorstand
Wenn Distrikte über 100 Clubs hinaus wachsen, kann der Zentralvorstand deren Grenzen ebenso ändern wie bei einem Absinken unter 1000 Mitglieder. 

Pro Kopf-Gebühren
Die an RI abzuführenden pro Kopf-Gebühren wurden wegen der momentanen finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen (geringe Anlageerträge) stärker erhöht als früher, nämlich von heute 27,50 auf 34,00 US-Dollar ab 2019/2020. Der Vorstand hatte dies in einer Finanzvorschau mit Defizitrisiken begründet und anhand von Beispielen gezeigt, wie er diese selbst durch Kosteneinsparungen (drei Millionen US-Dollar durch Verlagerung von Druck-arbeiten nach Indien) verringert hat.

Abgelehnt wurden ...
... Anträge verschiedener Distrikte, weitere Beträge zur Finanzierung von PR-Maßnahmen zu erheben. Auch der Antrag, den Bezug der offiziellen gedruckten Regionalmagazine ins 

Belieben des einzelnen Mitgliedes zu stellen, wurde abgelehnt. Wegen der hohen Kosten des CoL selbst, die allerdings direkt von den Distrikten getragen werden, wurden Maßnahmen zur Reduzierung diskutiert. Keine Mehrheit bekam eine beantragte Umstellung des Tagungsrhythmus von drei auf vier Jahre oder die Verkleinerung der Teilnehmerzahl auf jeweils einen von zwei alternierenden Distrikten. Es wurde aber beschlossen, die Gesetzgebungsverfahren zu teilen. So sollen enactments, konkrete Vorschläge zu Textänderungen der gesetzlichen Grundlagen,wie bisher in einer persönlichen Versammlung alle drei Jahre diskutiert werden. Resolutions hingegen, die strategische Überlegungen an den Zentralvorstand herantragen, sollen in Zukunft jährlich online beraten und abgestimmt werden. Sie beanspruchten in der Vergangenheit viel Zeit und fanden wenig Zustimmung. Ihre Abtrennung wurde mit großer Mehrheit beschlossen, um damit einen Arbeitstag vor Ort und Kosten von schätzungsweise 340 000 US-Dollar einzusparen.

Fokussierung auf Polio
Der Vorschlag, bei Distriktkonferenzen auf Präsidentenvertreter verzichten zu können, wurde knapp abgelehnt. Alle Distrikte sollen aber in Zukunft eine Videobotschaft des Präsidenten erhalten. Im Rahmen 

der resolutions wurde der Vorstand aufgefordert, eine externe Überprüfung der Organisations- und Managementstruktur von RI zu veranlassen. Da bei der Diskussion von resolutions immer wieder Wünsche für neue Arbeitsschwerpunkte an den Zentralvorstand herangetragen werden, wurde auf dessen Antrag hin grundlegend und einstimmig festgestellt, dass bis zur Beseitigung von Polio kein weiteres RI-Programm in Angriff genommen wird. 

Dieser Fokussierung unterlag auch unser zusammen mit Franzosen und Belgiern vorgetragener Wunsch nach Anerkennung von Rotex. Eine Mehrheit sprach sich aber für die Wiederzulassung von Stipendiaten außerhalb der Schwerpunktbereiche aus. Große Übereinstimmung bestand schließlich zur Veranstaltung von weltweiten Aktionen zum Geburtstag der Foundation 2017.

Erschienen in Rotary Magazin 5/2016

Peter Iblher
Peter Iblher (RC Nürnberg-Reichswald) ist seit 1990 Rotarier und war im Jahr 2007/08 Governor im D 1880. 2010 bis 2014 war er Vertreter des RI-Präsidenten und seit 2011 Governor- und PETS-Trainer International und Regional. Er war CoL-Beauftragter 2013 und 2016 sowie Rotary Coordinator der Zonen 14/19 mit Zuständigkeit für Mitgliedschafts- und Clubentwicklung (2013–16). 2017/18 ist er RI Director für die Zonen 13, 14 und 18B.

Rotary Magazin 1/2018

Rotary Magazin Heft 1/2018

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