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Diskussion um CoL-Beschlüsse

Fatale Tendenz

Diskussion um CoL-Beschlüsse - Fatale Tendenz
Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff ist Präsident des RC Düsseldorf. Er war von 2005 bis 2010 Kulturstaatssekretär beim Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und von 2005 bis 2006 zusätzlich Chef der Staatskanzlei. © Sasan Saidi

Stoppt den endgültigen Niveauverlust bei Rotary jetzt. Schon gibt es Stimmen, die für einen Austritt plädieren und für die Gründung von „New Rotary in Old Europe“

01.06.2016

Die jüngsten Beschlüsse des Council onLegislation (CoL) stoßen bei der Mehrheit unseres Clubs wie auch bei mir persönlich auf entschiedene Ablehnung, ja Empörung! Wir erwägen, auf einer Mitgliederversammlung Einspruch zu erheben. Es gibt bei uns sogar bereits Stimmen, die für einen Austritt („Rexit“) und die Gründung von „New Rotary in Old Europe“ plädieren. Das sollte uns so nachdenklich machen wie der „Brexit“!

Fast alle Beschlüsse des CoL haben die eben­so fatale wie irrige Tendenz, den gravierenden Mitgliederschwund vor allem in den USA (mit einer Mitgliedschaftsdauer von wenigen Jahren) durch eine ständige Niveauabsenkung und die Gründung neuer Clubs um jeden Preis bekämpfen zu wollen:

  • Absenkung der Zugangsvoraussetzungen (keine Inhaberschaft von Führungspositionen in Wirtschaft, Staat, Gesellschaft etc. mehr erforderlich, es reicht praktisch aus, 18 Jahre alt und gesellschaftlich engagiert zu sein und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis zu besitzen),
  • Halbierung der Anzahl der Meetings, so dass auch kein Gast mehr weiß, wann welcher Club nun gerade in dieser Woche in diesem Ort tagt,
  • generelle Freistellung derjenigen Wochen von einem Meeting, wenn in dieser Woche ein Feiertag liegt (auf diese Idee muss man erst einmal kommen …!),
  • Gleichstellung der E-Clubs mit den traditionellen Rotary Clubs (auch namensmäßig), als wäre ein virtuelles Meeting im Internet dasselbe wie die persönliche Begegnung Auge in Auge bei Speis und Trank und im unmittelbaren Gespräch mit den Freunden.

Nur in einer Frage betreibt unsere „Kurie“ in Evanston keine Nivellierung: In der Anhebung der für uns alle an Rotary International (RI) abzuführenden Gebühren um immerhin circa 24 Prozent! Auch wenn uns das nicht wirklich arm werden lässt: Machen es sich da nicht einige „Kurienkardinäle“ in Evanston ebenso einfach wie die Ablasshändler in Rom kurz vor dem Auftreten Martin Luthers – und stehen wir bei Rotary nicht in der Tat kurz vor der Situation, dass wir zumindest in „Old Europe“ aufstehen und Front machen sollten gegen eine inflationäre Mitgliederwerbung, die nur der Finanzierung von Evanston dient?! Sollten wir jetzt nicht alle sagen: „Bis hierher und nicht weiter!“?!