Matthias Kleiner, RC Dortmund-Westentor - »Eine Aufgabe, die einen mit Haut und Haaren packt«

Matthias Kleiner ist seit 2011 Vorsitzender der Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“

13.06.2012

Matthias Kleiner, RC Dortmund-Westentor

»Eine Aufgabe, die einen mit Haut und Haaren packt«

Christoph Moss

Als ihn Bundeskanzlerin Merkel nach der Reaktorkatastrophe von Japen bittet, den Vorsitz der Ethikkommission "Sichere Energieversorgung" zu übernehmen, sagt Matthias Kleiner spontan ja und ist damit maßgeblich mit verantwortlich für den geplanten Ausstieg der Bundesrepublik aus der Kernenergie.

Ein altes Gutshaus, mitten in Dortmund, unweit der Technischen Universität. Es ist ein Idyll, in dem Matthias Kleiner lebt. Hohe Decken, Kunst, klassische Musik – kaum vorstellbar, dass hier jemand wohnt, der die meiste Zeit seines Arbeitslebens auf Reisen ist.

Professor Matthias Kleiner ist Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Einer breiten Öffentlichkeit wurde er nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März vergangenen Jahres bekannt. Angela Merkel persönlich rief ihn an und fragte, ob er den Vorsitz der Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“ übernehmen wolle. „Ich habe recht spontan Ja gesagt“, erinnert sich Kleiner. „Einer solchen Bitte der Bundeskanzlerin kann man sich als Staatsbürger nicht verschließen.“

Ein ehrgeiziger Plan

Gemeinsam mit dem früheren Umweltminister Klaus Töpfer und einer Reihe von Experten hatte die Kommission gerade einmal zwei Monate Zeit, um die wichtige Frage zu beantworten: Sollen wir aus der Atomkraft aussteigen oder nicht? Der Plan war ehrgeizig: Treffen im Kanzleramt, Klausursitzungen in Tagungshotels, stundenlange Diskussionen, die live im Fernsehen übertragen wurden. „Es war eine heiße Zeit“, sagt Matthias Kleiner heute. Als die Kommission der Kanzlerin nach intensiven Debatten schließlich den Bericht überreichte, war ihm klar, dass „eine gemeinsame große Kraftanstrengung vor uns liegen würde“. Am Ende beschloss die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernenergie – eine politische Grundsatzentscheidung von historischer Tragweite.

Besondere Ereignisse

Der Anruf Angela Merkels ist typisch für das bisherige Berufsleben des Matthias Kleiner. Immer wieder waren es besondere Ereignisse, die der Entwicklung des studierten Ingenieurs eine bis dahin unerwartete Richtung gaben. Als die Mauer fiel, zog der gebürtige Westfale in den Osten an die neugegründete Brandenburgische Technische Universität Cottbus. Dort baute er den Lehrstuhl für „Konstruktion und Fertigung“ auf und wirkte im Gründungsreferat mit.

1998 holte ihn das Land Nordrhein-Westfalen zurück an seine Heimatuniversität nach Dortmund. Kleiner lehrte und forschte intensiv. Er sammelte wissenschaftliche Auszeichnungen und wurde 2007 Präsident der DFG. Seitdem steht er an der Spitze der größten Förderorganisation für Grundlagenforschung in Europa mit einem Jahresetat von mehr als 2,5 Milliarden Euro. „Es ist eine Aufgabe, die einen mit Haut und Haaren packt“, sagt er.

Und trotzdem schlummert in dem 57-jährigen Ingenieur noch eine weitere Leidenschaft. Er schraubt an allem herum, was sich bewegt und einen Motor hat: einem Lanztraktor etwa, einem Miele-Moped aus seinem Geburtsjahrgang oder einem alten Land Rover Defender. „Ich benutze gern meine Hände.“ Das gilt auch für den Sport. Kleiner ist ein begeisterter Segler. Wann immer es geht, segelt er gemeinsam mit seinen Kindern Mara Marthe, Jan Jonathan und Jürn Jakob auf dem Ijsselmeer oder an der Ostseeküste.

Matthias Kleiner ist verheiratet mit der Pfarrerin Christine Burkhardt-Kleiner. Ethik ist damit in besonderer Weise auch ein Thema innerhalb der Familie. „Eine Gesellschaft muss sich genau überlegen, welchen ethischen Leitlinien sie folgt“, sagt er. „Dies ist auch ein wichtiger Punkt unserer rotarischen Gemeinschaft.“ Seit zwölf Jahren ist er Mitglied im RC Dortmund-Westentor. Er fühlt sich dort „verwurzelt“, auch, weil er heute beruflich viel unterwegs ist. „Und genau deshalb ist mir mein Dortmunder Rotary Club Westentor so wichtig“, sagt er. „Ich freue mich auf die Besuche dort. Dieser Club ist auch Teil meiner Heimat.“

Erschienen in Rotary Magazin 6/2012

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