15.02.2012

Berlin

Exzellenzpreis für Geschichtswissenschaftler

Diese Merkwürdigkeit hat Marc Mudrak, der selbst 1987 in einem kleinen bayerischen Dorf geboren wurde und aufwuchs, schon lange beschäftigt. Wie kommt es, dass sich zwei Bauern im selben Ort plötzlich so verschieden zur Marienstatue verhalten? Der eine betet sie an, der andere will sie zerstören. Aber beide sind gläubig.

Für den Geschichtswissenschaftler Mudrak ist die Reformation das Thema seiner Akademikerlaufbahn. Seine Masterarbeit mit dem Titel „Von den Luthergegnern zu den Altgläubigen“ blickt auf die Anfangsphase der Reformation, in die Zeitspanne zwischen 1520 bis 1524. Es ist ein ungewöhnlicher Blick, oder wie es Mudrak ausdrückt, einer „in extreme Grauzonen einer religiösen Selbstzerfleischung“.

Marc Mudrak, Absolvent der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der École des hautes études en science sociales Paris, ist einer der neun Exzellenzpreisträger 2011 der Deutsch-Französischen Hochschule in Straßburg. Sein Preis wurde gefördert vom RC Berlin-Brandenburger Tor. Laudator Prof. Dr. Gerd Fußmann gibt zu, dass ihn der Titel nicht gleich eingenommen habe. Dann aber fesselten ihn die 130 Seiten zunehmend. „Der flüssige Stil und die Genauigkeit der Analyse der historischen Gegebenheiten haben es mir leicht gemacht, dem Autor auf diesem mir ansonsten völlig fremden Gebiet zu folgen.“ Unter den 24 eingereichten Bewerbungen war für den emeritierten Physikprofessor Mudraks Bewerbungsarbeit die spannendste und vielversprechendste. Er räumt dem Preisträger „alle Chancen auf eine erfolgreiche Laufbahn im Bereich der Wissenschaft“ ein. In seiner Promotion widmet sich Marc Mudrak weiterhin dem Thema „Religion und Gesellschaftsspaltungen“. In seiner Masterarbeit noch hatte sich der ehemalige Abiturient des katholischen Gymnasiums Kolleg der Schulbrüder in Illertissen auf die Seite der Luthergegner begeben, um den religiös-sozialen Umbruch zu beschreiben. Sein Denkansatz ist es, Spaltungen von unten zu beschreiben. Das Volk sei immer multireligiöser als die Führungs­eliten, ist eine seiner Thesen. Denn Religionen definieren sich nicht nur über die Gebäude, über Institutionen oder Rituale, sondern vor allem dadurch, wie sie „das Alltagsleben des Einzelnen durchwirken.“ Für Mudrak ist „Religion zuerst ein soziales Konstrukt, das sich kontinuierlich verändert.“ Um das zu erfassen, will er jetzt seine Forschungen verbreitern und mehrere Wissenschaftsansätze streifen: Geschichts- und Politikwissenschaft, Theologie, aber auch Anthropologie, Kultur- und Sozialwissenschaften. Und seine Arbeit soll die „Entstehung der kirchentreuen Lager in und zwischen Deutschland und Frankreich“ beleuchten.

Das Binationale ist auch der Ansatz für das rotarische Engagement. Die beiden befreundeten RCs Paris und Berlin-Brandenburger Tor suchten seit geraumer Zeit nach einem gemeinsamen Projekt, um die Verständigung zwischen der Jugend beider Nationen zu fördern. Künftig soll es die Finanzierung zweier Exzellenzpreise für herausragende Masterarbeiten auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften sein. Der RC Paris hatte sich für die Masterarbeit der Politikwissenschaftlerin Charlene Cabot an der Freien Universität Berlin entschieden.

 

Erschienen in Rotary Magazin 2/2012

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