01.03.2016

 

Der Kampf ums Wasser

Fritz Holzwarth

Die nachhaltige Bewirtschaftung unserer endlichen und gefährdeten Wasserressourcen ist alternativlos – gesellschaftlich, wirtschaftlich und ökologisch

Von der Sicherheit unserer Nahrungs- und Energieversorgung bis hin zur Gesundheit von Mensch und Umwelt – Wasser beeinflusst jede wirtschaftliche und soziale Entwicklung und hat Auswirkungen auf das Leben von Milliarden von Menschen. Mangelnde Wasser- und Sanitärversorgung sowie Hygiene (englische Abkürzung: WASH) führen zu großen Schäden im Hinblick auf Gesundheit und Wohlbefinden, verursachen hohe finanzielle Kosten und einen beträchtlichen Verlust an Wirtschaftskraft.

Bis zum Jahr 2050 wird die globale Wassernachfrage voraussichtlich um 55 Prozent steigen, insbesondere aufgrund erhöhten Bedarfs aus den Bereichen Landwirtschaft, Industrieproduktion und Energieerzeugung sowie von Privathaushalten. Die konkurrierende Nachfrage führt zu schwierigen Zuteilungsentscheidungen.
Gerade die Nahrungsmittelproduktion und der Energiesektor – für eine nachhaltige Entwicklung entscheidende Bereiche – werden unter den Einschränkungen leiden. Außerdem erhöht der Wettbewerb zwischen Wassernutzern und Wassernutzungsformen das Risiko lokaler Konflikte, verschärft bereits bestehende Ungleichheiten und hat damit erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Lebensqualität.

Übermäßig, überkommen, unangemessen

Übermäßige Wassernutzung ist häufig das Ergebnis von überkommenem Besitzstandsdenken sowie unangemessener Nutzung und Verteilung, deren Auswirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung kaum jemand berücksichtigt. Die Grundwasservorräte sind rückläufig: Geschätzte 20 Prozent der Grundwasserleiter der Welt sind derzeit übernutzt. Wegen der Beeinträchtigung der Ökosysteme durch unangemessene landwirtschaftliche Praktiken, Abholzung und Umweltverschmutzung können sie ihre „Dienstleistungen“ inklusive der Bereitstellung von sauberem Wasser immer weniger gewährleisten. Die meisten volkswirtschaftlichen Modelle berücksichtigen nicht den Wert dieser „Dienstleistungen“ – eine von diversen Ursachen für die oftmals nicht nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen und der Beeinträchtigung von Ökosystemen. Belastungen durch unbehandeltes Siedlungs- und Industrieabwasser sowie durch Abfluss von belasteten landwirtschaftlich genutzten Flächen schwächen die Ökosysteme weltweit enorm, vor allem Feuchtgebiete befinden sich im Niedergang.

53 Milliarden US-Dollar – fünf Jahre lang

Um diesen Herausforderungen zukünftig besser begegnen zu können, müssen wir auf die Förderung von nachhaltigem Investment setzen – sowohl in die Wasser- und Sanitär-, aber auch in die Abwasserversorgung. Ein dauerhaft sinnvolles Investment muss eine angemessene Finanzierung, den professionellen Betrieb und vor allem die regelmäßige Wartung berücksichtigen. Damit wirklich jedermann Zugang zu sauberem Wasser erhält, braucht es gerade bei benachteiligten Gruppen große Fortschritte. Experten schätzen, dass für dieses Ziel jährlich rund 53 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren benötigt werden.

Tatsächlich könnte so ein struktureller Wandel zu Fortschritten in vielen produktiven Bereichen der Wirtschaft führen – auch zu mehr Erwerbsmöglichkeiten, die wiederum mehr Ausgaben in den Bereichen Gesundheit und Bildung zulassen, was ihrerseits die Tragfähigkeit und Dynamik wirtschaftlicher Entwicklung stärken würde. Viele Vorteile ergäben sich durch den Einsatz der besten verfügbaren Technologien und Bewirtschaftungssysteme. Wirtschaftliche Argumente können Entscheidungsträgern und Planern die Relevanz des Erhalts von Ökosystemen aufzeigen, denn Studien belegen, dass im Fall von wasserbezogenen Investitionen in Ökosysteme die Vorteile die Kosten weit übersteigen.

Förderfähige Stipendienprogramme

Doch Investitionen in Technik reichen nicht aus, Investitionen in gute Ausbildung sind ebenfalls zentral, zum Beispiel am UNESCO-IHE Institute for Water Education in Delft/Niederlande. Als größte internationale Ausbildungseinrichtung im Bereich Wasser werden hier Fach- und Führungskräfte ausgebildet, die weltweit einen dauerhaft sinnvollen Umgang mit Wasser konzipieren, planen und implementieren sollen – vor allem aus Schwellen- und Entwicklungsländern.

Die Rotary Foundation ist seit 2011 strategischer Partner, fördert Stipendien und ruft weltweit Dis­trikte und Clubs dazu auf, Studenten für diese 18-monatigen Master-of-Science-Studiengänge vorzuschlagen und finanziell zu unterstützen.

Folgende Studiengänge sind im Angebot:

  • Städtische Wasserversorgung und Abwasser­entsorgung
  • Wasserverwaltung
  • Water Science and Engineering

In den ersten zwölf Monaten erfolgt der theoretische Teil, in den verbleibenden sechs steht das Verfassen einer Diplomarbeit auf dem Programm. Erfreulicherweise kehren etwa 97 Prozent der Absolventen zurück in ihre Heimatländer und übernehmen dort Führungspositionen im Wassersektor. 


Infos zur Bewerbung siehe Schwerpunktbereiche, Kontakt zum Rotary-Koordinator am UNESCO-IHE: Professor Michael McClain, hier

Erschienen in Rotary Magazin 3/2016

Fritz Holzwarth
Fritz Holzwarth ist ehemaliger Wasser- und Meeresdirektor im Bundesumweltministerium und heute Rector a.i. UNESCO-IHE

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