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Die vielen Gesichter der Sklaverei

 - Die vielen Gesichter der Sklaverei
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Über 40 Millionen Menschen weltweit leben in Ausbeutung. Eine rotarische Action Group will Clubs für Hilfsprojekte gewinnen.

05.01.2019

 Sklaverei ist nicht Geschichte, sondern für rund 40,3 Millionen Menschen auf der Welt grausame Realität. Sie werden ausgenutzt als Zwangsarbeiter, Kindersklaven oder auch Prostituierte, wie Arnold R. Grahl vom Rotarian recherchiert hat. Seit 2013 bemüht sich die Rotarian Action Group against Slavery (http://ragas.online) darum, Rotary Clubs für den Kampf gegen die modernen Formen der Ausbeutung zu gewinnen.

Dabei geht es keineswegs nur um Missstände in den ärmeren Ländern der Welt. Auch im wohlhabenden Westen ist Ausbeutung verbreitet. Melissa aus Atlanta im US-Bundesstaat Georgia ist dafür ein Beispiel. Die junge Frau wurde von einem Mann unter Vorspiegelung eines Model-Jobs entführt und mit Drogen und Gewalt in die Prostitution gezwungen. Als Melissa auf einer Jugendkonferenz von ihren furchtbaren Erfahrungen berichtete, war für Dave McCleary vom RC Roswell klar, dass sein Club sich gegen diesen Missbrauch engagieren werde. Melissa stammte aus seiner Heimatstadt, sie ist quasi eine Nachbarin. „Das Problem geht uns alle an“ – damit überzeugte er seinen Club, ein eigenes Projekt zu entwickeln.

Rotarischer Gemeindienst könnte auch Menschen wie der sechsjährigen Jeanette in Port-au-Prince in Haiti helfen, die von ihren mittellosen Eltern aus der Provinz an „Verwandte“ in der Hauptstadt für die Hausarbeit vermittelt wurde. Zu ihren täglichen Aufgaben gehört das Wasserholen über viele Kilometer. Sie gilt nach einem Bericht der BBC als eines von geschätzten 250.000 Kindern in Haiti, die wie Sklaven gehalten werden. „Sie werden schlechter als Hunde und Katzen behandelt“, zitiert der Sender die belgische Nonne Soeur Marthe.

Mit Hilfe der Nichtregierungsorganisation Freedom United, die bei Regierungen und Wirtschaftsunternehmen massiv auf Maßnahmen gegen Ausbeutung drängt, versuchen allein in den USA 200 bis 400 Gruppen, wie etwa Rotary Clubs, für versklavte Menschen eine Lobby aufzubauen. Denn im Gegensatz zu den Verhältnissen in früheren Jahrhunderten, ist Sklaverei heute nicht mehr ohne weiteres als solche erkennbar. Sie versteckt sich zum Beispiel innerhalb der Wohnhäuser.

Geblieben aber ist die Hilflosigkeit der mittellosen Menschen, die auf welche Weise auch immer dem Willen anderer unterworfen sind: „Als ich erfuhr, wie groß das Problem der häuslichen Sklaverei ist und wie viele Menschen in meinem Bundesstaat zur Feldarbeit gezwungen werden, hat mich das sehr berührt“, erläutert der  Vizepräsident des RC Clayton in North Carolina/ USA, Ian Rumbles, seinen Einsatz für die Betroffenen: „Wenn es moderne Sklaven in unserem Land gibt, kann ich mir vorstellen, wie hoch die Zahl der versklavten Menschen in der Welt sein muss“, zitiert Grahl den Rotarier.

Ein anderes Beispiel aus Indien: 2015 eröffneten 14 Rotary Clubs unter Leitung des schottischen RC Dunbar mit einem Global Grant der Rotary Foundation ein Berufsbildungszentrum für befreite Opfer des Menschenhandels in Kalimpong, Westbengalen. Derzeit arbeitet die Gruppe an einem weiteren Projekt für befreite Frauen und Mädchen.