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Standpunkt

„Frauen sind keine Minderheit,die toleriert werden muss“

Standpunkt - „Frauen sind keine Minderheit,die toleriert werden muss“
Monika Veeh, RC Ahrensburg, engagierte sich in ihrem Club als Jugenddienst-Beauftragte und für die Rock-Pop-Jazz-Masters. © Silke Mascher

Für Monika Veeh ist die Diskussion um Frauen bei Rotary und der Wunsch von RI, diverser zu werden, falsch aufgezäumt. Ihr fehlen zwei wichtige Aspekte.

01.09.2022

1. Rotary ist ein Berufs(!)netzwerk
Rotarys ursprüngliche Zielsetzung war es, Angehörige verschiedener Berufs(!)-gruppen in einen Austausch zu bringen, um für die Arbeitswelt ein faires Miteinander zum Wohle aller zu entwickeln. Der Ursprung der rotarischen Idee ist das Zusammenführen unterschiedlicher Berufe, um im Rahmen der rotarischen Freundschaft neue Blickwinkel für die eigene Berufstätigkeit zu gewinnen.Rotary war nie als „Anbahnungsinstitut“ für Männer- oder Frauenfreundschaften gedacht. Wer so denkt, möge mir den entsprechenden Passus in unseren Statuten nennen. Dass der Anteil der Frauen in der rotarischen Welt immer noch klein ist, hat vor allem mit der Geschichte der Arbeit und der Rolle von Frauen darin zu tun. Frauen spielten von der Gründung 1905 bis zur ersten Zulassung eines weiblichen Mitglieds 1989 einfach keine Rolle bei Rotary, und Männerfreundschaften entstanden durch die wöchentlichen Meetings quasi automatisch. Auf diese Weise haben Clubmitglieder die von Männern dominierte Arbeitswelt auch in den eigenen Reihen zementiert. Nicht also die rotarische Idee, sondern ihre tradierte Form macht das gleichberechtigte Clubleben so schwer.

Ursache für die schwierige Diskussion zur Mitgliedschaft von Frauen heute bleibt dabei die inadäquate Vermischung von Fakten und Emotionen. Denn die Teilhabe an einem Berufsnetzwerk wird in der Diskussion nach wie vor mit dem Wunsch und der Sehnsucht nach reinen Männer- oder nun auch Frauenfreundschaften vermischt. Beides hat aber nichts miteinander zu tun.

Ich verstehe Rotary so, dass der Beruf über die Zugehörigkeit entscheidet. Nicht das Geschlecht. Wer das Ziel der Gründungsmitglieder, den Austausch von Angehörigen verschiedener Berufe, ernst nimmt, blickt bei der Auswahl neuer Freundinnen und Freunde einzig auf den Beruf der/des Kandidaten/-in und dessen sinnhafte Ergänzung zugunsten eines lebendigen Clublebens. In der heutigen Arbeitswelt sind dann auch viele Frauen zu finden.

Wer sich innerhalb Rotarys gern mit gleichgeschlechtlichen Mitgliedern unterhalten möchte, dem und der steht es frei, sich jenseits der Clubmeetings zu treffen. Im Rahmen des beruichen Netzwerkens und der hier gelebten rotarischen Freundschaft – also im Meeting – komme man dann aber bitte wieder zusammen.

2. Frausein ist keine Minderheitenerscheinung
Ich bin immer wieder verwundert, wie in Diskussionen dieser Art Gleichberechtigung, Diversität und Inklusion munter in einen Topf geworfen werden. Auch hier obsiegen oft Emotionen über Fakten. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau steht im Grundgesetz – Punkt. Die sexuelle Präferenz spielt dabei schlicht keine Rolle. Und, dass die Gleichberechtigung in der Realität noch gewisse Mankos aufweist, liegt nicht daran, dass Männer und Frauen sich gegenseitig mehr tolerieren müssten oder dass Frauen Hilfestellung bei der Eroberung der Arbeitswelt benötigten, sondern schlicht daran, dass tradierte Handlungsschemata nur schwer aufzubrechen sind, auch bei Frauen. Siehe oben.

Die Frage nach der Diversität ist die Frage nach Toleranz beziehungsweise Diskriminierung – ein anderer Aspekt unseres Grundrechtes auf freie Entfaltung. Gesellschaftlich stehen wir vor der Frage, ob uns eine allumfassende Toleranz und Offenheit unterschiedlichen Männern und Frauen gegenüber gelingt – und da ist Rotary gerade mal so eben auf einem guten Weg. Bis heute haben einige Clubs Schwierigkeiten im Umgang mit Mitgliedern, die ihre Homosexualität oder Transsexualität nicht mehr verbergen möchten. Es muss unter dem Gebot der rotarischen Freundschaft und Fairness ein ureigenes Interesse von Rotary sein, dass der Blick auf die sexuelle Präferenz im professionellen Raum vollkommen unerheblich ist.

Inklusion wiederum bezieht sich auf unser soziales Fundament und soziale Kompetenz. Wie sehr kann es uns gelingen, Menschen, die besondere Bedürfnisse und Bedarfe haben, in unser gesellschaftliches Leben zu integrieren? Dazu braucht es Brücken und Hilfestellungen, die wir erkennen und bauen müssen. Dazu braucht es auch einen Konsens, dass und wie diese Brücken gebaut werden sollen, und nein: Eine Rampe für Rollstühle in den Saal des Clubmeetings ist noch kein Inklusionserfolg.

Wenn das alles in einen Topf geworfen wird und wir daraus ein „DEI“ machen, kann keines dieser Themen adäquat gelöst werden, eher wertet man jeden einzelnen Aspekt ab. Frauen sind keine Minderheit, die toleriert werden muss, und für Gleichberechtigung braucht es eine entsprechende Grundhaltung aller Beteiligten.

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