Standpunkt - International? Von wegen!

Internationale Partnerschaften gehören zu Rotary - oder nicht? Hier der Austausch der Partnerschaftsurkunde des RC Lyon Part-Dieu und des RC Stuttgart-Fernsehturm im Jahr 2011 © Rotary

01.04.2017

Standpunkt 

International? Von wegen!

Gerhard Lintner

Das Interesse deutscher Rotarier am Internationalen Dienst ist eher dürftig. Dabei verschafft er den Clubs jede Menge Mehrwert.

Wenn wir auf unser rotarisches Abzeichen sehen, lesen wir „Rotary International“. Dennoch führen der Internationale Dienst und die Länderausschüsse ein Schattendasein nach dem Motto „Oft gelesen, selten wahrgenommen“. Wir Deutschen sind ein reiselustiges Volk. Daraus lässt sich ein gewisses Interesse an anderen Ländern und Kulturen erkennen. Warum überträgt sich dies nicht auf unser rotarisches Leben? Rund ein Viertel der deutschen Clubs haben keinen internationalen Partnerclub. In einigen Distrikten liegt dieser Prozentsatz leider noch deutlich höher bei fast 50 Prozent. Verfällt nun auch unsere rotarische Gemeinschaft in regionalen oder gar nationalen Isolationismus? Internationale Clubpartnerschaften sind eine, wenn nicht die einfachste, Möglichkeit für die Rotarier, ein Stück Internationalität im eigenen Club zu erleben. Auch die Beteiligung deutscher Rotarier an den regionalen Ins­tituten und an den rotarischen Conventions ist, verglichen zu unseren Nachbarn, eher niedrig. Selbst beim Rotary Institute 2014 oder beim Rotary Global Peace Forum 2013 in Berlin waren die deutschen Rotarier nicht in der Mehrheit. Selbst derartige rotarische Highlights konnten unsere Freundinnen und Freunde nicht hinterm Ofen hervorlocken.

Vorteile aufzeigen!
Viele Clubs wagen sich nicht an Global Grants, was sicherlich nicht an dem höheren Finanzaufwand oder dem Antragsverfahren liegt. Liegt es etwa daran, dass man für Global Grants internationale Projektpartner benötigt? Das Engagement der Freunde für den Internationalen Dienst ist also stark verbesserungswürdig. Woran liegt das?

Möglicherweise haben wir Amtsträger es bisher versäumt, besser über den Internationalen Dienst zu informieren. Wir müssen den Distrikten, den Clubs und den Rotariern verdeutlichen, welchen Mehrwert wir ihnen zur Verfügung stellen können. Bei der allseits bekannten Leseschwäche der Rotarier scheidet das Schreiben von Newslettern aus. Wie also können wir den geneigten Rotarier/die Rotarierin dennoch erreichen?

Es gibt keine „Goldrandlösung“, aber man kann an zwei elementaren Punkten ansetzen:

  • Die Governors und Governors elect sollten gemeinsam mit ihren Distriktbeauftragten des Internationalen Dienstes auf den verschiedenen Veranstaltungen des Dis­triktes den Mehrwert unseres Dienstzweiges vorstellen und erläutern. Es sollten Vorträge bei allen Clubs offensiv angeboten werden. Dies gilt besonders für neu gegründete Clubs. Hier würde sich eine Kooperation mit den Distrikt- und Clubtrainern anbieten.
  • Wir benötigen für die Interessierten in Rotary und die Öffentlichkeit einen aktuellen und offenen Internetauftritt. Ein passwortgeschützter Bereich bliebe den Mitgliedern vorbehalten.

Wie lässt sich der Mehrwert des Internationalen Dienstes und der Länderausschüsse skizzieren?

  • Wir sind die Spezialisten, die mit Rat und Tat zur Seite stehen, um internationale Clubpartnerschaften in allen Phasen der Partnerschaft zu festigen, zu stabilisieren und zu fördern.
  • Wir können bei der Suche nach Projekt- und/oder Clubpartnern für „Grants“ mithelfen und so die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Rotariern verschiedener Länder, Sprachen und Kulturen fördern sowie die Projekt-Planung, -Durchführung und -Abwicklung vereinfachen und unterstützen.
  • Die Länderausschüsse verfügen über besondere Sach- und Fachkenntnisse aus ihren Partnerländern, die die vorhandenen Möglichkeiten (u. a. finanzielle Hebel) von RI ergänzen, verstärken und möglicherweise erweitern können. Dabei spielen die Leitdistrikte als die Experten für ihre Region oder ihr Land eine besonders wichtige Rolle.

Die Strukturen des Internationalen Dienstes müssen in der Lage sein, dies zu leisten. Nur durch Vernetzung erreichen wir eine bessere Verbreitung der „Best Practice“ für alle Amtsträger und Clubs bis hin zu den Rotariern und Rotarierinnen. Im nationalen Bereich vollzieht sich die Kommunikation durch die Länderausschüsse. Im Idealfall sollten alle 15 deutschen Distrikte zu allen derzeit 35 Länderausschüssen einen Vertreter entsenden.

Dadurch könnte sichergestellt werden, dass die Erfahrungen und Erkenntnisse zwischen den Distrikten ausgetauscht werden. Hier ist noch deutlich Luft nach oben. Einige Distrikte sind nicht einmal an der Hälfte der Länderausschüsse beteiligt. Historisch haben der Internationale Dienst und die Länderausschüsse viel geleistet, sie haben mit dazu beigetragen, den notwendigen gesellschaftlichen Unterbau für die politische Aussöhnung in Europa zu schaffen. Es wäre schön, wenn wir mehr Freundinnen und Freunde für eine Mitarbeit an diesem äußerst interessanten Zweig unserer weltumspannenden Organisation gewinnen könnten.


Und wie sehen Sie das?

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International, Internationaler Dienst, Gerhard Lintner, Lintner, RC Berlin-Brücke der Einheit
Bildunterschrift

 

Erschienen in Rotary Magazin 4/2017

Gerhard Lintner
Gerhard Lintner (RC Berlin-Brücke der Einheit) ist Beauftragter Internationaler Dienst/Länderausschüsse des DGR und Beauftragter für Mitgliedschaft und Ausbreitung D 1940.

Rotary Magazin 10/2017

Rotary Magazin Heft 10/2017

Titelthema

Die geforderte Nation

Krieg in Syrien, Griechenland-Krise, Nahost-Konflikt, Brexit - außenpolitische Herausforderungen, die öffentlich kaum diskutiert werden. Kann sich Deutschland eine solche Weltabgewandtheit noch leisten?

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