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Standpunkt

Internationale Freundschaft per Umlagefinanzierung

Standpunkt - Internationale Freundschaft per Umlagefinanzierung
Marc Bücker, Präsident des RC Oberhausen Antony-Hütte © Ulrich Wirth

Wer zu Rotary-Treffen im Ausland fährt, sollte unterstützt werden.

01.12.2018

Zäh gestaltete sich in unserem Club die Anmeldung zu unserem diesjährigen Internationalen Treffen in Winchester. Trotz intensiver Bemühungen fuhren letztlich nur acht Clubmitglieder zum traditionellen Drei-Ländertreffen der Clubs Oberhausen Antony-Hütte, Le Havre-Est und Winchester.

Das geringe Interesse an den internationalen Treffen macht uns immer größere Sorge – zumal es überwiegend auch nur von den älteren Freunden getragen wird. Eine ähnliche Entwicklung können wir übrigens auch bei unseren ausländischen Partner-Clubs beobachten. Wenn man dagegen das unermüdliche Engagement unseres Internationalen Dienstes sieht und sich auch den nicht unerheblichen Aufwand der einladenden Clubs für die Organisation anschaut, stellt sich irgendwann zwangsläufig die Frage nach Aufwand und Nutzen, nur ist die Förderung von Völkerverständigung und Frieden durch internationale Begegnungen eines der vier Ziele von Rotary. Wer die internationalen Treffen leichtfertig aufgibt, legt die Axt an unser rotarisches Wertesystem. Gerade in Zeiten des Brexit und des zunehmenden Nationalismus sind persönliche Beziehungen der Garant für besseres gegenseitiges Verstehen und für Toleranz. Wir Rotarier sind mit unserer weltumspannenden Organisation Vervielfältiger der Völkerverständigung.

Kontroverse Diskussion, knappes Mehrheitsergebnis

Zwar heißt es, über Geld redet man nicht, schon gar nicht bei den Rotariern. Aber unser Vorstand redete dann doch darüber. Neben den Kosten der An- und Abreise, der Übernachtungen, für das Programm und die individuellen sonstigen Aufwendungen kommt da für ein teilnehmendes Paar schnell eine vierstellige Summe nur für ein Wochenende zusammen. In Einzelgesprächen kristallisierte sich heraus, dass dies einigen Clubmitglieder dann doch zu teuer ist, zumal auch noch andere Kosten für das Clubleben aufzubringen sind: für Clubfahrten, Distriktkonferenzen, Ämterseminare etc.

Wenn wir verstärkt junge Menschen in die Clubs aufnehmen, kann man nicht immer erwarten, dass sie in der Phase der Familiengründung neben dem Clubbeitrag auch noch die nicht unerheblichen Kosten des Clublebens in voller Höhe tragen können oder wollen. Und nicht alle sind Topverdiener. Und es wäre auch schön, wenn wieder mehr Kinder mitfahren würden.

Nach kontroversen Diskussionen im Vorstand und im Clubforum entschied sich der Club mit knapper Mehrheit, die Teilnahme an Internationalen Treffen durch eine verstärkte Umlagefinanzierung aus der Clubkasse zu fördern. Die Eckpunkte der getroffenen Regelung umfassen die volle Übernahme der Kosten für das teilnehmende Mitglied und dessen Partner, die für das Programm vom ausrichtenden Club erhoben werden. Wer sich dann noch für Home Hospitality entschließt, kann relativ kostengünstig an internationalen Treffen teilnehmen. Nicht teilnehmende Mitglieder zahlen eine solidarische Umlage von 50 Euro zur Förderung der internationalen Beziehungen.

Man kann an dieser Stelle einwenden, dass solche Fahrten ja eher einen Freizeitcharakter haben und dass dies sicherlich nicht zu den Zielen eines Serviceclubs gehören sollte. Nicht unerwähnt darf auch bleiben, dass die Mitfinanzierung der Partner sehr umstritten war, vor allem vor dem Hintergrund der Umlage für die nicht mitfahrenden Freunde. Auf der anderen Seite überzeugte ein Argument wohl besonders: Es sollte unter Freunden eigentlich nicht sein, dass jemand aus finanziellen Gründen an gemeinsamen Veranstaltungen nicht teilnimmt. Wäre das rotarisch?

Die Tendenz zur Umlagefinanzierung in unserem Club ist groß. Es gibt ähnliche Beschlüsse zu Aufwendungen für das reguläre Meeting, für einen gemeinsamen Bus zu rotarischen Veranstaltungen, für die Distriktkonferenz und sogar die Convention. Etwa die Hälfte des Clubbeitrages wird dafür verwendet. Dieses Prinzip soll die Teilnahme am Clubleben belohnen, die unverzichtbar ist für die Bildung von Freundschaften. Und es soll diejenigen, die zögerlich sind, animieren, sich öfter zu beteiligen.

Dass dies auf Kosten der Spendenfähigkeit des Clubs geht, konnte bisher nicht beobachtet werden. Die individuelle Bereitschaft zu spontanem Spenden nach entsprechenden Aufrufen ist weiterhin hoch. 

Ob die Umlagefinanzierung größeres internationales Engagement fördert, wird die Zukunft zeigen. Das Schöne an Rotary und den jährlich wechselnden Verantwortungen ist, dass man Beschlüsse und Gepflogenheiten auch schneller wieder ändern kann, wenn die Umstände es erfordern oder wenn man sich geirrt hat. Die internationale Freundschaft ist auf jeden Fall alle Anstrengung wert.

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