Konflikt - Syrien braucht Hilfe

Über die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder (Stand Oktober 2013). © UNHCR

21.02.2014

Konflikt 

Syrien braucht Hilfe

Karsten Malige

Karsten Malige (Mitglied im Rotary Club Rastatt-Baden-Baden) ist Gründungsmitglied und Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Syrienhilfe e.V. und schreibt über die aktuelle Situation in Syrien.

Seit nunmehr fast drei Jahren wird in Syrien ein Konflikt ausgetragen, dessen Folgen für die Infrastruktur, die Kulturgüter und die Menschen des Landes erheblich sind. Täglich wird das Leben und Überleben der Zivilbevölkerung aufs Neue erschwert. Eltern bangen um das Leben ihrer Kinder und müssen fürchten, dass  diese nicht wieder heil aus den wenigen funktionierenden Schulen zurückkehren. Viele Unbeteiligte werden Opfer von Kampfhandlungen. Häuser und ganze Straßenzüge, sogar Stadtviertel, sind dem Erdboden gleich gemacht. Familien sind auf grausame Art auseinandergerissen worden. Man geht davon aus, dass sechs Millionen Menschen innerhalb Syriens zu Binnenflüchtlingen geworden sind. Nur einem Teil der Syrer gelingt die Flucht ins Ausland. Und doch sind die offiziellen Zahlen enorm: laut aktuellen Statistiken des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind gegenwärtig (Stand 14. Februar 2014) nahezu 2.470.000 Syrer im Ausland als Flüchtlinge registriert.

Die inoffiziellen Schätzungen der syrischen Flüchtlinge außerhalb Syriens reichen nahezu an die Fünf-Millionen-Grenze. Mit dieser hohen Anzahl an Flüchtlingen geht eine  enorme Belastung für die Gesellschaften der Aufnahmeländer Libanon, Türkei, Jordanien, Irak und Ägypten einher. In vielen Lagern, die außerhalb Syriens oder an der Grenze zu den Nachbarländern liegen, herrschen unsägliche Bedingungen für die Menschen. Sie hausen dort häufig in Zelten und Notunterkünften, sanitäre und hygienische Zustände sind großteils unmenschlich – und doch leben Hunderttausende in diesen Lagern, die Zahlen steigen. Nicht umsonst spricht unter anderem die UN-Nothilfekoordinatorin von der schlimmsten humanitären Katastrophe mindestens seit Somalia.

Auswirkungen für die Jugend – Syriens Zukunft

Über die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder. Wenn es eine Steigerung für das empfundene Leid der Syrer gibt, so ist es das Leid der Kinder: unzählige von ihnen sind gestorben, haben den Tod eines engen Angehörigen erleben müssen, haben traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und haben ihre Wurzeln verloren. Und ein Großteil der Kinder Syriens genießt zudem seit Jahren keine Bildung – schon lange spricht man von der „verlorenen Generation“.

 

Diese Kinder sind jedoch die Zukunft des Landes, sie werden einmal als Erwachsene darin leben und die Folgen des derzeitigen Konfliktes tragen und eventuelle Folgekonflikte lösen müssen. Sie werden das zerstörte Land mit aufbauen und entwickeln müssen, sie werden verzeihen und vereinen müssen. Diese schwere Aufgabe kann sicherlich nur mit internationaler Hilfe gelingen, ist aber ohne die heutigen Kinder und Jugendlichen Syriens unmöglich. 

Große und kleine Organisationen versuchen zu helfen

Um den Menschen in und außerhalb Syriens zu helfen, engagieren sich viele; genügen tut es bisher trotz allem nicht. Angefangen beim Hilfswerk der Vereinten Nationen, das im Dezember 2013 den größten Spendenaufruf seiner Geschichte getätigt hat (bei weitem nicht alle von der Staatengemeinschaft zugesagten Gelder sind bisher beim Hilfswerk der UN eingegangen. Sie reichen derzeit noch nicht aus, um alle Projekte des Hilfswerks zu finanzieren, (dreiviertel der syrischen Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen), weiter über die Weltgesundheitsorganisation (u.a. Stichwort „Polio“), den Roten Halbmond (Pendant des Roten Kreuzes in der arabischen Welt), den Ärzten ohne Grenzen und vielen oft national agierenden großen und traditionellen Hilfswerken geht es über zu kleinen Vereinen.

Im Laufe der letzten zwei bis drei Jahre haben sich auch in Deutschland Gleichgesinnte zusammen getan und Vereine gegründet, um Syrien und den Syrern in der Not zu helfen. Viele der Vereinsgründungen haben ihren Hintergrund in einem deutsch-syrischen Netzwerk, etliche der Aktiven sind gebürtige Syrer oder Kinder hier lebender Syrer und leben teilweise seit Jahrzehnten in Deutschland, andere verbindet schlichtweg eine besondere Beziehung mit Syrien.

Alle – vom UNHCR bis zur kleinsten sog. „Nichtregierungsorganisation“ (NGO) – treibt der Wille an, den Menschen in Syrien zu helfen. Dass dabei unterschiedliche Ansätze existieren und verschiedene Wege beschritten werden liegt in der Natur der Sache. Wer jedoch als Außenstehender helfen will sollte keinerlei Schwierigkeiten haben, eine Organisation seines Vertrauens zu finden.

Ein Beispiel: Syrienhilfe e.V. – humanitäre Hilfe für Syrien

Im Distrikt 1930 hat sich im Oktober 2012 ein gemeinnütziger Verein „Syrienhilfe e.V.“ gegründet. Dieser aus einer Privatinitiative entstandene Verein, der bereits vor Gründung auch dank der Unterstützung des Rotary Clubs Rastatt-Baden-Baden erhebliche Summen zur Finanzierung humanitärer Hilfe in Syrien zusammen getragen hatte, leistet vorrangig Hilfe im Land. Durch ein eigenes Netzwerk – einige der Vereinsgründer und Unterstützer des Vereins haben zum Teil unter anderem durch archäologische Feldforschungen seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu Syrien – gelingt es, Teilen der syrischen Zivilbevölkerung die so dringend benötigte humanitäre Hilfe zukommen zu lassen.

Der Verein hilft Menschen und nicht Meinungen, er agiert ohne jede politische Motivation. Es geht rein darum, den vorrangig binnenflüchtigen Familien Lebensmittel, Dinge des täglichen Bedarfs, Wohnraum, Kleidung, Spielsachen uvm. zukommen zu lassen und ihnen zu helfen, so gut wie möglich mit ihrer Notlage zurecht zu kommen. Besonderes Augenmerk gilt dabei auch den Kindern. Wobei grundsätzlich zu bemerken ist, dass die beste Unterstützung für Kinder eine intakte Familie ist. Die rotarische Familie hilft dem Verein dabei, so haben bisher neben verschiedenen Lion-Clubs und Soroptimisten auch die RC Rastatt-Baden-Baden, RC Baden-Baden-Merkur und RC Berlin-Zitadelle den Verein mit Spenden unterstützt.

Wer mehr über den Verein erfahren möchte oder spenden bzw. unterstützen möchte, meldet sich bei Karsten Malige: kontakt@syrienhilfe.org

Karsten Malige
Karsten Malige (Mitglied im Rotary Club Rastatt-Baden-Baden) leitet in zweiter Generation ein Ingenieurbüro für Vermessung in Süddeutschland und betreut damit unter anderem seit 1997 archäologische Ausgrabungen in Syrien. Er ist zudem Gründungsmitglied und Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Syrienhilfe e.V. Homepage des Vereins Syrienhilfe e.V.

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