Expressionist Erich Heckel - Der »?Hölderlin der Malerei?«Fotostrecke: Werke des Expressionisten Erich Heckel

Unbeschwerte Aktdarstellungen in leuchtenden Farben wie „Junger Mann und Mädchen“ (1909, Öl auf Leinwand“) beschreiben das neue Lebensgefühl zu Beginn des 20. Jahrhunderts. © © Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

28.06.2013

Expressionist Erich Heckel

Der »?Hölderlin der Malerei?«

Ulrich Klingler

Mit Dutzenden Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen präsentiert die Sommerausstellung 2013 vom 29. Juni bis zum 29. September Heckels Schaffen in Dresden und Berlin vor dem 1. Weltkrieg bis hin zu seinem Wirken an der Karslruher Kunstakademie nach dem II. Weltkrieg.

Erstmals nach 30 Jahren findet wieder eine große Ausstellung zum Werk von Erich Heckel in Süddeutschland statt, und zwar in der Stadthalle Balingen. Dieser Region war der 1883 in Sachsen geborene Künstler auf besondere Weise verbunden. Durch seinen Freund Walter Kaesbach, der sich am Bodensee niedergelassen hatte, lernte er diese Gegend und das Voralpenland kennen, aber auch der Schwarzwald, die Rhön und die Pfalz waren ihm durch zahlreiche Reisen vertraut und sind immer wieder Gegenstand seiner Landschaftsdarstellung. Von 1944 bis zu seinem Tode im Jahr 1970 lebte Erich Heckel in Nachbarschaft zu Otto Dix in Hemmenhofen am Bodensee.

Angefangen beim immer noch wenig bekannten Frühwerk, das die Einflüsse van Goghs und des Jugendstils erkennen lässt, zeigt die Schau in zwei Häusern (Stadthalle und Zehntscheuer) die spannende stilistische Entwicklung des „ganzen Heckel“, dessen Leben und Werk ihn ab den 20er Jahren eng mit der Bodenseeregion und dem Südwesten Deutschlands verbindet und der hier die Motive für einige seiner schönsten Landschaftsbilder findet. Heckels Wirken liegt ein Leben zugrunde, das einschneidende Stationen der Geschichte, vielfältige Zeitströmungen und Literatur in seinem künstlerischen Schaffen subtil spiegelt. Dazu gehören Nietzsches Zarathustra, ebenso wie die spirituellen Einflüsse des Stefan-George-Kreises, die romantische Auseinandersetzung mit Licht und Transzendenz, sowie mit dem Stil der Neuen Sachlichkeit und nicht zuletzt das Erlebnis zweier Weltkriege.

Mitbegründer der »Brücke«

Heckels internationale Bekanntheit geht auf die epochemachende Künstlergruppe „Die Brücke“ zurück, die er 1905 zusammen mit Ernst Ludwig Kirchner und weiteren Kollegen gründete und damit fortan den deutschen Expressionismus als Avantgardestil verankerte. Unbeschwerte Aktdarstellungen in leuchtenden Farben an den Moritzburger Teichen und Stränden der Ostsee beschreiben das neue Lebensgefühl der Künstlergruppe, die „unverfälscht und unmittelbar“ wiedergab, „was sie zum Schaffen drängt“ genauso wie ihr Experimentiergeist mit Drucktechniken und die gemeinsame Vermarktung ihrer Kunst. Mit einzelnen bedeutenden Gemälden seiner berühmten Künstlerkollegen Kirchner, Schmidt-Rottluff, Pechstein und Nolde aus der Zeit von 1905 bis 1913, als sich die Gruppe wieder auflöste, zeigt die Balinger Ausstellung den engen Bezug der Künstler untereinander.

Auch später bleibt Heckel den typisch expressionistischen Themen treu. Spannend erschließt sich dem Betrachter der Badenden, Akte, Tänzer, Artisten, Soldaten, Stilleben, Selbstportraits und Landschaften seine künstlerische Neuinterpretation während mehrerer Jahrzehnte.

Sämtliche Werke dieser Ausstellung kommen aus dem Brücke-Museum Berlin, das heute die größte Sammlung der Kunst Heckels besitzt. Der Künstler selbst hat mit umfangreichen Schenkungen zum Aufbau des 1967 eröffneten Museums beigetragen. Bereits zum dritten Mal – nach Karl Schmidt-Rottluff (2005) und Emil Nolde (2008) – steht mit dieser Ausstellung ein deutscher Expressionist im Fokus der Balinger Ausstellung. Die Tradition der großen Sommerausstellungen geht auf das Jahr 1987 zurück, als gleich in der ersten Saison über 150.000 Besucher in die Stadthalle kamen, um eine Retrospektive zum 100. Geburtstag von Marc Chagall zu sehen. Im Jahr 1992 wollten dann schon 200.000 Besucher die Ausstellung „Claude Monet“ sehen. Mit einem neuen Kuratoren-Team, angeführt von der Münchnerin Annette Vogel, setzte die Stadthalle in den letzten Jahren in ihrer künstlerischen Ausrichtung frische Akzente. Mit Emil Nolde und zuletzt 2010 mit dem Jugendstilkünstler Gustav Klimt und der erstmaligen Präsentation des Beethovenfrieses in Deutschland konnte das Publikum neue Aspekte der Kunstgeschichte kennenlernen.

Traditionell wird die Balinger Kunstausstellung durch weitere Kunstprojekte und Ausstellungen in der Stadt begleitet. In diesem Jahr findet in der Rathausgalerie in Kooperation mit der Sammlung Roland Roeder ab dem 4. Juli eine Werkschau von Hermann Wiehl (1900–1978) statt. Als Dix-Schüler und dessen enger Freund bestehen bei diesem wiederentdecktem Maler auch sehr große Bezüge zum Werk von Heckel, so dass sich die ausgewählten Landschaftsmotive in beiden Ausstellungen teilweise gleichen. Reproduzierte Großdrucke unter freiem Himmel von Heckel und Wiehl verbinden die fußläufig erreichbaren Ausstellungsorte Stadthalle, Zehntscheuer und Rathausgalerie und laden zu einem kurzen Spaziergang entlang des malerischen Eyachufers, vorbei am historischen Zollernschloss ein.

  • "Erich Heckel. Der große Expressionist", Stadthalle Balingen, 29. Juni bis 29. Sept. 2013

 

Erschienen in Rotary Magazin 6/2013

Ulrich Klingler
Ulrich Klingler (RC Ebingen) ist Geschäftsführer der Stadthalle Balingen. www.stadthalle.balingen.de

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