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Porträt: Helge Hardacker

Quo radelst?

Porträt: Helge Hardacker - Quo radelst?
Helge Hardacker, Organisator der Rotary-Transalp-Tour 2017, mit seinem Rad © Foto: Stephan Ernst

Über die Alpen per Rad – da ist Muskelkater programmiert. Doch Helge Hardacker kämpft für den guten Zweck. Und für „berührende Momente, die bleiben“

01.05.2017

Gelebter Ruhrpöttler, offen und direkt. So sei er, sagt Helge Hardacker. Und dabei klingt der Pott durch. Eine „wilde Moped­zeit“ habe er als 20-Jähriger in seiner Heimat Essen gehabt. „Und mich dann von ’nem Kumpel überreden lassen, doch einfach mal Rennrad zu fahren“, erinnert er sich. Mehrere Urlaube mit Kumpel und Rad habe es in den Jahren darauf gegeben. „Einen Tag baden, einen Tag biken, so ging das.“ Er lacht. Helge Hardacker hat keine Berührungsängste. Er macht einfach.

So war es auch, als sein Heimatclub, der Rotary Club Villingen-Schwenningen-­Mitte, 2011 Aktionen zum zehnjährigen Be­stehen plante. Man saß beim Wein zu­sammen und Helge Hardacker fielen die früheren Urlaube wieder ein. Durch Pakis­tan waren sie mit dem Rad gefahren, zum Kunjerab-Pass auf der alten Seidenstraße. Und dann war er jahrzehntelang kein einziges Mal mehr auf sein Rennrad gestiegen. Stattdessen hatte er sich auf seinen berufsbegleitenden MBA-Abschluss konzentriert, eine stressige Zeit, die keinen Raum ließ für Abenteuerurlaube.

„Warum machen wir nicht eine Radtour zu unserem Partnerclub in Italien?“, schlug er der Runde vor. Es folgte wohl eine Schreck­­sekunde. Doch dann waren die Clubfreunde begeistert und machten ihr Vorhaben wahr.
2014 fuhren sie ein zweites Mal. Immer wieder etappenweise begleitet von Mitgliedern anderer Clubs auf der Strecke. „Gelebte rotarische Freundschaft“, findet Helge Hardacker. Und irgendwie auch ein wenig Abenteuer. Er fährt seither wieder häufiger Rad, „entspannte Schwarzwald-­Touren ab Haustür, aber auch mal auf Mal­lorca“.
Helge Hardacker genießt das Leben in vollen Zügen. Er sitzt gerne beim Wein zusammen, weist dann auf sein angebliches Bäuchlein hin, „das Genussbäuchlein“. Radfahren sei sein Ausgleich „zum genussvollen Leben“. Er – ein Sportler? Helge Hardacker lacht. „Überhaupt nicht.“ So eine Alpenüberquerung bekomme man mit ein bisschen Training hin. „Aber Muskelkater gehört natürlich dazu.“ Wenn der 45-Jährige lacht, lachen seine Augen und die feinen Linien drumherum mit. Im kommenden Monat startet nun die dritte Rotary-Transalp-Tour.
Die Planung nahm wieder einige Zeit in Anspruch. Die 36 angemeldeten Teilneh­mer, darunter drei Frauen, sind zwischen 30 und 82 Jahre alt. Sie werden Sponsoren-­Trikots tragen und von mehreren Bussen begleitet werden. Im baden-württembergischen Villingen- Schwenningen geht es am 10. Juni los. Per Kleinbus führt die An­fahrt ins italienische Arco nördlich vom Gardasee.

750 Kilometer lange Strecke
Mit der ersten Etappe am Folgetag startet die Gruppe dann zugleich mit der weitesten: 130 Kilometer und 2900 Höhenmeter müssen sie auf dem Weg nach Bozen hinter sich lassen. Der Tour-Tross aus Kleinbussen und Begleitfahrzeugen transportiert Gepäck, Proviant, Ersatzteile und Flick­zeug. „Als Organisator steht man natürlich die ganze Zeit unter Hochspannung“, sagt Helge Hardacker. Kleinere Unfälle oder Unvorhergesehenes gebe es immer mal, bisher sei aber nie Schlimmeres passiert. Obwohl das Wetter manchmal „grausig“ sei. Abgebrochen habe nur einmal jemand, nachdem er mit dem Rad gefallen war und sich das Bein gebrochen hatte. Schlussendlich vertraut Hardacker auf das Rheinische Grundgesetz: „Et kütt wie et kütt.“

Von Bozen führt die Strecke dann weiter nach Schlanders im Vinschgau in Süd­tirol und von dort am dritten Tag nach Livigno. Dann folgen das schweizerische Scuol in Graubünden, Lech im österreichischen Vorarlberg und Friedrichshafen, bevor Helge Hardacker und seine Mitstreiter am 17. Juni wieder in Villingen-Schwenningen erwartet werden. „Das Pass-Highlight wird sicherlich das Stilfser Joch, der zweithöchste Pass der Alpen“, freut er sich.

Insgesamt ist die geplante Strecke rund 750 Kilometer lang, gut 14.000 Höhen­meter müssen überwunden werden. Neben dem sportlichen wird es wohl auch wieder ein emotionales Highlight geben: Eigentliches Ziel ist schließlich, wie beim letzten Mal, die Katharinenhöhe westlich von ­Har­dackers Wahlheimat Villingen-Schwen­­nin­gen, einer Nachsorgeeinrichtung im Schwarzwald für onkologisch, hämatologisch oder kardiologisch schwer kranke Kinder und deren Familien.

Spendenziel 30.000 Euro
Bei der Tour 2014 waren durch Startgelder, Sponsoring und Spenden rund 30.000 Euro zusammengekommen, die am Ziel der Einrichtung übergeben wurden. Mit dem Geld konnte ein Reha-Spielplatz gebaut werden. In diesem Jahr will Helge Hardacker, der als Unternehmensberater selbstständig ist, für die Einrichtung eines Bewegungsraumes sowie zur Unterstützung ausländischer Patienten mindestens so viel zusammenbekommen. „Auch wenn nicht immer alles glattgelaufen ist im Leben – es geht mir richtig gut“, resümiert er. Das Zusammentreffen mit Familien, deren Kinder mit einer lebensbedrohlichen Krankheit kämpfen, mache demütig. Er weiß: „Glück ist zerbrechlich.“

Helge Hardacker hat keine eigenen Kinder, diese Kinder sind jetzt sein „Herzblutprojekt“, wie er sagt. Für sie wird er sich auch am letzten Tag Meter für Meter bis ins Ziel quälen. Denn sie haben viel Schlimmeres hinter sich.


Zur Person: Helge Hardacker (RC Villingen-­Schwenningen-Mitte), lebt seit 1968 im Schwarzwald. Das Rennradfahren hat er als junger Erwachsener begonnen. Er ist gerne draußen an der frischen Luft in der Natur – und das am liebsten mit ordentlich Geschwindigkeit. Die Rotary-Transalp-Tour hat er für dieses Jahr bereits zum dritten Mal organisiert.