Hans-Werner von Wedemeyer, RC Baden-Baden - Von der Notwendigkeit der Zivilcourage

Ehepaar Thea und Hans-Werner von Wedemeyer im Westjordanland im Gespräch mit Freunden © Privat

13.05.2013

Hans-Werner von Wedemeyer, RC Baden-Baden

Von der Notwendigkeit der Zivilcourage

Hannes Elster

Wenn Hans-Werner von Wedemeyer spricht, dann merken wir im RC Baden-Baden auf. Er kann dann mit fast alttestamentarischer Wucht Pläne verfolgen; zum Beispiel, wenn er dem Schicksal der ehemaligen jüdischen Clubmitgliede nachgeht, die 1934/35 aus dem Freundeskreis des RC-Baden-Baden rauskomplimentiert wurden. Der Club hatte fast ein Drittel jüdische Freunde; sie alle mussten den sich arisierenden Club verlassen, freiwillig, versteht sich. Manche Freunde fanden diese Nachforschungen 40 Jahre später unnötig oder gar blamabel. Hans-Werner von Wedemeyer fand in jahrelangen Recherchen heraus, wo die jüdischen Clubmitglieder starben: Die meisten wurden in Konzentrationslagern ermordet, manche überlebten auch.

Protest ist selbstverständlich

Der tief religiöse Mann spricht zögerlich. Und wenn er es tut, dann geht es um Anliegen, die ihn tief bewegen. Etwa das Schicksal der Palästinenser auf der Westbank: Er findet es zutiefst ungerecht, wie Israel als Besatzungsmacht sie unterdrückt („Israel wird mehr und mehr zu einer Ethnokratie“). Er meint das nicht nur, er handelt. Beispielsweise hat er einen Reiseführer mitfinanziert, um den Tourismus anzukurbeln. Er nimmt Partei. Darf man das, fragen dann Zuhörer angesichts unserer Geschichte mit den Juden? Diese Fragen stellen sich auch im Club. Man muss, sagt er. Man muss protestieren, wenn Unrecht geschieht, damit man hernach nicht trauern muss. So wie die Deutschen während der Nazizeit. Schon seine Mutter übte damals praktischen Widerstand gegen die Nazis. Zivilcourage ist etwas, das Hans-Werner von Wedemeyer früh lernte. Er spricht nachdenklich über Moral („Das ist für mich eine Einengung!“) und Zivilcourage („Das heißt für mich, einzutreten für bedrohte, behinderte, unterdrückte Menschen – auch wenn man eigene Nachteile dadurch in Kauf nehmen muss“), und er versucht, so zu leben. Aktiv zu handeln, immer noch, wenn er Freunde und Familienmitglieder unter der sengenden Hitze durch das Westjordanland führt – ein bisschen so wie Moses, der den Weg zur Einsicht weist. Mit seinen bald 86 Jahren ist er rastlos, wenn es um neue Länder und Erfahrungen geht, genauso atemlos, wie er still und konzentriert meditiert und daraus seine Kraft schöpft. Ein tief religiöser alter Herr, groß gewachsen mit einer unverwechselbaren Stimme, der wir gerne zuhören. Etwa bei seinem zweiten Lebensbericht vor einem Jahr: Typisch für ihn, dass er fast mehr von seiner Frau sprach als über sich, mehr über die Mühsal der Wahrheitsfindung als über Verdienste, die er doch zweifellos hat – ein erfolgreicher Unternehmer („Gruber & Weber“), ein langes Leben, das seine Maßstäbe bis heute ständig überprüft. Ohne ihn wären die vergessenen jüdischen Rotarier Baden-Badens wohl nicht mit Stolpersteinen in der Stadt geehrt worden. Ein Mann, der aus der preußischen Tradition kommt, aus einer Zeit, als Hedonismus noch als eine Form von Verlotterung galt, selber ein Stolperstein. Die Freunde in seinem Rotary Club Baden-Baden haben dafür gesorgt, dass Hans-Werner von Wedemeyer nicht nur Paul Harris Fellow wurde, sondern auch den Saphir dazu erhielt.

Erschienen in Rotary Magazin 5/2013

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