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Projekte

End Polio Now, GesundeKids und Co.

Projekte - End Polio Now, GesundeKids und Co.
Freiwilligeneinsatz in einem Dorf nahe Abidjan, Côte d’ Ivoire. Kinder erhalten die Polio-Schluckimpfung während nationaler Impftage. © Rotary International

Als Mitglieder eines Serviceclubs sind Rotarier engagierte Bürger ihrer Gemeinde, die vielfältige Probleme vor Ort aufgreifen, aber auch internationale Projekte entwickeln. In allen ihren Aktivitäten sind die Clubs völlig autonom: Sie entscheiden allein, wo und wie sie sich engagieren, ob sie Zeit, Arbeit oder Geld – oder alles drei – in ein Projekt investieren wollen. Der Club ist die wichtigste Einheit bei Rotary. Hier werden die Projekte entwickelt und umgesetzt. Die übergeordneten Ebenen – Distrikte, Rotary International und die Rotary Foundation – verfolgen als Hauptzweck, die Clubs bei der Umsetzung ihrer Projekte zu unterstützen.

01.09.2018

END POLIO NOW

Es gibt nur ein Projekt, das Rotarier weltweit verbindet und das nicht aus einer Club- oder Distriktinitiative hervorgegangen ist, sondern von Rotary International selbst konzipiert wurde: der Kampf gegen die Kinderlähmung. 1979 wurde die Polio-Impfung aller Kinder auf den Philippinen als Modellprojekt für die damals neuen 3-H-Grants (Hunger – Health – Humanity) ausgesucht und mit so großem Erfolg abgeschlossen, dass der Zentralvorstand aus dem Modell eine Art „Jahrhundertprojekt“ machte: Bis 2005, dem 100. Gründungstag Rotarys, sollten alle Kinder der Welt gegen Kinderlähmung immunisiert werden. Für das ehrgeizige Vorhaben sprach einerseits, dass ein preiswerter Impfstoff zur Verfügung stand, und andererseits, dass die Rotarier durch ihr dichtes internationales Netzwerk selbst die Ausgabe der Schluckimpfungen vornehmen würden. Trotz großer Spendenbereitschaft und beeindruckendem persönlichem Engagement vieler Freiwilliger dauerte es jedoch wesentlich länger, die Welt von Polio zu befreien als in den 1980er Jahren angenommen.

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Dennoch stehen wir heute kurz vor dem Ziel: In den kommenden drei Jahren soll die Übertragungskette der Infektionen weltweit dauerhaft unterbrochen sein, sodass keine Masseninfektionen mehr auftreten können. Entscheidend für den absehbaren Erfolg war letztlich, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1988 die rotarischen Erfolge zum Anlass nahm, den Kampf gegen die Kinderlähmung mit Priorität auf ihre Agenda zu nehmen. Erster Schritt zum Erfolg war die Bildung der Global Polio Immunization Initiative (GPEI), der außer WHO und Rotary auch UNICEF,  die US-Gesundheitsbehörde CDC und seit 2009 die Bill & Melinda Gates Foundation angehören. Dank ihres konzentrierten Vorgehens konnte seither die Zahl der jährlichen Neuinfektionen von 350.000 auf unter 30 gedrückt werden – eine Erfolgsquote von 99,9 Prozent. Nur noch in drei Ländern (1988: 125 Länder) ist Polio endemisch, in Afghanistan, Pakistan sowie Nigeria. Auch hier gibt es große Fortschritte. So ist Nigeria seit zwei Jahren ohne neuen Polio-Fall. In Afghanistan und Pakistan gab es 2018 bisher 15 gemeldete Infektionen.

Rotary hat über 30 Jahre mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar an Spenden für dieses Projekt eingesetzt, dazu unzählige freiwillige Arbeitseinsätze. Dieses Engagement hat 2009 die Bill & Melinda Gates Foundation veranlasst, Rotary mit bisher fast einer halbe Milliarde US-Dollar zu unterstützen. Noch bis 2020 einschließlich wird Gates jeden von Rotary kommenden Spendendollar verdreifachen (bis zu 50 Millionen US-Dollar/Jahr), weil die Stiftung vom Erfolg des Rotary-Konzepts überzeugt ist. Neben den genannten beiden Aufgaben trägt Rotary noch eine weitere Verantwortung in der Polio-Kampagne: die internationale Staatengemeinschaft immer wieder daran zu erinnern, dass sie den Großteil der Kosten (ca. 85 Prozent) dieser größten Gesundheitsaktion der Menschheitsgeschichte tragen muss. Für den Zeitraum 2013 bis 2019 werden insgesamt sieben Milliarden US-Dollar benötigt, um alle geplanten Impfaktionen sowie andere notwendige Maßnahmen zur Unterbrechung der Übertragungskette auszuführen.


Weitere internationale Projekte, zu denen Rotarier aus Deutschland die Initiative ergriffen haben bzw. die sie maßgeblich unterstützen:

  • Die German Rotary Volunteer Doctors (GRVD) – eine Vereinigung rotarischer Ärzte, die medizinische Einsätze in Notstandsgebieten leisten, vornehmlich in Ghana und Nepal (www.grvd.de).
  • Die Rotarian Action Group for Population & Development (RFPD), die sich mit Modellprojekten in Nigeria nachhaltig für Sexualaufklärung von Frauen und die Gesundheit von Mutter und Kind einsetzt (www.rfpd.de).
  • Die Initiative MINE-EX zur Bekämpfung von Landminen (www.mine-ex-rotary.de).
  • ShelterBox – eine von englischen Rotariern entwickelte Initiative, die Überlebenskisten mit den nötigsten Hilfsmitteln in Katastrophengebiete einfliegt (www.shelterbox.de).


Lesen lernen – Leben lernen

Unter den nationalen Projekten hat dies seit 2014 die größte Wirkung entfaltet: Unter dem mit „4-L“ abgekürzten Leseprojekt verschenken Rotary Clubs Kinderbücher jeweils in Klassensätzen an Schulklassen in ihrem Clubgebiet. Die Lektüre ist altersgerecht auf Schüler der Klassenstufen 2 bis 7 zugeschnitten und wird unterrichtsbegleitend gelesen. 492 Rotary Clubs und 40 Inner Wheel Clubs haben bisher an diesem in Aachen entwickelten Projekt mitgewirkt und seit Projektstart 900.000 Bücher an kleine Leseratten überreicht.

Hintergrund des Projekts war der PISA-Schock von 2000, als erschreckend deutlich wurde, wie schlecht unsere Schüler in vielen Fächern sind, auch im Lesen. Dabei ist Lesen nicht nur grundlegend wichtig zur Informationsaufnahme, sondern auch zur Reflexion von Lebenswirklichkeit. Hierfür insbesondere sind die kindgerechten Unterhaltungsbücher geeignet: „Im Mit-Leben mit den Figuren gewinnt der Leser Handlungsoptionen und wird zu kreativen Problemlösungen angeregt“, nennen Pädagogen als besonderen Wert der Lektüre.


GesundeKids

„Jedes sechste Kind zwischen drei und 17 Jahren gilt als übergewichtig, insgesamt fast zwei Millionen Kinder in Deutschland“, lautet der erschreckende Befund einer aktuellen wissenschaftlichen Untersuchung. Falsche Ernährung, zumeist gepaart mit fehlender Bewegung, führt unweigerlich zu Übergewicht und damit einerseits zu gesundheitlichen Risiken und andererseits oft gewaltigen volkswirtschaftlichen Kosten. Gegensteuern schon im Grundschulalter heißt die Devise des Projekts „GesundeKids“, das 2005 aus der Zusammenarbeit eines Kardiologen und einer Ernährungsexpertin im Distrikt 1820 hervorging und inzwischen auch in anderen Distrikten verfolgt wird. Ansatzpunkt sind die Schulen, in denen Fachleute mit den Kindern gesunde Ernährung einüben, zum Beispiel durch das gemeinsame Zubereiten von Pausenbroten („Brotgesichter“).

Auch Trinkbrunnen gehören ins Programm, um durstige Kinder von Softdrinks abzulenken. Und auch auf sportliche Betätigung wird Wert gelegt. Entscheidend für einen flächendeckenden Erfolg ist, dass die von Rotary vermittelten Anregungen in den Schulen selbstständig weitergeführt werden.


FREUNDE

Seit 1998 gibt es das von bayerischen Rotary Clubs entwickelte Programm zur Sucht- und Gewaltprävention von Kindern im Kindergartenalter. Dabei geht es vor allem um die pädagogische Förderung der Erziehung zur Lebenskompetenz. Lebenskompetent ist wer sich
Um dieses Ziel zu erreichen, setzt FREUNDE vor allem auf die Fortbildung von pädagogischem Fachpersonal. Das von Clubs in den Distrikten 1841 und 1842 entwickelte Projekt wird heute von einer Stiftung getragen und hat sich auch in anderen Distrikten und in Österreich durchgesetzt. Es wurde 2009 mit dem Bayerischen Gesundheitsförderungs- und Präventionspreis ausgezeichnet.