17.09.2012

Wie Blogger zunehmend die Weinkritik bestimmen

Eine hippe Szene

Michael Liebert

Seitdem der Wein zum edlen Lifestyle-Produkt avancierte, gehören untrennbar auch mächtige Kritiker zur Branche dazu. Im Zeitalter des Internets sind dies nicht mehr unbedingt mächtige Einzelmeinungen, sondern zunehmend freie Wein-Blogger. Wir baten einen renommierten Kritiker, der selbst Weinblogger ist, seine Lieblingsblogs vorzustellen.

Da gibt es ein paar Sonderlinge, die schreiben im Internet über Wein. Noch 2009 nannte sie eines der letzten verbliebenen deutschsprachigen Weinmagazine „die Spinner in ihren Weinblogs“. Heute hat sich die Szene der Weinblogger weitgehend professionalisiert, während „Print“ weiter gegen sinkende Auflagen kämpft. Die Weinmagazine tun sich schwer mit der richtigen Mischung, während sich die Weinfreunde im Internet selbst aussuchen können, wen und welche Themen sie lesen möchten. Insgesamt gibt es etwa 80 „Weinschreiber“ im deutschsprachigen Internet.

Manche von ihnen sind einfach nur Weinfreaks, die sich rein als Hobby mit dem Thema auseinandersetzen. Die meisten Weinblogger sind allerdings Profis, die auch hauptberuflich mit dem Thema zu tun haben: Weinmacher, Sommeliers oder Weinhändler. Die Weinblogger haben damit oft mehr Fachwissen und Hintergrundinformationen als der klassische Journalist. Ich selbst bin seit über 25 Jahren im Geschäft – und habe seit Kurzem keine einzige Weinzeitschrift mehr abonniert. Dennoch lese ich mehr und regelmäßiger über Wein als je zuvor.

Ich bin Sommelier, und so bestimmt der Wein seit vielen Jahren mein Leben. Meinen Unterhalt verdiene ich immer noch als beratender Sommelier. Dass ich im Internet gelandet bin, war allerdings eher Zufall. Ich hatte gerade eine Weinserie mit N-TV abgedreht und mich fürchterlich über die altbackenen Klischees der Redaktion geärgert. Ich wollte aufzeigen, dass Wein nicht elitär sein muss, dass Wein nicht teuer sein muss und dass man mit Wein einfach seinen Spaß haben kann. Außerdem wollte ich mich einfach selbst in meinen Notizen wieder zurechtfinden und sie so abspeichern, dass sie nicht verloren gehen. Wer hätte gedacht, dass das sonst jemanden interessiert? Heute sind es Tag für Tag oft über 1000 Leute, die sich auf meinem Blog einen Weintipp holen.

Ähnliche Geschichten hören Sie auch von den anderen Weinschreibern. Jeder hat seinen Zugang zum Thema Wein, jeder hat seinen speziellen Hintergrund und schreibt über den Teilaspekt, von dem er etwas versteht. Jeder Leser kann sich seine Auswahl an Artikeln, Verkostungsnotizen und Meinung zusammenstellen. Von den 80 bis 100 deutschsprachigen Weinseiten und -foren habe ich Ihnen die zwölf am meisten gelesenen beziehungsweise zitierten Seiten hier zusammengestellt.


Die wichtigsten Weinseiten auf einen Klick

Der Nachrichtendienst der Weinszene. Sehr nüchtern, sehr neutral, aber eben auch ein umfangreiches Glossar an Weinbegriffen und ein schneller Nachrichtenüberblick.

Das schwarze Brett der Szene. Ein klassisches Forum, mit vielen verschiedenen Diskussionsboards. Hier wird offensichtlich, wie viele Facetten und Blickwinkel bei diesem schönen Thema gibt. Jeder kann eine Frage ins System stellen – oder einfach nur mitlesen.

Die „Seite 3“ der Weinblogger-Szene. Wie auf der Seite 3 der SZ gibt es auf Captain Cork pointierte Meinungen unterschiedlichster Schreiber. Und wie auf der Seite 3 werden die Meinungen so präsentiert, dass sie einen hohen Unterhaltungswert haben.

Der Insider-Blog. Social media meets Wine. Dirk Würtz ist der wohl am besten vernetzte Weinblogger mit einem guten Gespür für die aktuellen Themen der Szene. Um einzelne Weine geht es dabei selten.

Das ist mein Blog. Und bei mir wird es konkret, ich schreibe wirklich über Wein. Weintipps, Verkostungsnotizen, aktuelle Schnäppchen und was ich mir aktuell gerade in den Keller legen würde.

Wie der Name schon sagt, hier wird einfach Wein verkostet und beschrieben. Es ist ist einer der ältesten Weinblogs.

Michael Pleitgen kümmert sich um die Weiterbildung in der Weinbranche. In seinem Blog schreibt er über Marketing, Statistiken und was sonst für Weinhändler gerade relevant ist.

Der Typ ist wirklich auf jeder Verkostung eingeladen. Und so findet man hier Berichte über fast jedes wichtige Weinevent im deutschsprachigen Raum.

Hendrik Thoma ist einer der bekanntesten Sommeliers in Deutschland. Er ist seit Kurzem mit einem eigenen Video-Blog online und bringt darin so manchen Wein an sein Limit.

Es war einmal eine Gruppe von Weinenthusiasten, die sich jeden zweiten Montag getroffen hat, um ihrem gemeinsamen Hobby zu frönen. Interessante Verkostungsberichte.

Der einzige klassische Weinjournalist in dieser Aufzählung. Jens Priewe schreibt bereits seit vielen Jahrzehnten über Wein. Seit einiger Zeit hat er den Sprung von Print ins Netz gewagt.

Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß. Die Winzer selbst sind noch am nächsten dran an der ursprünglichen Definition des Blogs als Tagebuch. Wie ein kleiner Besuch auf dem Weingut! Nur zum Verkosten muss man sich die Weine noch schicken lassen.

Erschienen in Rotary Magazin 9/2012

Michael Liebert
Michael Liebert ist unabhängiger Weinsommelier und Weinkritiker. Er befasst sich mir Weiterbildung, Consulting und Events rund um den Wein. www.michael-liebert.de

Rotary Magazin 12/2016

Rotary Magazin Heft 12/2016

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