01.01.2017

Titelthema: Wald 

Ist Förster noch ein Traumberuf?

Bernhard Möhring

Wirtschaftliche Zwänge und gesellschaftliche Entwicklungen haben den Beruf des Försters verändert. Gerade deshalbbietet er spannende Aufgabenfelder.

Früher war es vielfach die Freude an der Jagd, die junge Menschen zum Forststudium brachte. Heute sind es vor allem Fragen des Natur- und Umweltschutzes, die die Studierenden an- und in die Hörsäle zum Forststudium treiben. Zum Teil ist es aber auch der Versuch, ein wenig aus der Industriegesellschaft auszubrechen und das persönliche das Glück in der Natur zu suchen. Oft verbunden mit der Hoffnung, im Ausland in Fragen des Waldes und Natur tätig werden zu können.

Zum Forststudium gehört immer auch ein gewisser Idealismus. „Wer Forst studiert hat die ewige Armut geschworen“ – das war schon vor 40 Jahren ein geflügelter Spruch, der schon damals nicht ganz richtig war. Richtig ist aber, dass es wirtschaftliche Motive ganz überwiegend nicht sind, die zum Forststudium motivieren.

Der Aufbau des Studiums
Forst kann man in Deutschland an vier Universitäten (in Dresden, Freiburg, Göttingen und München) und an fünf Fachhochschulen (Eberswalde, Erfurt, Göttingen, Rottenburg und Weihenstephan) studieren. Durch die Bologna-Reform wurde vor rund 20 Jahren der Umbau der Diplom- in Bachelor- und Masterstudiengänge angestoßen. In Deutschland erfreut sich das Forst-Studium in der ganzen Breite großer Beliebtheit, so dass man meist mit Zulassungsbeschränkungen rechnen muss.

Fachhochschulen und Universitäten bieten heute in der Regel 6-semestrige Bachelor-Studiengänge an, die generalistisch angelegt sind. Mithin müssen die Studierenden eine große Breite von Fächern wie Botanik, Standortkunde, Waldbau, Waldinventur, Naturschutz, Wirtschaft, Forstpolitik und Rech absolvieren. Neben der Vermittlung im Hörsaal spielen Übungen und Exkursionen eine wichtige Rolle, sie machen das Studium interessant, handgreiflich und lösungsorientiert.

Die Ausrichtung an den Universitäten ist stärker wissenschaftsorientiert, an den Fachhochschulen stärker auf die Forstpraxis fixiert, was auch in den Bezeichnungen der Studiengänge „Forstwissenschaften“ oder „Forstwirtschaft“ erkennbar wird. Universitäts- und Fachhochschulstudium sind also nicht „gleichartig“, sie gelten aber als „gleichwertig“ und eröffnen entweder den Einstig in die Berufspraxis oder das Weiterstudium in einem Masterstudiengang.

Das Masterstudium an den Universitäten ist in der Regel auf vier Semester ausgelegt und eröffnet unterschiedliche Profillinien wie Forstbetrieb, Naturschutz, Holz, Governance etc. Aber auch die forstlichen Fachhochschulen bieten zunehmend Masterstudiengänge an – sowohl als Vertiefung im Bereich des Forstbetrieblichen Management als auch in ergänzenden Feldern wie z.B. Erneuerbare Energien, Regionalmanagement und Global Change Management etc.

Wirtschaftliche Fragen
Für viele Studierende ist es ein Kulturschock, wenn sie im Studium mit so trockenen Themen wir Rechnungswesen, Marktlehre, Management, Recht und Verwaltung konfrontiert werden. Dies ist aber notwendig, denn der Wald in Deutschland und in der Welt ist eben nicht ein aus der Vorzeit überkommenes Geschenk der Natur. Wald ist vielmehr fast immer ein Kulturgut. Wald ist auch kein Allgemeingut – er gehört regelmäßig jemandem, ist Bewirtschaftungsobjekt von Forstbetrieben. In Deutschland gehören 48 Prozent der Waldfläche privaten Eigentümern.

Die wichtigste Einnahmequelle der Forstbetriebe ist der Holzverkauf – hier haben sich erfreulicherweise in den letzten zehn Jahren die Holzerlöse deutlich erhöht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit die Nutzungsmöglichkeiten auf die Höhe des Zuwachses beschränkt sind.

Bemerkenswert – und der Allgemeinheit vielfach unbekannt – ist, dass die private Waldwirtschaft, anders als die Landwirtschaft, kaum öffentliche Förderung erfährt. Gemäß Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft von 2014 betragen bei Ackerbau und Milchvieh die Direktzahlungen und Zuschüsse zwischen 370 und 450 Euro je Hektar, im Privatwald beträgt die Förderung nur rund 12 Euro je Hektar (mithin also 3 Prozent des Betrages der Landwirtschaft). Betrachtet man die Förderung als Indikator für den gesellschaftlichen Einsatz, so tut die Gesellschaft auffallend wenig für den Wald. Sie nutzt gern dessen vielfältige Leistungen für Naturschutz, Wasserspende, Erholung, Biodiversität und Klimaschutz – jedoch in der Regel ohne dafür zu zahlen.

Die Bäume wachsen im Wald auch ökonomisch wahrlich nicht in den Himmel. Wirtschaftlicher Erfolg zwingt zu Rationalisierung, Technik und Effizienz. Ein moderner Förster schaut nicht Pfeifchen rauchend den Bäumen beim Wachsen zu. Er muss vielmehr die komplexen biologischen Prozesse im Wald und die Anforderungen aus der Holzindustrie und aus der Gesellschaft aufeinander abstimmen und erfolgreich managen. Darauf müssen die Studierenden vorbereitet sein.

Einstieg ins Berufsleben
Für das Berufsfeld des „Försters“ im Forstrevier schließt sich an das Bachelor-Studium meist eine ein bis anderthalbjährige sogenannte Anwärter-Zeit an, die überwiegend bei den Landesforstverwaltungen absolviert wird. Das Masterstudium gilt als Zugangsvoraussetzung für die „forstliche Referendarzeit“, einer meist ebenfalls von den Landesforstverwaltungen angeboten zweijährigen Ausbildungsphase,die  zum höheren Forstdienst mit dem traditionellen Berufsbild der Forstamtsleitung führt, sofern nicht der Weg über ein Trainee vorgesehen ist.

Herausforderungen
Durch die wirtschaftlichen Zwänge wurde in den letzten Jahren vielfach das Personal in den öffentlichen Forstbetrieben und -verwaltungen abgebaut. Hier eröffnet sich Raum für eine neue Kultur der Selbständigkeit und Unternehmertum im Forstbereich.

Ein „Megathema“ für die Förster ist der Klimawandel, denn der Wald ist Opfer der bereits laufenden Veränderungen – darauf muss durch angepasste Baumartenwahl, Forstschutz etc. reagiert werden. Der Wald ist durch die CO2-Speicherung in Holzprodukten aber auch Teil der Lösung des Klimaproblems, weil das in der Gesellschaft genutzte Holz durch die Substitutionswirkung (Holz ersetzt Erdöl, Stahl, Aluminium, Beton etc.) CO2-Emissionen einzusparen hilft.

Natürlich ist auch der Natur- und Umweltschutz im Forstbereich weiterhin von zentraler Bedeutung. Insbesondere auf internationaler Ebene sind hier Defizite sichtbar. Walderhaltung und Wiederaufforstung sind global wirklich große Herausforderungen, die ohne Forstleute nicht bewältigt werden können.

Ganz allgemein zeigt sich, dass die forstlichen Herausforderungen meist nicht aus dem Wald an sich, sondern aus den Menschen resultieren – der englische Spruch bringt das auf den Punkt: „Forestry is not about trees – it’s about people.“

Perspektiven
Neben Tätigkeiten in Forstbetrieben, Forstverwaltungen und Unternehmen der Forst- und Holzwirtschaft und angrenzender Bereiche bietet auch die Wissenschaft (hier hat sich als wichtiges Forschungsfeld u.a. die sogenannte Waldökosystemforschung etabliert) vielfältige Berufsperspektiven. Aber auch außerhalb dieser traditionellen Felder sind „Förster“ vielfach aktiv, als Minister, Staatssekretär, Bauunternehmer, Steuerberater, Bankenvorstand, Patentanwalt, Universitätspräsident etc. – alles Berufsfelder, die man sicher nicht unmittelbar mit dem Bild des Försters und dem Forststudium in Verbindung bringt.

Hier zeigt sich ein besonderer Vorzug des Forststudiums. Es ist bewusst sehr breit angelegt, und es ist attraktiv für Menschen mit Idealismus, Tatkraft und vielfältigen Interessen – Eigenschaften, die auch außerhalb des eigentlichen Forstbereichs sehr gut zu gebrauchen sind.

Erschienen in Rotary Magazin 1/2017

Bernhard Möhring
Bernhard Möhring ist Professor für Forstliche Betriebswirtschaftslehre am Institut für Forstökonomie der Georg-August-Universität Göttingen. Zuvor leitete er die Staatlichen Forstämter in Holzminden und Winnefeld (Solling). © Foto: privat uni-goettingen.de

Rotary Magazin 5/2017

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