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Titelthema: Wald

Wenn Bäume sprechen

Titelthema: Wald - Wenn Bäume sprechen
Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben © Foto: Craig Stennett/Alamy/mauritius images

Mit Büchern über das Leben der Bäume wurde der Förster Peter Wohlleben zum Bestsellerautor. Fachleute hinterfragen jedoch einige seiner zentralen Aussagen.

Michael Lehner01.01.2017

Sachkenner fürchten schon, dass der Überhöhung sogenannter Tierrechte bald eine ähnliche Entwicklung zum Umgang des Menschen mit den Pflanzen folgen und der Nutzung des Waldes enge Grenzen setzen könnte. Als Beleg gilt das Bestseller-Buch „Das ge­heime Leben der Bäume“ des Försters Peter Wohlleben, das inzwischen hunderttausendfach über die Ladentische ging.

Bekannte Thesen
So neu sind Wohllebens umstrittene Erkenntnisse über unsere blatt- und nadeltragenden Mitgeschöpfe allerdings auch wieder nicht. Vor über vierzig Jahren, im Jahr 1973, landeten die US-Wissenschaftsjournalisten Peter Tompkins und Christopher Bird einen ähnlichen Bestseller mit Gemeinsamkeit bis in den Titel hinein: „Das geheime Leben der Pflanzen“.

Die Wochenzeitung DIE ZEIT nahm das US-Buch seinerzeit unter die Lupe, fand die entscheidenden Thesen nicht bestätigt und schloss die Kritik mit einem für ­Naturwissenschaftler vernichtenden Satz: „Wie wahr ist etwas, das sich nur Gläubigen erschließt?“ Tompkins/Bird hatten behauptet, dass Pflanzen schweigen, wenn sich Skeptiker in ihrer Nähe aufhalten.

Förmlich zerissen hat die Fachwelt – von den Botanikern bis zu den Philosophen – auch den Autor Wohlleben. Mit wenigen Ausnahmen wie dem Forstwissenschaftler Ulrich Schraml. Der Professor, Mitglied im Nachhaltigkeitsrat der Bundesre­gierung und an der Freiburger Universität lange Jahre zuständig für die Wechselwirkung zwischen „Wald und Gesellschaft“, stellt jedoch die wichtige Frage, warum einer wie Wohlleben in einer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft so viel Erfolg haben kann.

Hierzu gehören beachtenswerte Fragen: auf den nachwachsenden Energieträger Holz verzichten, ausgerechnet in der Zeit einer ökologisch geprägten Energiewende? Den Wald sich selbst überlassen, obwohl der Mensch ihn als Produkt menschlicher Einflussnahme liebt und schätzt?


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VIDEO: Intelligente Bäume

Wie Bäume mit einander sprechen und füreinander sorgen. Eine faszinierende Reise durch das Internet des Waldes mit Beiträgen der Forstwissenschaftlerin Prof. Dr. Suzanne Simard und Förster und Autor Peter Wohlleben. Sehen Sie den offiziellen Trailer zum Dokumentarfilm - klicken Sie auf das Foto.


Zusammengenommen gut 30.000 Hektar Urwald gibt es noch in Deutschland. Kaum mehr als ein großes Jagdrevier in der Feudal­herren-Zeit, zuletzt in der DDR. Der Rest ist, genau genommen, von Menschen gemachter Wirtschaftswald. Aus esoterischer Öko-­Sicht ein Ort der Ausbeutung von Mitgeschöpfen. Aber auch „Grüne Lunge“ und beliebter Erholungsraum.

Streitfall Artenvielfalt
Bis heute streiten Experten, ob die Artenvielfalt im Urwald tatsächlich größer sei als in den Nutzwäldern. Der Nachweis scheint bisher nicht gelungen. Allenfalls bei den Käfern scheinen Vielfalt-Vorteile im natur­belassenen Wald wahrscheinlich. Was dann auch die Hauptgruppe der Waldschäd­linge zu begünstigen scheint.

Besonders spannend wird es, wenn Schutz der Bäume und kompromisslose Jagdgegnerschaft aneinander geraten. Et­wa wenn Forscher vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena feststellen, dass eine artenreiche Baumverjüngung im Laubwald nur möglich sei, wenn zugleich Reh und Hirsch massiv kurz gehalten werden.

Anders, warnen die Forscher, sei zu fürch­ten, „dass das ambitionierte politische Ziel der Biodiversitätsstrategie, fünf Prozent des Waldes zu schützen und aus der Nutzung zu nehmen, eher zu einem Artenverlust führen wird“. Die Jäger als wahre Freunde der Bäume? Da begegnen sich scheinbar mehrere akute Konflikte: Fleischessen und Tieretöten, Öko-Energie und Urwald, Kultur­landschaft und Wildnis. Auch Schäfer-­Nos­talgie und Willkommenskultur für Bären oder Wölfe.

Forst-Professor Schraml erkennt schon Parallelen zur militanten Tierrechte-Szene. Zum Beispiel in der Forderung nach „artgerechter Baumhaltung“. Sie stammt nicht allein von Peter Wohlleben. Eben haben Forstwissenschaftler eine entsprechende Petition gestartet, ausgerechnet an der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität, an der auch Schraml lehrte – über das nie ganz emotionslose Verhältnis der Deutschen zu ihrem Wald.