Gemeinnützige Projektarbeit - Wirkt? Wirkt nicht?

14.04.2014

Gemeinnützige Projektarbeit 

Wirkt? Wirkt nicht?

Andreas Rickert

Sie wollen gesellschaftliche Probleme anpacken und Gutes für das Gemeinwesen tun. Sie stecken viel Herzblut und Energie in Ihre Projekte und arbeiten daran, dass sich Dinge zum Positiven verändern. Aber wie überprüfen Sie eigentlich den Erfolg eines gemeinnützigen, nicht-profitorientierten Projekts? Wie stellen Sie dessen Wirkung und Gewinn für die Gesellschaft fest? Eine Anleitung von Andreas Rickert.

In der freien Wirtschaft gilt ein Unternehmen dann als erfolgreich, wenn es viel Umsatz und noch mehr Gewinne erwirtschaftet. Im gemeinnützigen Bereich hingegen spricht man dann von einem Erfolg, wenn ein Projekt gesellschaftliche Wirkungen erzielt – sei es, weil sich die Kinderarmut im Stadtteil verringert hat oder Langzeitarbeitslose in Jobs vermittelt werden konnten.

Und so, wie ein solides Unternehmen konkrete Umsätze und Gewinne anpeilt, kann auch ein gemeinnütziges Projekt seine Wirkung und seinen gesellschaftlichen Mehrwert planen. Vorausgesetzt, die Ziele und das Projektmanagement stimmen. Denn im Non-Profit-Sektor gilt wie in der Wirtschaft: Wer sein Ziel erreichen will, muss solide planen und regelmäßig justieren.

Bemessung
Wie bemisst sich eigentlich „gesellschaftliche Wirkung“? Bezogen auf gemeinnützige Arbeit spricht man immer dann von Wirkung, wenn?…
· die Zielgruppe neues Wissen erwirbt, Handlungsweisen verändert oder sozial aufsteigt, sich also ihr Lebensumfeld ändert und
· dies zu positiven Auswirkungen in der gesamten Gesellschaft führt.

Damit überhaupt eine Wirkung erzielt wird, braucht es Angebote, die die Zielgruppe erreichen. Diese erbrachten Angebote sind sogenannte „Outputs“ (= Leistungen). Wenn die Zielgruppe aufgrund dieser Angebote neue Fähigkeiten erwirbt, ihr Verhalten positiv verändert oder gar sozial aufsteigt, sind das „Outcomes“ (= Ergebnis).
Führen diese Veränderungen der Zielgruppe auch zu positiven Auswirkungen in der Gesellschaft – wird also eine gesellschaftliche Wirkung erzielt – ist das ein sogenannter „Impact“ (= Effekt).
Ein Beispiel: Möchte ein Projekt Jugendlichen helfen, einen Ausbildungsplatz zu finden, könnten seine Leistungen darin bestehen, Nachhilfestunden und Bewerbungstrainings anzubieten (= Outputs). Die bloße Durchführung dieser Maßnahmen allein oder eine hohe Teilnehmerzahl sagen jedoch nichts über die Wirkung aus. Schließlich bedeutet die Teilnahme an einem Bewerbungstraining nicht automatisch, dass die Jugendlichen auch einen Job finden. Die Wirkung ergibt sich erst, wenn Jugendliche durch das Training relevante Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben, Selbstvertrauen aufbauen und in Eigenregie überzeugende Bewerbungsunterlagen erstellen können (= Outcomes). Finden die Jugendlichen infolgedessen einen Ausbildungsplatz und führt dies zu einem Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit im Stadtteil, ist das eine Wirkung auf gesellschaftlicher Ebene (= Impact).

Zielrichtung: Wirkung
Für eine auf möglichst viel Wirkung ausgerichtete Projektarbeit sind generell drei Schritte nötig, die einen Kreislauf bilden:

1. Richtig planen: Am Anfang steht die Überlegung, welche Ziele (Wirkungen) erreicht werden sollen.
Um diese Ziele herum wird das Projekt konzipiert. Nicht umgekehrt!

2. Regelmäßig prüfen: Mit Blick auf die geplanten Wirkungen sollte regelmäßig geprüft werden, ob man sich noch auf dem richtigen Weg befindet oder ob der Kompass justiert werden muss.

3. Lernen: Das Wissen um Erfolge und Misserfolge wird eingesetzt, um das Projekt kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Um die größtmögliche Wirkung zu erzielen, müssen bereits in der Planungsphase Antworten auf die folgenden Fragen gefunden werden:
Situation vor Ort: Welches spezifische gesellschaftliche Problem soll gelöst werden? Welche Ursachen führen zu dem Problem? Welche Folgen ergeben sich daraus?
Die eigene Vision: Welche langfristigen gesellschaftlichen Veränderungen sollen konkret und in Bezug auf das Problem erreicht werden? Welcher ideale gesellschaftliche Zustand wird angestrebt? – Übrigens: Erstaunlich viele Organisationen haben Schwierigkeiten darin, ihre Vision klar zu benennen.

Projektfundament bilden
Auf Grundlage der Vor-Ort-Situation und der Vision lassen sich nun die weiteren Bausteine beschreiben: Welche Veränderungen bei welchen Zielgruppen sind erforderlich, um die angestrebten gesellschaftlichen Wirkungen zu erreichen? (Outcomes/Impact). Mit welchen Aktivitäten sollen welche Veränderungen bei welcher Zielgruppe bewirkt werden? Um ein gesellschaftliches Problem zu lösen, gibt es häufig viele Wege. An welcher konkreten Stelle setzen die Aktivitäten an? (Output). Welche Ressourcen (finanzielle, personelle etc.) sind erforderlich? (Input). Wie lassen sich einzelne Wirkungen feststellen? Welche Erhebungsmethoden sind sinnvoll? – Die Erhebungsmethoden sind abhängig von der Projektgröße. Mögliche Kriterien für die Erfolgsmessung: Was sagen Projektbeteiligte, wie bewertet die Zielgruppe einzelne Maßnahmen? Gruppendiskussionen, Lernrunden, Feedback-Auswertungen, Interviews von Projektbeteiligten und Kos­ten­aufstellungen sind niedrigschwellige Messinstrumente. Gewinnbringender, aber aufwendiger sind regelmäßige Fragebogenaktionen, Interviews mit wichtigen Zielgruppen oder gar Evaluationen.

Sämtliche Bausteine sind schließlich in eine klare und schlüssige Kausalkette zu setzen: „Weil wir die Zielgruppe A erreichen wollen, bieten wir die Maßnahmen B und C an, deren Wirksamkeit wir durch Methode D regelmäßig überprüfen. So ist sichergestellt, dass wir die Wirkungen E und F erreichen??…?“
Zugegeben, eine solche Kausalkette zu entwickeln birgt eine gewisse Herausforderung. Aber: Wer sich die Mühe macht, besitzt hinterher ein solides Projektfundament. Parallel ergeben sich immer auch Hinweise darauf, welche Prozesse optimierungsbedürftig sind, warum manche Maßnahmen nur schwer umsetzbar sein könnten. Qualitätsmanagement, ganz nebenbei?…

Alles Wirkung, oder was?
So wichtig wie der Gewinn für das Unternehmen ist für ein gemeinnütziges Projekt die Wirkung, die es erzielt. Keineswegs kann, darf und soll sich gemeinnützige Arbeit nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ausrichten! Aber der Sinn und Zweck gemeinnütziger Arbeit besteht nun einmal darin, dass sie „wirkt“ und einen gesellschaftlichen Mehrwert erbringt. Entsprechend zielstrebig sollte sie geplant und ausgeführt werden!

Erschienen in Rotary Magazin 4/2014

Andreas Rickert
Andreas Rickert ist Vorstandsvorsitzender der Phineo gAG und Mitglied des Rotary Clubs Berlin-Unter den Linden.

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