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Editorial

Gelehrter und Weltbürger

Editorial - Gelehrter und Weltbürger
René Nehring © Jessine Hein / Illustratoren

René Nehring über Alexander von Humboldt, Neuigkeiten aus Nigeria und mehr

René Nehring01.09.2019

Er war Geograph, Botaniker, Zoologe, Physiker, Klimatologe, Naturphilosoph und manches mehr. Der am 14. September 1769 in Berlin geborene Alexander von Humboldt gilt – vor allem in Amerika – als einer der großen Entdecker, der sich die Welt mit den eigenen Händen und Augen erschloss und als ein ästhetisches Ganzes interpretierte. Ein Universalgelehrter alter Schule, der zugleich maßgeblich einem neuen Verständnis von Wissenschaft zum Durchbruch verhalf. Er war ein – buchstäblich weltweiter – Star seiner Zeit, Gast an vielen Höfen, Mitglied in zahlreichen Akademien der Wissenschaften, und ist bis heute hoch geachtet.
Im eigenen Land, das sich für gewöhnlich schwer tut mit seiner Geschichte, ist Humboldt eine der wenigen Figuren, mit denen sich alle identifizieren können: Ökologisch bewusste Zeitgenossen feiern ihn als einen frühen Umweltaktivisten, der Tiere und Pflanzen nicht nur beschrieb, sondern auch den Schutz ihrer Lebensräume forderte. Nostalgische Preußen-Fans sehen ihn als Repräsentanten eines Landes, das im 19. Jahrhundert lange Zeit an der Spitze des Fortschritts stand. Für liberale Kosmopoliten wiederum ist Humboldt der weitgereiste Weltbürger, der nationale Grenzen schon überwand, noch bevor diese überhaupt errichtet waren. So ist Alexander von Humboldt weit mehr als eine Ikone der Wissenschaftsgeschichte.
Doch wie immer bei Ikonen und Denkmälern ist auch hier Vorsicht geboten. Bei manchen, vor allem aktuellen Schilderungen beschleicht einen das Gefühl, in Humboldt einem intellektuellen Übermenschen zu begegnen, der weit größer war, als er eigentlich sein konnte. So ist denn der 250. Geburtstag in wenigen Tagen ein guter Anlass, manche Überlieferung zu hinterfragen.
Kann – zum Beispiel – Humboldt trotz seines neuen Ansatzes, die Welt zu verstehen, wirklich als ein Begründer der modernen Naturwissenschaften gelten, oder war er nicht doch eher eine Figur des Übergangs zwischen den Zeiten, deren Weltbild schon bald von der Moderne (Stichwort Charles Darwin) abgeräumt wurde? Diesen und weiteren Fragen gehen wir diesen Monat als Titelthema nach.

Ist Afrika endlich poliofrei? Am 21. August 2019, unmittelbar vor Drucklegung dieser Ausgabe, erhielt Nigeria von der Weltgesundheitsorganisation WHO offiziell den lange ersehnten Status.
Dieser wird vergeben, wenn ein Land drei Jahre ohne neuen Ansteckungsfall mit dem wilden Polio-Virus geblieben ist. Somit könnte im kommenden Jahr der gesamte afrikanische Kontinent das Poliofrei-Zertifikat der WHO erhalten. Doch trotz dieses großartigen Erfolges kann sich die Weltgemeinschaft, und damit auch die Rotarier, nicht zurücklehnen. Denn noch immer ist die Kinderlähmung in Pakistan und Afghanistan endemisch. Der Welt-Polio-Tag im nächsten Monat bietet da einen guten Anlass zum Engagement. Dass es dafür gar nicht mal so viel Aufwand bedarf, zeigt ein Beitrag im September-Heft, wo wir rotarische Projekte und Produkte vorstellen, deren Erlöse in den Kampf gegen die Kinderlähmung fließen.

Aloha Rotary, heißt es diesmal in der Rubrik „Im Fokus“. Nachdem die International Convention in diesem Jahr in Hamburg quasi vor der Haustür stattfand, trifft sich die weltweite rotarische Familie im kommenden Jahr buchstäblich am anderen Ende der Welt – auf Hawaii. Ein Ziel, das ob seiner Entfernung sicherlich manche Freunde abschreckt. Dass sich eine Reise auf die Inselgruppe im Pazifik in jedem Falle lohnt, zeigt die Reportage von Diana Schoberg, Redakteurin im Magazin The Rotarian.

Es grüßt Sie herzlichst Ihr

 

René Nehring
Chefredakteur