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Bad Vilbel / Schleiz

30 Jahre Wiedervereinigung

Bad Vilbel / Schleiz - 30 Jahre Wiedervereinigung
Auftakt zur Präsentation © Christian Kaiser

Rotarier der Clubs Bad Vilbel und Schleiz trafen sich zu einem Vortrags- und Diskussionsabend.

Christian Kaiser26.10.2020

Zusätzlich befeuert durch eine Initiative von DG Henning von Vieregge hatten sich viele Rotary Clubs im D 1820 zur Feier des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit mit Clubs in Thüringen verabredet.

Hier ein Bericht über ein gemeinsames Meeting der Rotary Clubs Bad Vilbel (Hessen) und Schleiz (Ostthüringen):

Da ein persönlicher Besuch wegen Corona nicht möglich war, fand das Meeting in hybrider Form statt. Im Clublokal, dem City Hotel in Bad Vilbel, waren neun Clubmitglieder versammelt; zugeschaltet waren weitere 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem RC Bad Vilbel, dem RC Schleiz sowie aus weiteren Clubs. Darunter auch Governor Henning von Vieregge und Sekretär Reinhard Fröhlich vom Distrikt 1820.

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Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag von Ulrich Purfürst, Mitglied im RC Schleiz und zugleich Assistant Governor im Distrikt 1950. Thema des Vortrags war "30 Jahre Wiedervereinigung – Gedanken eines Ostthüringer Rotariers zum Jubiläum". Am Beispiel seiner eigenen Lebensgeschichte spannte Ulrich Purfürst einen Bogen von der DDR über die Wende ins wiedervereinigte Deutschland.

Er entstammt einer Unternehmerfamilie aus dem KFZ-Gewerbe. Der Betrieb wurde bald nach dem Krieg ein erstes Mal vorübergehend enteignet. Später wurde der Staat Miteigentümer, und in den 70er Jahren folgte die endgültige Enteignung. Der Betrieb wurde zum VEB, in dem der Vater des Referenten weiterhin beschäftigt war.

Ulrich Purfürst selbst konnte studieren - was im Arbeiter- und Bauernstaat für einen Jungen aus einer Unternehmerfamilie nicht selbstverständlich war.

Seine Heimat liegt in der Nähe der damaligen innerdeutschen Grenze, wodurch einerseits das unmenschliche Grenzregime klar sichtbar war und zum anderen die Möglichkeit bestand, Westfernsehen zu sehen, was auch ausgiebig genutzt wurde: "DDR-Fernsehen lief zuhause nie." Dieser Blick in den Westen war verboten und man durfte sich nicht verraten. Anwerbeversuchen, als inoffizieller Mitarbeiter der Stasi tätig zu werden, hat er sich verweigert.

Im Laufe der 80er-Jahren wurde dann immer klarer, dass die Zustände in der DDR wirtschaftlich und politisch nicht mehr haltbar waren.

Nach der Wende wurde der von der Treuhand übernommene elterliche Betrieb von der Familie zurückgekauft und hat sich seither zu einem florierenden KfZ-Handels- und -Reparaturbetrieb entwickelt. 

Ulrich Purfürst betonte, dass für ihn und seine Familie Heimatverbundenheit sehr wichtig sei.  Auch deshalb habe man das Land in den frühen Jahren der DDR nicht in Richtung Westen verlassen, und die Werte Bodenständigkeit und Heimatliebe hätten so auch die DDR überdauert.

Für das Zusammenwachsen nach der Wende hat auch Rotary einen großen Beitrag geleistet – einmal vor Ort durch das Zusammenbringen Gleichgesinnter, dann aber auch im Distrikt 1950, der Clubs aus ehemals West (Oberfranken) und Ost (Ostthüringen) verbindet. Als ADG der Region 2 mit Clubs auf beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze berichtete Ulrich Purfürst dazu aus erster Hand.

Dem Vortrag folgten weitere Erfahrungsberichte und Wortbeiträge mit einer sich anschließenden lebhaften Diskussion. Insgesamt eine sehr persönlich geprägte Reflexion von 30 Jahren Wiedervereinigung, ein besonderer Abend, der Zeitgeschichte lebendig werden ließ. 

Christian Kaiser

Christian Kaiser wurde 1942 in Hessen geboren, machte Abitur in Hanau. Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen und Bonn mit Promotion. Pächter der Hessischen Staatsdomäne Kinzigheimerhof bis 2004. Öbuv. Sachverständiger. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 1981 im RC Hanau. Präsident 1999/2000, PHF+3 und Distriktberichterstatter für D 1820.