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Marburg

Halbzeit im Distrikt 1820

Marburg - Halbzeit im Distrikt 1820
DG Rainer Moosdorf (links) und DG elect Henning von Vieregge mit den Teilnehmern von Rotaract © Christoph Müller, K2 Werbeagentur GmbH (alle Fotos)

Zum ersten Mal wurden Halbjahreskonferenz und Distrikt-Trainingsveranstaltung an einem Tag durchgeführt.

Christian Kaiser14.02.2020

Über 160 Rotarierinnen und Rotarier waren der Einladung von DG Rainer Moosdorf und DG elect Henning von Vieregge in das Technologie- und Tagungszentrum Marburg gefolgt.

Nach dem Willkommensgruß von Holger Pausch, Präsident des gastgebenden RC Marburg-Schloss, gab Rainer Moosdorf einen Überblick über sein erstes Halbjahr als Distriktgovernor.

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DTS und Halbjahreskonferenz boten die Gelegenheit, verdienten Rotariern zu danken: Harald Schiebel erhielt von Governor Rainer Moosdorf einen PHF für die Realisierung von zehn RYLA-Seminaren.

Positive Halbzeitbilanz

73 der 74 Clubs im Distrikt hat er inzwischen besucht. Dabei lernte er nicht nur unser schönes Hessenland besser kennen, sondern erfuhr auch aus erster Hand, was die inzwischen über 4.000 Rotarier unseres Distriktes bewegt – und vor allem, was diese aktiv bewegen. 

Und das muss wohl einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben, misst man das an der Euphorie, mit der der Bericht von Rainer Moosdorf vorgetragen wurde. Aus der Fülle griff der Governor einige wenige rotarische Projekte heraus, ohne damit eine Wertung verbinden zu wollen: Das Hospiz in Rodgau, verschiedene Palliativ-Projekte, auch für Kinder, die geplante Kinderschutzambulanz in Frankfurt und das Libanonprojekt mit einer Schule für 700 Flüchtlingskinder. 

Schließlich wurden von Rainer Moosdorf auch die clubübergreifenden distriktweiten Aktionen hervorgehoben, die quasi zum rotarischen "Inventar" gehören: End Polio Now bedarf nochmal besonderer Anstrengungen für den Endspurt. Das Jugendaustauschprogramm wird in unserem Distrikt nach einem Einbruch wieder besser angenommen. Der Berufsinformationstag kommt nach wie vor gut an. Gesundekids läuft erfolgreich, auch dank der Übernahme der Schirmherrschaft durch den Hessischen Ministerpräsidenten.  

Ein großes Lob des Governors galt der Arbeit der Länderausschüsse Deutschland-Israel und Deutschland-Südliches Afrika, die von Rotariern aus unserem Distrikt, dem jeweiligen "Leitdistrikt", geleistet wird.

Rotarische Werte

In dem sich anschließenden Impulsvortrag stellte die Rotarierin Claudia Hendry Fakten und Thesen vor zum Thema "Rotarische Werte in einer Welt der Veränderung". Zur Bedeutung von Rotary merkte die Schweizer Past-Distriktgovernorin an, dass allein in einem Jahr 335 Mio. Dollar von der Rotary Foundation an Co-Fördermitteln vergeben wurden. Die 4-Fragen-Probe sei "persönlich nach vorne" zu leben.

Bei der Aufnahme neuer Mitglieder sollten die Clubs flexibel sein und insbesondere junge Menschen ansprechen, auch wenn die Kandidaten erst am Anfang der beruflichen Karriere stünden. Ziel bei der Mitgliederauswahl müsse der "Mischwald" sein, in dem auch gerade Querdenker und Enthusiasten ihren Platz finden.

Eine einmalige Chance der Mitgliedergewinnung böte der Jugendaustausch, mit jährlich 8.500 Beteiligten das weltweit größte Austauschprogramm. Die Kontakte zu ehemaligen Austauschschülern seien etwa über ROTEX oder Rotaract zu pflegen, eventuell auch durch ergänzende Mentoring-Programme. Junge Menschen müsse man zudem über moderne Medien ansprechen, sonst werde man gar nicht wahrgenommen. In diesem Zusammenhang erwähnte Claudia Hendry auch E-Clubs, die trotz örtlicher Distanz der Mitglieder spektakuläre Projekte umsetzten. Außerdem sei Öffentlichkeitsarbeit essentiell für Rotary: Themen, wie End Polio Now, Jugendaustausch, One Million Trees seien neben Sozialprojekten hierfür gute Anlässe.    

Neues und Bewährtes

Neues über Rotaract erfuhren die Zuhörer von Distriktsprecherin Nadia von Oesterreich. Die inzwischen beschlossene Aufhebung der Altersgrenze bei Rotaract sieht sie positiv. Dies werde sicher nicht dazu führen, dass sich damit ein konkurrierender Serviceclub etabliert. Eher werde dadurch erreicht, dass mehr Rotaracter den Übergang in einen Rotary Club schaffen und so Mitglieder der rotarischen Familie bleiben.

Nadia nutzte das Forum auch, um die Rotaract Bundessozialaktion "One Million Trees" vorzustellen. Das diesjährige Rotaract Kids Camp findet vom 12. bis 18. August an der Loreley statt. Noch sind Plätze frei – wie von Kim Hartel zu erfahren war.

Neue Wege der Spendeneinwerbung beschreitet Jean-Claude Zerey vom RC Frankfurt-Skyline mit der noch in der Pilotphase befindlichen "Rotary Donation Platform". Auf der Website haben Clubs die Möglichkeit, eigene Projekte vorzustellen und zu bewerben. Die Verantwortung für die Verwendung und Bestätigung der Spendenmittel bleibt, wie gewohnt, bei den Clubs bzeziehungsweise den jeweiligen Fördervereinen. Ähnlich wie beim Crowdfunding soll auf diese Weise eine breitere Öffentlichkeit erreicht werden.

Mit starkem öffentlichem Interesse rechnet Emily Witt, Präsidentin des RC Bad Vilbel, für den diesjährigen Hessentag, der vom 5. bis 14. Juni in ihrer Heimatstadt stattfindet. Der RC Bad Vilbel wird mit einem Stand präsent sein und hofft auf viele Besucher, eventuell auch den einen oder anderen rotarischen Mitstreiter.

Die Zahl der Rotary Clubs im Distrikt wächst weiter. So berichtet Cara Dielmann von der Gründung des RC Frankfurt-Rhein-Main, der dann der 75. Club sein wird. Mitglieder sind vorwiegend Rotaracter. Patenclub ist der RC Frankfurt-International. Die Charterfeier ist für den Juli geplant.

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Einen PHF gab es für ein tolles Eishockey-Event, organisiert von Markus Schrick (Mitte).

Ehrungen

Den Abschluss der halbtägigen Halbjahreskonferenz bildete die Ehrung und Auszeichnung verdienter Rotarier und Rotary Clubs. Als erstes zeichnete DG Rainer Moosdorf PDG Jörg Goll als Major Donor aus. Diese Auszeichnung wurde zum ersten Mal in unserem Distrikt vergeben.

In seiner Dankesrede wies Jörg Goll daraufhin, dass sich im Publikum sicher viele Major Donors befinden, die nur nichts davon wüssten. Man solle nur mal seine Spenden an Rotary für die Zeit seines rotarischen Lebens zusammenrechnen. Dann würden die 10.000 Dollar - die Untergrenze für die Auszeichnung - bei vielen sicher deutlich überschritten. 

Für die weiteren Ehrungen übergab Rainer Moosdorf das Wort an die jeweils damit befassten Mitglieder des Distriktbeirates:

  • Als erstes zeichnete ADG Bernd Thoma Markus Schrick vom RC Frankfurt-Skyline mit einem Paul Harris Fellow  (PHF) aus. Markus Schrick hatte als Mitglied des Verwaltungsrates der Frankfurter Löwen die Frankfurter Rotarier "mit Kind und Kegel" zu einem Eishockeyspiel eingeladen, das sich mit dem "Davor" und dem "Danach" zu einem ganz besonderen Erlebnis entwickeln sollte.
  • Vertreter des RC Biedenkopf konnten gleich zwei Ehrungen entgegennehmen. Harald Schiebel – genannt Mr. RYLA – wurde von ADG Wolfgang Engelhard, im Distrikt auch zuständig für den Berufsdienst, für die erfolgreiche Organisation und Durchführung von inzwischen zehn RYLA-Seminaren mit einem PHF ausgezeichnet.
  • Eckhard Debus, der seit 2008 die jährliche "Hinterlandtour" mit zuletzt um die 1.300 meist jugendlichen Radfahrern organisiert, wurde von Reinhild Link, Beauftragte für Gesundekids, ebenfalls mit einem PHF geehrt. Zusätzlich wurde das Projekt als "Best Act" ausgezeichnet.
  • Ebenfalls als "Best Act" prämiert wurde der vom RC Bad Camberg-Idstein organisierte Camberger Stadtlauf, mit über 1.000 aktiven Teilnehmern das größte Sportereignis der Region.

Die Auszeichnung der bei der Spendeneinwerbung für die Rotary Foundation erfolgreichsten Clubs nahm Jürgen Stihl (RC Kassel-Hofgeismar) vor, im Distrikt zuständig für Gemeindienst und Foundation.

  • Über die Ehrung freuten sich die Rotary Clubs Wiesbaden, Bad Homburg-Kurpark und Marburg-Schloss.
  • Last  not least zeichnete Lothar Mark (RC Rodgau), zuständig für PolioPlus, die Rotary Clubs Eschwege, Kelkheim und Bad Homburg-Kurpark für hohe Spendenbeiträge aus.
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Rainer Moosdorf war sichtlich zufrieden mit "seiner" Halbjahreskonferenz. Sehen Sie WEITERE EINDRÜCKE - EINFACH AUF DAS BILD KLICKEN!

DiTV

Nach der Mittagspause begann das Distrikt-Training-Programm – gedacht als Ideenwerkstatt, vorzugsweise für die zukünftigen Amtsträger. Den Auftakt bildete ein Interview, das Moderator Jörg Hahn (RC Frankfurt-Alte Oper) mit Henning von Vieregge führte. "Heimat" spielte in den Ausführungen des Distriktgovernor elect und Buchautors von "Wo Vertrauen ist, ist Heimat" eine große Rolle. Er warb darum, sich um die "Verlierer" in unserer Gesellschaft zu kümmern – passend zu "Rotary eröffnet Möglichkeiten", dem Motto des künftigen deutschen Weltpräsidenten von RI, Holger Knaack. Um unsere gemeinsame deutsche Heimat geht es Henning von Vieregge bei seiner Empfehlung, sich zur Feier des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit mit Rotariern im benachbarten Thüringen zu treffen.

Als nächstes betraten die vom Vormittag her bereits bestens bekannte PDG Claudia Hendry und Tania Gönner (RC Frankfurt) die Bühne. In einem von Edith Karos (RC Wiesbaden-Nassau), DG nominee, moderierten Gespräch zum Thema Strategien und Visionen wurde deutlich, dass sich fünf der Schwerpunkte, die die Rotary-Foundation formuliert hat, exakt unter den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN wiederfinden. Tania Gönner, in ihrem Berufsleben Vorstandsvorsitzende der staatlichen Deutschen "Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit" (GIZ), sieht denn auch viele Ansatzpunkte für eine Zusammenarbeit von Rotary und GIZ - auch gerade, weil Rotary über die für eine erfolgreiche Arbeit notwendigen zivilgesellschaftlichen Strukturen und Netzwerke vor Ort verfüge.

Nach diesem inspirierenden Podiumsgespräch wählten die Teilnehmer, zumeist künftige Amtsträger, jeweils zwei für sie passende "Trainingseinheiten" à 45 Minuten aus. Zur Wahl standen die Themenkreise Fokus Clubleben, Mitgliedschaft, Kommunikation, Berufsdienst und Jugend. Parallel fand ein Kurzseminar zum Thema Förderung durch die Rotary Foundation statt, in dem Besucher früherer Seminare ihre Qualifikation erneuern konnten.   

Danach begeisterte Aeham Ahmad in einem wahren Finale furioso auf dem Klavier die zahlreichen Freunde, die bis zuletzt geblieben waren. Internationale Bekanntheit hatte der syrische Liedermacher, Sänger, Buchautor und Pianist durch seine öffentlichen Auftritte im syrischen Flüchtlingslager Jarmuk als "Pianist in den Trümmern" erlangt. Musikalisch begleitet wurde er diesmal von Rudolf Pielmayer (RC Frankfurt-Alte Oper) auf der Klarinette. Rudolf Pielmayer trug außerdem im Wechsel mit der Musik anrührende Passagen aus der 2017 erschienenen Autobiografie von Aeham Ahmad vor mit dem Titel "Und die Vögel werden singen".   

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde damit – ganz im Sinne des Heimatgedankens – den inzwischen nachdenklichen Besuchern vermittelt, was der Verlust der Heimat bedeuten kann. 

Christian Kaiser

Christian Kaiser wurde 1942 in Hessen geboren, machte Abitur in Hanau. Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen und Bonn mit Promotion. Pächter der Hessischen Staatsdomäne Kinzigheimerhof bis 2004. Öbuv. Sachverständiger. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 1981 im RC Hanau. Präsident 1999/2000, PHF+3 und Distriktberichterstatter für D 1820.