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Hildesheim-Rosenstock

"Rotary fördert Bildung"

Hildesheim-Rosenstock -
Eine Drachenaquamanile in Gebrauch bei der Handwaschung. © Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (3 Fotos)

Mit der Neugestaltung und Transformation von historischen Kulturgütern befasst sich ein studentisches Projekt, das der Rotary Club Hildesheim-Rosenstock ausgezeichnet hat.

Ralf Leineweber29.01.2021

Der Rotary Club Hildesheim-Rosenstock hat einen Förderpreis ausgelobt für Arbeiten, die einen eindeutigen Bezug und Nutzen für Stadt und Landkreis Hildesheim vorweisen und nicht zwingend eine Abschlussarbeit sind. Aktueller Preisträger ist der Bachelor-Absolvent Jonas Fey für seine Arbeit „Berührungslos – Reproduktion, Neugestaltung und Transformation von historischen Kulturgütern“.

Die Drachenaquamanile ist ein mittelalterliches Bronzegefäß aus der Sammlung des Hildesheimer Domschatzes. Im Laufe der Zeit entstanden an dem Objekt Schäden. Ziel war es, ein Konzept zur Verknüpfung digitaler Möglichkeiten zu erstellen, das den Nachbau einer antiken Aquamanile möglichst berührungslos und originalgetreu ermöglichen soll und bei dem sich die vorhandenen Schäden der Aquamanile korrigieren lassen. Ein erweitertes, gestalterisches Ziel bestand in der Konzipierung von Souvenirs und Spielwaren, die die Aquamanile interpretieren.

Aquamanile mit hohem Wert versteigert

"Rotary interessiert sich und fördert Bildung", freut sich der Preisträger und bedankt sich ausdrücklich. "Für den Club Hildesheim Rosenstock heißt das konkret, sich für das Besondere zu interessieren und zu fördern, das zum Beispiel - wie in meinem Fall - im Rahmen von Abschlussarbeiten an Hochschulen entsteht." Weiter führt Fey aus: "Was ist besonders? Ein Aquamanile! Oder haben Sie etwa schon einmal davon gehört? Falls Sie Aquamanile kennen, gehören Sie wahrscheinlich zu einem eher kleinen Kreis Interessierter. Ein Aquamanile in Form eines Drachens hat es sogar im Jahr 2014 in einer Auktion bei Christie‘s für 1,3 Millionen Euro (unterstützt von der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, die Stiftung Niedersachsen und der Klosterkammer) ins Dommuseum nach Hildesheim geschafft. Von dort aus hat es meine Leidenschaft geweckt und auch das Interesse Rotarys."

Ein Drache ist zurück in Hildesheim

Ein Aquamanile (auch Aquaemanale, Aquiminale, Aquiminarium) ist ein Gefäß zur Handwaschung, entweder bei liturgischen Handlungen (dann zumeist aus Metall) oder im weltlichen Bereich vor den Mahlzeiten (dann teilweise auch aus keramischem Material). Dargestellt werden meist Tiergestalten und Fabelwesen, aber auch Ritter in voller Rüstung sind zu finden. Das bedeutet also, dass das Aquamanile quasi ähnlich wie eine Kanne zum Händewaschen von mehr oder weniger bedeutungsvollen Menschen genutzt wurde. "Die jeweilige Bedeutung dieser Menschen drückte sich in der einzigartigen Gestaltung von Aquamanilen aus", erkläutert Fey.  "Aquamanile gehören zu den besonders preziösen Metallarbeiten aus dem Mittelalter, die in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus großer Kunstauktionen gerückt sind. Äußerst selten sind dabei jene Arbeiten, die man in die Anfangszeit der nach 1100 aufblühenden Produktion datieren kann."

Einst Zentrum der Bronzekunst

Im Mittelalter galt Hildesheim als Zentrum der Bronzekunst und war von europäischer Bedeutung. Nicht zuletzt deshalb sind die Hildesheimer Bernwardstür und Christussäule zum Weltkulturerbe erklärt worden und daher in jedem Fall eine Reise wert, um durchs zeit- und kunstgeschichtliche Schlüsselloch von der hohen Kunstfertigkeit des Mittelalters überrascht und beeindruckt zu werden. "Mein ganz besonderes Drachenaquamanile ist ein mittelalterliches Bronzegefäß aus der Sammlung des Domschatzes, die im Hildesheimer Dommuseum zu bestaunen ist", so Fey. "Denn es bildet nicht nur einen Glanzpunkt der Sammlung aus dem Dommuseum, sondern fügt sich auch in die jahrelange Forschungstätigkeit ein, bei der die mittelalterlichen Bronzen aus Hildesheim einen Schwerpunkt bilden.

Auf den ersten Blick wirkt das Drachenaquamanile gar nicht so bedeutend und monetär so wertvoll, sondern eher ganz possierlich und als Drachen sehr wenig gefährlich. Ein bisschen wie ein Huhn ruht ein kugeliger Körper auf niedrigen Füßen. Ein emporgereckter kleiner Schnabel gibt die Gießrichtung für die rituelle Handwaschung vor. Aufstehende Schwanzfedern verstecken geschickt das Eingussloch. Das Drachenaquamanile ist aus einer dünnwandigen Bronzelegierung gegossen. Bei näherer Betrachtung zeichnen sich Fehlstellen in Form von Beulen, Lunkern und Schrammen sowie gelöteten Stellen im Bauchbereich ab. Ganz der bedeutungsvollen Aufgabe entsprechend, bedeutungsvollen Menschen die Hände bedeutungsvoll rituell zu reinigen war das ganze Objekt ursprünglich vergoldet."

Schmuckstück lädt zum  Schauen und Staunen ein

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Ein Beispiel für die Fehlstellenbearbeitung. Hier wurde eine Beule entfernt.

Leider sei dieser Glanz in nur noch wenigen Fragmenten erkennbars, so der Bachelor-Absolvent. "Aber die Augen des kleinen Drachens sprechen den Betrachter an; sie sind aus hellglänzendem Silber mit einer Pupille aus schwarzem Niello und vermitteln fast 1000 Jahre später noch den lebendigen Eindruck, der dem prachtvollen vergoldeten Gefäß eigen ist. Geschmückt ist das Aquamanile mit einer vielfältigen, sehr fein und aufwändig gravierten Ornamentik, dominierend im Bauchbereich und an den anliegenden halbkugelförmigen Flügeln im Bereich der Schulterhöhe. Ein Schmuckstück ist es! Stammend aus einer längst vergangenen Zeit, zurückgekehrt nach Hildesheim lädt es uns ein zum Schauen und Staunen über eine fast tausendjährig zurückliegenden Kultur."

Komplex designter Schmuck im 3D-Druck-Verfahren

Im Rahmen der Vorstellung der Arbeiten am Aquamanile demonstrierte Jonas Fey den Mitgliedern des RC Hildesheim-Rosenstock auch, wie beeindruckend komplex designter Schmuck im 3D Druck-Verfahren entwickelt werden kann. So präsentierte er einen Ring für den Clubpräsidenten Günter Köhler. Ein solcher Ring könne den Mitgliedsnamen tragen, das Clubwappen und den Namen des Trägers oder der Trägerin aufnehmen, so der Preisträger. (Interessenten wenden sich an jonas@fey-design.de)