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Inner Wheel

50 Jahre Hands-on und Service

Inner Wheel - 50 Jahre Hands-on und Service
Vor 50 Jahren: Inner-Wheel-Weltpräsidentin Helena Foster mit Clubpräsidentin Erna Rieckmann und Hanna Boye aus dem Lübecker IWC © privat (2)

In Lübeck wurde 1969 der erste deutsche Inner Wheel Club gechartert. Seither hat sich die Organisation nicht nur in Kooperationen mit Rotary deutlich entwickelt.

Sabine Meinert01.09.2019

Wenn sich am zweiten September-Wochenende 2019 der Inner Wheel Club Lübeck zum 50. Charterjubiläum trifft, dann feiern die derzeit 48 aktiven Frauen mit ihren Gästen auch 50 Jahre Inner Wheel in Deutschland. Denn Lübeck war der erste deutsche IWC. Die Organisation hat hierzulande inzwischen über 8800 Mitglieder in 232 Clubs und sieben Distrikten. Damit ist Deutschland das drittgrößte Inner-Wheel-Land weltweit.

Wie alles begann

Die Charterurkunde des ersten deutschen Inner Wheel Clubs

Als Lübecker Rotarier in den 60ern Freunde in Nyköping/Falster besuchten, erfuhren mitreisende Ehefrauen dort von Inner Wheel: einst ins Leben gerufen, um die soziale Arbeit der im Ersten Weltkrieg abwesenden rotarischen Ehemänner weiterzuführen, 1924 als eigenständige Organisation mit sozialen Zielen gegründet, später mit Clubs fast in aller Welt vertreten. Inspiriert von der Idee, luden die Lübeckerinnen die dänische Nationale Repräsentantin Birte Fangl ein, die sie bei einem Besuch motivierte, einen eigenen Club zu gründen.
Besonders Lina Höhl aus Lübeck war infiziert. Ihre stetige, unermüdliche Initiative führte daher am 26. November 1968 zur Gründung des ersten deutschen Inner Wheel Clubs, der letztlich am 13. September 1969 gechartert wurde. 25 Mitglieder zählte der IWC Lübeck in seinen ersten Tagen. „Eine der Damen, die in der nächsten Tranche aufgenommen wurden, war Ella Meier, meine Mutter“, erzählt Dorle Plunien, seit 2004 ebenfalls Mitglied im Lübecker Club und aktuelle Präsidentin.
Schon 1970, wenige Monate nach der eigenen Charter, halfen die Lübecker ­Damen übrigens, in Husum den nächsten IWC zu chartern. Ein Jahrzehnt später gab es bereits elf deutsche IWCs. Und es wurden immer mehr. „Bis heute ist es toll zu sehen, dass es immer wieder Frauen gibt, die etwas tun, etwas bewegen wollen. Das ist so bereichernd und macht die Welt ein bisschen besser“, freut sich Elke Charlotte Kessel, IWC-Deutschland-Repräsentantin 2018/19.
Freundschaft, Respekt und Toleranz spielen im Clubleben der Inner Wheelerinnen seit Gründung eine große Rolle. „Und der Austausch. In jedem Meeting gibt es bei uns nach den Regularien einen Vortrag, zum Beispiel zum Verhältnis von Förster und Wolf oder im Bereich Gesellschaft zu Handel und Wandel oder zur Geschichte der Hanse“, berichtet Dorle Plunien. „Dazu kommen Clubreisen – wir waren schon in Helsingborg, Danzig, Basel … Das stärkt den Zusammenhalt.“
Viel wichtiger aber ist die soziale Arbeit, macht sie deutlich. In Lübeck gibt es zum Beispiel ein Altenbetreuungsprojekt, einen pädagogischen Mittagstisch mit Beratung, Unterstützung für eine Forscher-Kita sowie ein Gesundheitsmobil. Dazu kommen Projekte zum „Tag der guten Tat“ am Geburtstag der Inner-Wheel-Gründerin Margarette Golding, deren Erlöse stets gespendet werden. „In ganz Deutschland kamen für diesen Tag 2019 fast 13.000 Euro zusammen zugunsten des Projekts ‚Mein Körper gehört mir‘ in Zusammenarbeit mit Dunkelziffer e. V.“, berichtet Elke Charlotte Kessel.

Hands-on im Fokus
Ursprünglich waren es nur Ehefrauen von Rotariern, die bei Inner Wheel aufgenommen werden konnten. Das ist längst Geschichte. Inzwischen kann jede aktive Frau bei den Inner-Wheel-Damen Mitglied werden. „Es kommt aufs Engagement an. Nicht darauf, mit wem man verheiratet ist. Das bedeutet auch: hoher persönlicher Einsatz, viel Zeitaufwand und alles ehrenamtlich“, macht Elke Charlotte Kessel deutlich.
Denn klar ist: Obwohl fast jeder Inner Wheel Club einen Förderverein für Projekte hat, ist Hands-on sehr viel häufiger gefragt. So unterstützen Inner Wheelerinnen in Hamburg die HipHop Academy, in Kiel gehen sie mit Rollstuhlfahrern auf Ausfahrten, vielerorts helfen sie Migranten beim Deutschlernen oder gehen als grüne Damen in Krankenhäuser, um den Patienten ein bisschen Freude zu vermitteln. Und es gibt Hunderte weiterer sozialer Projekte.
„Bei den üblichen Sachen bleiben wir aber nicht stehen“, weiß Dorle Plunien. „Digitalisierung, soziale Medien oder mehr Publicity für unsere Aktionen – das sind für uns wichtige Themen, die wir auch in Projekte transferieren. Inner Wheel wächst in die Zukunft hinein“, ist sie sich sicher und verweist auch auf die internationale Komponente: Seit Jahren ist International Inner Wheel als NGO mit beobachtendem Status bei der UN vertreten.
Nicht vergessen wird bei alldem die historische Verbundenheit zu Rotary. Deshalb finden sich auf lokaler Ebene häufig Kooperationen. So werden gemeinsam Mehreinkäufe gesammelt für bedürftige Familien oder Cafés geöffnet für Obdachlose. Vielerorts werden die Adventskalender zusammen mit Rotariern gestaltet und verkauft. Auch auf der Rotary Convention in Hamburg war Inner Wheel aktiv und sichtbar – und erntete viel Lob. Ebenso ist Inner Wheel im Beirat der ­Rotarian Action Group for Population and Development (RFPD) seit Jahren stets vertreten.
Dennoch hat sich Inner Wheel über die vielen Jahre hinweg zu einer selbstständigen Organisation entwickelt – mit einer guten Mischung aus jungen und älteren Mitgliedern mit einer riesigen Vielfalt an Ausbildungen, Interessen, Erfahrungen. Die österreichischen Inner Wheelerinnen gründeten übrigens im Januar 1984 ihre ersten Clubs – sie feiern also dieses Jahr ihr 35-jähriges Jubiläum. Vor sechs Jahren organisierten sie sich in einem eigenen Distrikt.

Mehr als 700 Projekte
2018/19 gab es in den deutschen Inner Wheel Clubs über 700 Hilfsprojekte, die international mit etwa 2,1 Millionen Euro gefördert beziehungsweise unterstützt wurden, darunter Projekte zugunsten behinderter Menschen, für die Integration von Flüchtlingen, Aktionen in Telefonseelsorge und bei Tafeln ebenso wie in Hospizen. Bis 2021 steht zudem das Thema „Caring for Women and Girls – Fürsorge für Frauen und Mädchen“ im Fokus, das die Clubs seit Monaten schon in ihrem Umfeld mit Vielfalt und Power umsetzen.
Bei seinem Charterjubiläum im September wird der IWC Lübeck einen Großteil seiner Aktivitäten den Inner-Wheelerinnen aus ganz Deutschland und internationalen Gästen vorstellen, darunter auch Freundinnen aus Nyköping und Helsingborg, wohin sich die Kontakte bis heute gehalten haben. In einer gedruckten Chronik mit Erinnerungen der Clubmitglieder können die Gäste nachlesen, was die Lübeckerinnen in einem halben Jahrhundert erreicht haben. Dazu gibt es eine Musikreise durch fünf Jahrzehnte und historische Spaziergänge durch Lübeck plus Informationen zu aktuellen Club-Plänen – als Auftakt für nicht weniger aktive weitere Jahrzehnte. Den Anstoß sollen die Gäste mitnehmen nach Hause und in alle Ecken Deutschlands, wo übrigens allein 2019 vier neue Inner Wheel Clubs entstanden.


Wissenswert

Inner Wheel wurde 1924 gegründet und zählt mit knapp 4000 Clubs und über 108.000 Mitgliedern in 104 Ländern zu den größten internationalen Frauenvereinigungen. Inner Wheel ist eine Service-Organisation und fühlt sich drei Zielen verpflichtetet: der Freundschaft untereinander, dem sozialen Engagement und der internationalen Verständigung. Inner Wheel ist wegen seiner Geschichte eng verbunden mit Rotary.
Kontakt: Jutta Stender-Vorwachs, Nationale Repräsentantin 2019/20, jutta.stender-vorwachs@gmx.de