Neues aus Bröckedde - Folge 63 - Lex Lops

11.10.2011

Neues aus Bröckedde - Folge 63

Lex Lops

Alexander Hoffmann

Bröckedde liegt im Herzen Deutschlands – dort, wo Rhein und Donau in den schönen Bröckeddesee münden. Hier trifft sich im Bröckedder Hof der RC Bröckedde zum Meeting – jeden Mittwoch um 13 Uhr im Salon Hindenburg.

Freund Lopsinger kam aus Brüssel neu in den Club. Als hoher Beamter bei der EU-Kommission hatte er sich große Verdienste um die Verbraucher erworben. Unvergessen sein Einsatz gegen Gummibärchen mit Haltungsschäden, der in die legendäre  EU-Gummibärchendirektive mündete.

Beim RC Bröckedde konstatierte Lopsinger umgehend weiteren Regelungsbedarf. „Hier herrscht ja blanke Anarchie", bemerkte er gegenüber Präsident Pröpcke und meinte das Thema rotarische Nadel. Es war unerhört - viele Freunde trugen keine Nadel, andere nur unregelmäßig und dritte wiederum am falschen Platz.

Dem machte Lopsinger ein Ende. Er erstellte eine Nadeltragverordnung (NTV). Das kleine Handbuch mit der allgemeinen Vorbemerkung, 21 Paragrafen und 33 Ausführungsbestimmungen sowie einem zehnseitigen Bußgeldkatalog wurde Pflichtlektüre für jedes Clubmitglied.

Paragraf 1 der NTV forderte: „Die Nadel wird täglich getragen, Ausnahmen sind für Aschermittwoch und Yom Kippur möglich." Im Paragrafen 7 wurde unter dem Spiegelstrich GPS (Genaues Pin-Stechen) festgelegt: „Der Pin muss genau 20,76 cm vom linken Oberarm entfernt und 11,63 cm unterhalb des Schlüsselbeins an der Rotarierin bzw. dem Rotarier angebracht werden."

In Paragraf 9 wurden die zulässigen Nadelmodelle definiert: Das Modell „Standard" mit einem Durchmesser von 10 mm, für feinmotorisch Begabte das Modell „Advanced" mit dem Durchmesser von 6 mm. Jeweilige Zusätze waren erlaubt: President, Secretary, Past President, Simple Member und Greenhorn.

Die NTV, intern auch „Lex Lops" genannt, setzte sich rasch durch, schon wegen der Sanktionen. Das Fehlen der Nadel wurde mit dem Entzug einer Präsenz bestraft, das falsche Anstecken wurde mit Bild und Fallschilderung über WikiLeaks öffentlich gemacht.

Dabei war Lopsinger keineswegs ein engstirniger Bürokrat. Auf Wunsch von Freund Boppinger wurde es langjährigen Rotariern erlaubt, sich das Rotary-Rad tätowieren zu lassen, um es immer und an der exakten Position bei sich zu tragen, was vor allem in der Sauna nützlich war.

Auf Intervention von Freundin Schnapphals-Schneckenberger gestattete Lopsinger schließlich auch die Stretch-Version – hierbei wird die Tätowierung so fixiert, dass sie auch ein Ganzkörper-Lifting übersteht.

Erschienen in Rotary Magazin 10/2011

Alexander Hoffmann
Alexander Hoffmann (RC Frankfurt/Main-Römer) ist korrespondierendes Mitglied des RC Bröckedde. Nach langen Jahren als politischer Redakteur bei namhaften Tageszeitungen (zuletzt „Süddeutsche Zeitung“) ist Hoffmann heute als Unternehmensberater tätig. Daneben zahlreiche Sachbuchveröffentlichungen zu den Themen Zeitgeschichte und Medizin sowie satirische Beiträge für den Rundfunk. Der erste Roman „Der Wolkenschieber“ erschien 2006. www.broeckedde.de

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