Rotary AktuellPorträt
von Florian Quanz |
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„Zeit für die Insel nehmen“

Zu Besuch bei Pauline Leung, Generalsekretärin des Organisationskomitees der RI Convention im Juni in Taipeh

Sorgfältig holt Pauline Leung mit einem Holzstab kleine gerollte Teeblätter aus einem runden Gefäß und legt sie in eine Holzschale. Es herrscht absolute Stille. Ihre Assistentin kommt mit einem Wasserkocher herein. Leung reicht ihr eine Silberkanne, in die das Wasser gefüllt wird. Aus der Silberkanne wird dann das heiße Wasser in zwei kleine Trinkgefäße gefüllt. „Silber verändert die Konsistenz von Wasser. Es wird weicher“, erklärt Pauline Leung später. Anschließend füllt sie das Wasser aus den Trinkgefäßen in eine kleine Schale, in der die Teeblätter liegen. Dann wartet Pauline Leung 50 Sekunden. Jahrzehntelange Erfahrung haben ihr ein exak­tes Zeitgefühl für eine traditionelle Teezeremonie beschert.

​Dann gießt sie das Wasser in eine kleine Tonkanne zum Servieren. Sie hält diese dann in die Höhe, mit einigem Abstand zum vor ihr stehenden Trinkgefäß. Die Einschenkhöhe ist wichtig. Der Tee kommt so stärker mit Sauerstoff in Kontakt, es werden flüchtige Aromen freigesetzt und der Duft ist intensiver wahrnehmbar. Kein Tropfen geht daneben, der Beweis einer guten Servierkanne, wie Leung nach der Zeremonie verrät. Sie reicht den Tee mit zwei Händen herüber. Der intensive Duft des Oolong-Tees breitet sich aus. Pauline Leung nimmt einen Schluck und lächelt. Der Tee ist gelungen. „Der zweite Tee braucht dann doppelt so lange Zeit zum Ziehen“, erklärt sie später ein weiteres Detail der chinesischen Teezeremonie. Das erhitzte Wasser aus der Silberkanne verwende sie maximal für fünf Teerunden, ab der dritten bleibe die Ziehzeit gleich. Für Pauline Leung hat diese Zeremonie nicht nur etwas Spirituelles, sie ist zugleich Ausdruck ihrer Gastfreundlichkeit.

„Wir haben großartige. Anmeldezahlen. Es gibt. keinen Grund, Taipeh. nicht zu besuchen.“

Pauline Leung

Die Gastfreundlichkeit Taiwans können alle Rotary-Mitglieder in diesem Jahr auf der RI Convention erleben. Auf diese angesprochen, kommt die Generalsekretärin des Organisationskomitees ins Schwärmen: „Wir haben großartige Anmeldezahlen, und ich hoffe, es kommen noch einige Kurzentschlossene dazu. Es gibt keinen Grund, Taipeh nicht zu besuchen.“ Pauline Leung war Governorin des Distriktes 3520 und ist Mitglied im Rotary Club Taipei Pei An. Nicht nur ihre langjährige Rotary-Erfahrung prädestinieren sie zu dieser Aufgabe, sie ist zugleich PR- und Tourismusexpertin.

Die gebürtige Hongkongerin leitet eine der führenden PR-Firmen des Landes. „Bevor ich nach Taiwan kam, arbeitete ich kurzzeitig für ein britisches Reisebüro in Hongkong sowie für die Fluggesellschaft Cathay Pacific. Als ich 1980 mit meinem Mann hierherkam, erhielt ich die Möglichkeit, bei Hilton International Taipei als PR-Managerin einzusteigen“, erzählt Leung. Knapp ein Jahrzehnt später machte sie sich selbstständig.

Entspannung beim Chorgesang

Für Convention-Besucher hat sie einen Tipp. „Sie sollten sich Zeit für die Insel nehmen. Aufgrund der langen Besetzung und Kolonisierung gibt es niederländische, spanische und japanische Einflüsse zu entdecken.“ Grundsätzlich biete sich die Kombination mit einem Nachbarland wie etwa Japan an. Mit den Kolleginnen und Kollegen vom Organisationskomitee ist Pauline Leung dabei, attraktive Angebote für Sehenswürdigkeiten in Taipeh zu organisieren. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Leung sich nicht mit der Convention beschäftigt. Umso wichtiger ist es, auch mal Momente der Entspannung zu haben. Die schafft sie sich bewusst. So ist sie seit Jahrzehnten Mitglied eines Frauenchores, der einmal im Jahr sogar in der National Concert Hall auftritt. Sie greift auch gerne mal zum Pinsel und wendet sich der Kalligrafie zu. Es heißt, die Schrift sei Ausdruck der Persönlichkeit. Leungs Schriftzeichen sind so perfekt kalligrafiert, dass man sie sich an die Wand hängen möchte. Sicher ein gutes Vorzeichen für die von ihr mitorganisierte Convention.

Zur Person: Pauline Leung (RC Taipei Pei An)

ist verheiratet und hat zwei Söhne, die beide in den USA leben.

Florian Quanz