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RC Dingolfing-Landau

Sauberes Wasser für 10.000 Menschen in Kenia

RC Dingolfing-Landau - Sauberes Wasser für 10.000 Menschen in Kenia
Die Einwohner freuen sich über ihre neuen Sandfilter für das Wasser. © Hydro Solution (4 Fotos)

Trinkwasser und Jobs: Ein Sandfilter-Projekt in Zusammenarbeit mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg

Stephanie Bräuer01.04.2021

Kajiado County ist ein County im Süden des ostafrikanischen Landes Kenia. Rund eine Million Menschen leben hier. Nun haben 10.000 Menschen Zugang zu sauberem Wasser. Möglich geworden ist dies durch das Hydro-Solution-Projekt. Ein Entwicklerteam der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH) schuf die Technischen Voraussetzungen, der Rotary Club Dingolfing-Landau die finanziellen.

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So wurde bislang Wasser gewonnen.

Die Tourismusindustrie preist Kenias Hauptstadt Nairobi als die "grüne Stadt an der Sonne". In der Tat ist dieser Distrikt landschaftlich reizvoll. Der majestätische Kilimandscharo ist von hier aus zu sehen, es gibt drei Nationalparks und den Magidasee. Der ist Heimat von Flamingos, Pelikanen und Reihern, aber auch ein Wirtschaftsfaktor. Aus dem Gewässer wird Salz gewonnen, das vermarktet wird. Für Trinkwassergewinnung ist der See ungeeignet. So wie er ist so manches Wasser, das aus dem Boden gewonnen werden könnte, versalzen. 72 Prozent der Haushalte haben keinen Trinkwasseranschluss. Viele Menschen sind auf Regenwasser angewiesen. Sie schöpfen es aus schlammigen Oberflächengewässern. Erkrankungen wie Typhus, Ruhr und Cholera sind die Folge.

Sauberes Wasser soll nicht länger Luxus bleiben, dachten sich Studenten der OTH und besannen sich einer traditionellen Filtertechnik, die sie weiterentwickelten und an die Zielgruppe und die Region anpassten.

Und so funktioniert dieser Biosandfilter: Das kontaminierte Wasser wird ein bis viermal am Tag oben eingefüllt. Der Diffusor sorgt für eine gleichmäßige Verteilung des Wassers, welches langsam durch die feinkörnige Sandschicht sickert. Dabei bleiben vor allem im oberen Bereich Bakterien, Würmer und Protozoen stecken.

Es entsteht ein Biofilm, in dem die Keime aus dem Wasser anfangen, sich gegenseitig zu fressen. Die wenigen Keime, die es unter den Biofilm geschafft haben, sterben im weiteren Verlauf aufgrund von Nährstoffmangel im Sand ab. Sauberes Trinkwasser fließt aus der Anlage wieder heraus. Die Wirksamkeit des Filters ist wissenschaftlich belegt. Unter anderem war sie unter den verschiedenen Aspekten Thema von zwölf Abschlussarbeiten von Diplomanden der OTH. Es wurde auch eine App entwickelt, mit der sich die Anlage steuern und kontrollieren lässt.

Der Verein

Aus der Gruppe Studierender ging der gemeinnützige Verein "Hydro Solution e.V." hervor, ein interdisziplinäres Team aus Ingenieuren, Geisteswissenschaftlern, Wirtschaftlern, Chemikern und Biologen. "Uns verbindet eine gemeinsame Mission und jedes Mitglied bringt seine individuellen Stärken und Ressourcen dort ein, wo sie gebraucht werden", sagen die Aktiven.

Damit die Nutzung der Filter Hilfe zur Selbsthilfe werden kann, müssen sie vor Ort von Einheimischen gebaut, installiert, gewartet und vertrieben werden. Dies sichert nicht nur die Gewinnung von Trinkwasser vor Ort, sondern auch Beschäftigung und Einkommen von Einheimischen.

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Das heimische Hydro-Solution-Team

Die Finanzierung

Für das Projekt Hydro Solution in Kajiado County übernahm der Rotary Club Dingolfing-Landau die Finanzierung. Nach dreijähriger Laufzeit ist dieser Projektzeitraum nun beendet. In dieser Zeit konnte die Versorgung von über 10.000 Menschen mit Trinkwasser sichergestellt werden und das für die nächsten zehn Jahre. Es wurden 281 Haushaltsfilter und zehn Großfilteranlagen für Schulen und Kindergärten installiert. Die Projektgesamtkosten betragen rund 60.000 Euro.

Eine Investition, ohne die dieses Projekt nicht zustande gekommen wäre. Die Summe stellte der Rotary Club Dingolfing-Landau bereit. Das Geld rekrutierte sich aus einer Reihe von Aktionen des Clubs wie zwei Weihnachtskonzerte und eine Versteigerung hochwertiger Möbel sowie durch Spendenbeiträge der Mitglieder. Alle drei in diesem Zeitraum amtierenden Präsidenten Andreas Moßandl, Robert Steinberger und Stefan Dandorfer setzten sich für dieses Projekt ein. Initiator und treibende Kraft war der Landauer Unternehmer und Past-Präsident Andreas Thannhuber. Schon zwei Mal hat er Anläufe unternommen, das Projekt in Afrika vor Ort zu besichtigen. Die Corona-Maßnahmen ließen es nicht zu.

Die drei Rotary-Club Präsidenten Andreas Moßandl, Robert Steinberger und Stefan Dandorfer unterstützten in ihren jeweiligen Amtszeiten das Hydro Solution Projekt. Initiator war Past-Präsident Andreas Thannhuber. © Daxl

Die Auszeichnungen

Für sein Engagement hat der Verein Hydro Solution eine Reihe von Auszeichnungen erhalten. So gewann das Projekt im vergangenen Jahr unter 400 weiteren Projekten den Wettbewerb "Gutes Beispiel" von Bayern 2. Die 4.000 Euro Preisgeld wurden in den vermehrten Bau von neuen Großfiltern investiert.

Das kreative Potenzial in der Gesellschaft aufzuzeigen und die Teilnehmer anzuregen, sich und ihre Idee bestmöglich darzustellen, ist das Anliegen des Wettbewerbs "Deutschland – Land der Ideen". 2018 wurde das Hydro-Solution-Projekt in die Top 100 aufgenommen. Die Auszeichnung erfolgte namens des Bundespräsidenten Walter Steinmeier.

Im selben Jahr kam das Hydro Solution Projekt in der Kategorie Wasser und Abwasser des GreenTec Awards unter die Top 3. Der GreenTec Award ist ein internationaler Umweltpreis. Ausgezeichnet werden Projekte, Produkte und Menschen, die zum Umweltschutz beitragen. Darüber hinaus gab es für das Hydro-Solution-Projekt fünf weitere Auszeichnungen.

Stephanie Bräuer
Die gebürtige Münchnerin Stephanie Bräuer hat jahrelang im Bereich PR und Redaktion verschiedener Medien gearbeitet, bevor sie sich mit einer PR-Agentur selbstständig machte und ihren Schwerpunkt dabei auf die Themen Kulinarik/Lifestyle legte. Seit sechs Jahren ist sie in diesem Bereich als freie Autorin und Journalistin tätig. www.stephanie-braeuer.de