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Edertal

Gloria Mundi

Edertal - Gloria Mundi
Die jungen Bäume ergänzen den ökologisch wertvollen Altbestand. Im Vordergrund von links: Holger List, Dirk Monstadt, Hugo Hücker © Holger Seifart

Die Rotarier des RC Bad Wildungen-Fritzlar pflanzten 35 Hochstämme alter heimischer Apfelsorten, darunter auch "Gloria Mundi".

Christian Kaiser10.11.2020

Im August hatten sich die Präsidenten der Rotary Clubs der Region Kassel noch mit ADG Walter Blum getroffen, um Ideen zu Baumpflanzaktionen weiter zu entwickeln. Die Freunde des RC Bad Wildungen-Fritzlar ließen sich danach von den coronabedingten Einschränkungen nicht abschrecken und schritten umgehend von der Idee zur Tat.

Hier der Präsident des Rotary Clubs Christian Lötzer im Interview:

Herr Lötzer, wie kam es zu dem Projekt?

Durch Corona. Wir hatten als Highlight des rotarischen Jahres 2020/2021 eigentlich ein Konzert geplant. Die Jahreszeiten von Joseph Haydn sollten in der Wandelhalle von Bad Wildungen als Benefizkonzert aufgeführt werden, mit über 100 Singstimmen und 30-köpfigem Orchester. Dieser Plan ist im Frühjahr 2020 leider geplatzt.

Und dann Obstbäume als Alternative?

Ja, wir brauchten eine Corona-verträgliche Alternative. Und weil unsere Wälder extrem am Klimawandel leiden, kam mir als ehemaligem Biologielehrer das Jahresmotto "Fokus Natur" in den Sinn.

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Jeder Baum wurde angepflockt und angegossen. © Wolfgang Lübcke

Wie sind sie auf die Apfelallee gestoßen?

Wir haben uns einen starken Kooperationspartner in der Region gesucht. Und das ist im Bereich Naturschutz der NABU Edertal. Dort habe ich den langjährigen Vorsitzenden, meinen ehemaligen Kollegen Wolfgang Lübcke angesprochen. Und er hat die Verjüngung einer alten Apfelallee in Edertal-Giflitz an einem Südhang am Rande des Nationalparks Kellerwald-Edersee vorgeschlagen.

Waren noch mehr Kooperationspartner beteiligt?

Ja, der Ortsbeirat der Gemeinde Edertal-Giflitz war aktiv an diesem Projekt beteiligt. Und der Bauhof der Gemeinde hat vorab das Altholz entfernt, das auf den Feldweg zu fallen drohte.

Wurden die Pflanzlöcher mit Kreuzhacke und Spaten ausgehoben?

Zum Glück nicht! Steiniger und tiefgründiger Boden wechseln sich an dem Hang ab. Unser Club hat einen Mini-Bagger gemietet und ich habe mich selbst als Baggerfahrer betätigt. Chefsache sozusagen.

Welche Baumarten wurden gepflanzt?

35 Hochstämme alter heimischer Apfelbäume mit so klingenden Namen wie Alter Gravensteiner, Freiherr von Berlepsch, Dorheimer Streifling oder Gloria Mundi. Auch drei Birnbäume sind dabei.

Worin besteht der ökologische Nutzen der Apfelallee?

Zum einen ist sie in der Blütezeit im Frühjahr eine herrliche Bienenweide. Zum anderen trägt die Apfelallee in einer sonst eher ausgeräumten Landschaft mit Monokultur durch ihre Begleitflora und -fauna zur Artenvielfalt bei. Schließlich bietet sie Vögeln und Wild Schutz und Nahrung.

Wie viele Menschen waren an der Aktion beteiligt und wie lange haben sie gebraucht?

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Die Apfelallee liegt an einem Südhang mit Blickrichtung Bad Wildungen. Westlich schließt sich der Nationalpark Kellerwald-Edersee an. © Wolfgang Lübcke

40 Personen waren beteiligt. Die eine Hälfte war direkt beteiligt beim Pfähle einrammen, Bäume pflanzen, anbinden und wässern, die andere Hälfte hat uns mit Getränken und kulinarischen Leckereien versorgt. Das waren sowohl Anlieger aus der Nachbarschaft als auch Mitglieder des Inner-Wheel-Clubs Bad Wildungen-Fritzlar. Bei allen möchte ich mich – auch im Namen des Clubs – ganz herzlich bedanken.

Wir haben morgens um 9 Uhr begonnen und nachmittags um 15 Uhr standen 35 neue Obstbäume in der herrlichen Apfelallee.

Haben Sie auch einen District Grant oder einen Global Grant in Erwägung gezogen?

Ja, es war geplant, ein nordhessisches Gesamtprojekt durchzuführen und wir haben uns beim RC Baunatal mit Abordnungen von etwa 10 Clubs zweimal getroffen. Dort wurde uns eröffnet, dass in diesem Jahr noch kein Global Grant für ökologische Projekte beantragt werden kann, weil Ökologie erst im Sommer 2021 Leitziel für Rotary International wird. Und von einem District Grant wurde uns abgeraten, weil die Antragsprozedur bis zum Frühjahr gedauert hätte. Darauf wollten wir mit der Baumpflanzaktion aber nicht warten. Und so haben die Clubs ihre lokalen Vorhaben mit eigenen Mitteln umgesetzt.

Sind Nacharbeiten notwendig?

Alle Bäume haben um den Stamm herum noch Plastikmanschetten bekommen zum Schutz gegen Wildverbiss.

Die Baumscheiben sollten einmal im Jahr gejätet werden, damit sich keine Wühlmäuse einnisten.

Was hat Ihnen bei der Aktion am besten gefallen?

Die Tatsache, dass wir am 31. Oktober, also am Reformationstag, dieses Kooperationssprojekt stemmen konnten. Nie passt das Luther-Zitat besser: "Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen". Zwei Tage später begann der Lockdown.

Aber wir lassen uns nicht entmutigen. Am 14. November unternehmen wir dank unseres Fritzlarer Freundes Udo Keck eine weitere Obstbaum-Pflanzaktion. Im Naherholungsgebiet Eckerich bei Fritzlar ergänzen wir den Baumbestand einer schönen Streuobstwiese um sechs Apfel- und vier Birnbäume. Natürlich unter Beachtung der Corona-Beschränkungen mit nur zwei Personen pro Pflanzloch und mit großem Abstand zwischen den Obstbäumen.

Christian Kaiser

Christian Kaiser wurde 1942 in Hessen geboren, machte Abitur in Hanau. Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen und Bonn mit Promotion. Pächter der Hessischen Staatsdomäne Kinzigheimerhof bis 2004. Öbuv. Sachverständiger. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 1981 im RC Hanau. Präsident 1999/2000, PHF+3 und Distriktberichterstatter für D 1820.