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Konferenz des Distrikts in Siegen

Im Geist der Verantwortung für das Gemeinwohl

Konferenz des Distrikts in Siegen - Im Geist der Verantwortung für das Gemeinwohl
Mit getanzter Gesellschaftskritik begeisterte das "Donlon Dance Collective" © Foto: Kinkel / Siegen

"Wir alle stehen auf der Sonnenseite", sagte Jörg Dienenthal, scheidender Governor des Distrikts 1810, zu 250 Freunden und Gästen der Distriktkonferenz 1810 in Siegen, "deshalb wollen und können wir helfen".

Jörn Freynick01.08.2016

Damit hatte er definiert, worum es Rotary und seinen Clubs geht. Dass letztes Jahr allein in der Region Siegen Spenden von 2,5 Millionen Euro für die verschiedensten lokalen oder internationalen Hilfs­projekte zusammengebracht worden waren, erwähnte er nur nebenbei. Viel wichtiger war ihm der Spendenaufruf für das aktuelle Projekt „End Polio Now“, das die Rotarier schon seit 1985 beschäftigt, denn: „Jeder Euro, den wir da einbringen, wird von der Bill & Melinda Gates-Stiftung verdreifacht.“ Im vergangenen Jahr habe es nur noch 70 Poliofälle weltweit gegeben, in zwei Ländern, Pakistan und Afghanistan. Dienenthal: „Jetzt haben wir die Möglichkeit, dass nie wieder ein Kind an dieser schrecklichen Krankheit leiden muss. Wenn wir es aber nicht zu Ende bringen, stehen wir vielleicht in wenigen Jahren wieder da, wo wir vor 30 Jahren standen.“

Giuseppe Viale, Neurochirurg aus Genua, der als Vertreter des RI-Präsidenten gekommen war, brachte das Polioprojekt in Zusammenhang mit dem aktuellen Jahresmotto der Rotarier: „Be a gift to the world.“ In seinem auf Deutsch gehaltenen Grußwort ermunterte er die Freunde, nicht müde zu werden „im Einsatz für die vielen, die unsere Hilfe dringend brauchen“. Martin Herchen­röder, amtierender Präsident des RC Siegen, verwies auf geborene Siegener wie die Musiker Fritz und Adolf Busch oder den Schriftsteller Narvid Kermani, um deutlich zu machen, welchem Geist sich die Rotarier vor Ort verpflichtet fühlen. „Wenn so ein Geist der Verantwortung für das Gemeinwohl herrscht, kann sich eine Stadt wie Siegen merklich und bemerkenswert ver­ändern.“
Faszinierende Bilder über das menschliche Zusammenleben zeigte das „Donlon Dance Collective“. Die Sequenzen aus dem Ballett „Caza Azul“ waren inspiriert von der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, die immer politisch und sozial Partei für die Ärmsten ergriffen hat.

Angstfrei Anders sein
Festredner Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FPD, sprach zum Thema „Offensive der bürgerlichen Werte“. Das Rednerpult ignorierend und in freier Rede entwarf er –
abseits von Parteiengezänk – ein gesellschaftliches Konzept des „angstfreien Anderssein-Dürfens“. Er forderte eine Gesellschaft, in der der Respekt vor dem jeweils anderen Lebensentwurf entscheidend ist, und warnte mit Blick auf den ansteigenden Rechtspopulismus: „Noch gefährlicher als die offenen Feinde einer freiheitlichen Verfassung sind ihre angeblichen Freunde.“
Frank Willeke