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ST. PETER-ORDING

Vergessene Autorinnen in Erinnerung gerufen

ST. PETER-ORDING - Vergessene Autorinnen in Erinnerung gerufen
Um diese Autorinnen ging es bei der Vergabe des diesjährigen Kunst- und Kulturpreises in St. Peter-Ording: Franziska zu Reventlow (links), Margarete Böhme (re. oben) und Meta Schoepp © BPK; ullstein bild / becker & maass; urheber unbekannt / erschienen in zeitung die woche, 1911

Der Soziologe und Autor Arno Bammé hat in diesem Jahr den Kunst- und Kulturpreis des RC Eiderstedt-St. Peter-Ording erhalten. Er hat die Geschichte der schreibenden Frauen an Schleswig-Holsteins Westküste erforscht

Can Özren01.10.2015

Ohne Arno Bammé wären Margarete Böhme, Meta Schoepp oder auch Franziska zu Reventlow in ihrer Heimat vermutlich in Vergessenheit geraten. Mit seinen Forschungen hat der Soziologe und vielseitige Autor diese und weitere Schriftstellerinnen von der Westküste Schleswig-Holsteins und vor allem ihre Werke in Erinnerung gerufen. Die Mitglieder des RC Eiderstedt-St. Peter-Ording sind begeistert von Bammés Leistung und verliehen ihm den 1994 gestifteten Kunst- und Kulturpreis ihres Clubs. Die Auszeichnung ist mit 1500 Euro verbunden. „Der Preis würdigt das Engagement von Menschen, die sich auf den Gebieten der darstellenden oder bildenden Kunst – wie der Malerei, der Bildhauerei, der Architektur, der Musik oder der Literatur – verdient gemacht haben. Arno Bammé hat diese Anforderung mehr als erfüllt, denn er hat uns bedeutende Literatur nahegebracht“, sagte Präsident Holm Schmidt.


Verkannte Stars
Laudator Henning Röhl stellte heraus, dass Bammé zwar in Österreich einen Lehrstuhl habe, aber auch in Oldenswort an der Nordseeküste lebe. „Seit den 1970er Jahren beschäftigt sich der Professor mit bestimmten Aspekten der Kulturgeschichte Nordfrieslands.“ In vielen Begegnungen mit Bammé erfuhr Röhl ihm bisher Unbekanntes, zum Beispiel über Margarete Böhme aus Husum. Ihr 1905 erschienener Roman „Tagebuch einer Verlorenen“ sei der größte Verkaufserfolg im deutschen Buchhandel vor 1933 gewesen und lieferte dreimal die Vorlage für die noch junge Filmindustrie. „Bammé brachte uns auch Meta Schoepp nahe. Deren Roman ‚Millionensegen‘ beschreibt den Niedergang der Stadt Tönning nach der Schließung der Schiffswerft.“
Der Soziologe hatte auch über Franziska zu Reventlow geforscht, die vor dem Ersten Weltkrieg die Künstlerszene in Schwabing aufgemischt und mit einem Schlüsselroman dazu beigetragen hatte, dass diese Gesellschaft ihren legendären Ruf bekam.