https://rotary.de/clubs/distriktberichte/vom-rohdiamanten-zur-lupenreinheit-a-17380.html
Wiesbaden

Vom Rohdiamanten zur Lupenreinheit

Wiesbaden - Vom Rohdiamanten zur Lupenreinheit
Nach dem „Lock-Down“ Masterabschluss © Maria Panchenko

Die Rotary Clubs Wiesbaden und Wiesbaden-Rheingau vergeben seit über 20 Jahren "Oststipendien" – vorwiegend an Studierende aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Christian Kaiser23.01.2021

Seit über 20 Jahren vergeben der Rotary Club Wiesbaden und der Rotary Club Wiesbaden-Rheingau Stipendien für ausländische Studierende an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Peter Enderle (RC Wiesbaden) rief diese Initiative ins Leben und wird seit einigen Jahren von Hans Lautz (RC Wiesbaden-Rheingau) unterstützt. Hier Peter Enderle im Interview mit dem Distriktreporter des Rotary Magazins:

Wie entstand die Idee zum Stipendium?

Es war die Zeit nach der Wende. Studierende aus dem Westen hatten schon lange Gelegenheit, andere Länder zu besuchen. Doch junge Menschen aus dem Osten waren bisher isoliert. Wir wollten den Austausch zwischen Ost und West mit einer Art Ost-Stipendium fördern. So kamen 27 Stipendiatinnen und Stipendiaten – vorwiegend aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion - nach Mainz. Sie blieben meist für ein Jahr, um vor allem Germanistik, aber auch Jura, Medizin oder Translationswissenschaft zu studieren.

Was zeichnet das Stipendium aus?

Wir legen Wert auf eine sorgfältige Auswahl der Studierenden. Dafür habe ich im Lauf der Jahre ein Netzwerk geschaffen. Wir schauen genau auf die jungen Leute, denn mitunter haben wir echte Rohdiamanten darunter.

Wir geben nicht einfach Geld, wir betreuen unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten intensiv. Wir laden sie ein zu Konzerten und ins Theater, zu Vorträgen und Ausflügen. Oft entwickelt sich ein sehr persönliches Verhältnis.

Wir Rotarier sehen es als unsere Aufgabe, die internationale Verständigung zu stärken. Wer könnte ein besserer Botschafter sein als jemand, der ein Jahr bei uns studiert und unser Land kennen gelernt hat!

Soweit Peter Enderle.

So ein inzwischen lupenrein geschliffener "Rohdiamant" ist die ehemalige russische  Stipendiatin aus St. Petersburg, Maria Panchenko, die sich hier eindrucksvoll bedankt:

Dankesschreiben (Auszüge)

ich möchte mich bei den Rotary Clubs Wiesbaden und Wiesbaden-Rheingau von ganzem Herzen für das Stipendium bedanken, welches mir die glückliche Möglichkeit gegeben hat, ein Masterstudium an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zu machen. Ende letzten Jahres habe ich den gewünschten Master-Abschluss in Linguistik und Übersetzung erhalten.

Dieses für mich sehr bedeutende Ereignis ist dank der großartigen Unterstützung von zwei wunderbaren Menschen, Ehrenmitglieder der Rotary Clubs Wiesbaden und Wiesbaden-Rheingau, zustande gekommen.

Von ganzem Herzen möchte ich mich bei Peter Enderle und Hans Lautz bedanken, die eine große Rolle in meiner geistigen und kulturellen Entwicklung gespielt haben. Ich bin ihnen auf ewig dankbar für ihr freundliches Engagement in meinem Leben und ihren Beitrag zur Erweiterung meines kulturellen Horizonts.

Dank ihnen habe ich verstanden, was Philanthropie bedeutet und woran sich wahre Rotarier orientieren. Ich möchte mich bei jedem von ihnen individuell bedanken, denn jeder von ihnen hat eine besondere Rolle in meinem Leben gespielt.

Nach dem Abschluss

Nun, nach dem Abschluss des Masterstudiums, geht mein Leben weiter. Dank der Unterhaltungen mit Peter und Hans habe ich verstanden, wie gut es ist, Menschen in Not zu helfen.

Plötzlich wurde mein Traum wahr: Kurz nach der Verteidigung meiner Masterarbeit habe ich eine Stelle als Managerin und Dolmetscherin im Deutschen Herzzentrum Berlin gefunden.

Ich hoffe, dass ich in dieser Position in der Lage sein werde, kranken Menschen behilflich zu sein. Die meisten der internationalen Patienten des Herzzentrums sind russischsprachig, und es sind besonders viele Kinder unter ihnen. Ich muss eng mit russischsprachigen Wohltätigkeitsorganisationen zusammenarbeiten, welche für die Behandlung dieser Kinder im Deutschen Herzzentrum spenden.

Abschließend möchte ich hinzufügen, dass ich die von Rotary formulierten Prinzipien der Menschlichkeit und Moral voll verstehe und teile. Ich werde ihnen in meinem Leben folgen. Meine herzliche Dankbarkeit an die lieben Peter Enderle und Hans Lautz, an deren Beispiel ich die reale Verwirklichung dieser hohen Prinzipien in meinem Leben gesehen habe.

Nochmals meinen herzlichen Dank an Sie und an die ganze Rotary-Familie für diese lebensverändernde Gelegenheit.

Mit den besten Grüßen aus Berlin
Maria Panchenko

Christian Kaiser

Christian Kaiser wurde 1942 in Hessen geboren, machte Abitur in Hanau. Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen und Bonn mit Promotion. Pächter der Hessischen Staatsdomäne Kinzigheimerhof bis 2004. Öbuv. Sachverständiger. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 1981 im RC Hanau. Präsident 1999/2000, PHF+3 und Distriktberichterstatter für D 1820.