15.01.2011

Evanston

Die Rotary Foundation 2009/10

Martin Gutsche

Der Foundation-Beauftragte Martin Gutsche nennt das Jahresergebnis und gibt Anregungen zum Verständnis des Zahlenwerkes

Die Rotary Foundation ist die gemeinsame Kasse der Rotarier weltweit und Zentrum des rotarischen Projektwissens. Die nachfolgenden Zahlenangaben stammen aus dem Prüfungsbericht Deloitte 2009/10, der neben vielen anderen Finanzinformationen unter „www.rotary.org“ veröffentlicht ist. Die Rotary Foundation hält fünf Fonds.

 Annual Program Fund (APF)

Aus diesem Fonds werden finanziert unter anderem Stipendien, Studiengruppenaustausch (GSE), District Simplified Grants (DSG) und Matching Grants. Der Fonds wird gespeist durch die jährlichen Beiträge von grundsätzlich 100 Dollar pro Jahr und Rotarier. Dadurch sind alle Rotarier an allen Projekten, die einzelne Rotarier/Clubs tatsächlich durchführen, zumindest mit einer kleinen finanziellen Unterstützung beteiligt (Every Rotarian Every Year),

Ein Sockelbetrag in Form der Spendenzuflüsse der jeweils letzten drei Jahre wird von den Trustees – beraten durch Experten – in einem genau beschriebenen und veröffentlichten Prozess in Aktien, festverzinsliche Papiere und alternative Anlagen investiert, mit dem Ziel, aus den Erträgnissen (Wertveränderungen und Ausschüttungen) die Betriebskosten zu decken. Dieses Ziel ist über die letzten 20 Jahre 1990/91 bis 2009/10 insgesamt mehr als erreicht worden. Die Trustees haben aus dem angelegten Vermögen über die Betriebskosten hinaus 100 Mio. Dollar in die Projekte geben können. Das heißt, in dieser Zeit wurden die Spenden der Rotarier in vollem Umfang und darüber hinaus 100 Mio. Dollar aus den erwirtschafteten Erträgen für Programme ausgegeben. Den Verlauf über die Zeit verdeutlicht das Schaubild auf Seite 24, Abb. 1. Da Geldanlagen über die Zeit im Wert schwanken, gilt das nicht für jedes einzelne Jahr. Der höchste Anlagegewinn des Annual Program Fund wurde 1994/95 mit 25,9 Prozent auf das investierte Vermögen erreicht, der höchste Verlust mit -21,5 Prozent in 2008/09 erlitten. Annualisiert über die 20 Jahre ist eine Rendite von 7,5 Prozent auf das jeweils investierte Vermögen erreicht worden. Die Einzelheiten über die Jahre einschließlich der Zusammensetzung der Investmenterträge (Zinsen, Dividenden, realisierte und nicht realisierte Gewinne und Verluste, Wechselkursveränderungen, Investmentgebühren) zeigt die Unterlage „Historical Investment Returns – The Rotary Foundation“. 50 Prozent der Spenden werden innerhalb des Annual Program Fund (APF) dem World Fund zugerechnet und 50 Prozent den District Designated Funds (DDF). Die erwirtschafteten Überschüsse werden in einer Operationsreserve gehalten. Drei Jahre nach Einzahlung verfügt die Foundation über die Spenden zugunsten der Projekte, und zwar nach dem SHARE-System bezüglich der DDF-Mittel über die Dis­trikte und bezüglich der Worldfund-Mittel direkt. Aus den DDF-Mitteln werden Stipendien, zusätzliche GSE- und Zuschüsse zu Matching Grants finanziert. Sie können auch verschenkt oder für Polio verwendet werden. Aus dem World Fund wird ein GSE pro Distrikt und Jahr finanziert, Projekte im 3-H-Programm und Zuschüsse zu Matching Grants, 0,5 zu 1 zu Clubmitteln und 1 zu 1 zu DDF-Mitteln. Nach Verwendung von 100 Mio. Dollar zusätzlich für Projekte und nach den Verlusten in der Finanzkrise in 2008/09 war die Operationsreserve des Annual Program Fund (APF) verbraucht. Sie ist erforderlich, um in schlechten Jahren die Programme fortführen und die Betriebskosten decken zu können. Sie ist das Sicherheitspolster, das erlaubt, die Spenden für jeweils drei Jahre anlegen und dennoch langfristig denken und handeln zu können. Die Reserve wird in 2009/10 mit mehr als der Hälfte der Investmenterträge in Höhe von 20 Mio. Dollar aufgefüllt. Im weiteren Verlauf soll sie die Betriebskosten des laufenden und des nächsten Jahres umfassen und 15 Prozent der Spenden aus den letzten drei Jahren. Sie wird ausschließlich in geldnahen Papieren angelegt. Die Trustees haben aufgrund der starken Wertschwankungen in 2008/09 die Allokationsregeln geändert. Die Einzelheiten zeigt das Schaubild auf Seite 24, Abb. 2.

 

Aus dem Annual Program Fund werden unter anderem finanziert:

• Stipendien

Seit 1947 haben mehr als 41.000 Studenten aus 130 Ländern ein Stipendium erhalten. Es wurden dafür 532 Mio. Dollar aufgewendet. In 2009/10 waren es 711 Stipendiaten mit einem Aufwand von 15,3 Mio. Dollar.

 

• Studiengruppenaustausch

(Group Study Exchange – GSE)

Seit 1965 haben etwa 70.000 junge Berufstätige an dem Programm teilgenommen bei einem Aufwand von etwa 100 Mio. Dollar. In 2009/10 waren es 572 Teams für 4,4 Mio. Dollar.

 

• Humanity Grants

In 2009/10 wurden für 404 District Simplified Grants, sieben Health-, Hunger-, Humanity Grants (3 H) und 2631 Matching Grants 44 Mio. Dollar Zuschüsse aus der Foundation gewährt. Die fünf Hauptthemen waren Wasser und Sanitäre Einrichtungen (445), kommunale Entwicklung (294), Medizinische Ausrüstung (215), Bildung und Erziehung (161) und Medizinische/Zahnmedizinische Leistungen (118).

Die fünf am stärksten einbezogenen Gastländer waren Indien (305), Mexiko (139), Philippinen (108), Brasilien (194) und Uganda (90).

Für International Clubs aus den deutschen Distrikten wurden 122 Matching Grants genehmigt.

Permanent Fund

Dieser Fund stellt das Stiftungskapital dar. Es beträgt rund 200 Mio. Dollar. Angestrebt sind 700 bis 800 Mio. Dollar. Es sollen jährlich 8 Mio. Dollar in die Programme des APF gehen. In diesen Fund haben Deutsche bisher nicht gespendet. Es ist zu hoffen, dass sich dies in Zukunft ändert, nachdem es die deutsche Rotarische Stiftung gibt. Für Zuwendungen unter Lebenden und von Todes wegen gibt es nach deutschem Steuerrecht Spendenbescheinigungen. Erträge werden im Einvernehmen mit der Foun­dation für die Programme des Annual Program Fund verwendet.

Weil Deutsche sich bisher hier nicht engagiert haben, wird hier auf eine nähere Darstellung verzichtet.

PolioPlus Fund

Aus diesem Fund werden insbesondere die Nationalen Impftage (NIDs) finanziert.

In diesen Fund fließen die 350 Mio. Dollar der Bill und Melinda Gates Stiftung und die dazu versprochenen 200 Mio. Dollar der Rotarier. Von den 200 Mio. Dollar der Rotarier waren am 30. Juni 2010 141 Mio. Dollar geschafft. Aus Deutschland wurden dazu beigetragen 8 Mio. Dollar.

Donor Advised Fund

Zuwendungen und Investmenterträge werden verwendet, um vom Spender vorgesehene Programmzuwendungen zu finanzieren.

Desaster Recovery/Named Gifts

Es handelt sich um besondere Zuwendungen für Foundation-Programme.

Zu den Ausgaben

91 Prozent der funktionalen Ausgaben der Foundation wurden in 2009/10 für die Programme (Inhalte und Management) ausgegeben. Eine Quote von mehr als 75 Prozent gilt als sehr gut. Bezogen nur auf den Annual Program Fund sind es 80 Prozent.

Die Zusammensetzung der Ausgaben nach Kostenarten innerhalb der Kategorien Programme, Spendenbeschaffung und allgemeine Verwaltung zeigt die folgende Aufstellung auf Seite 25, Abb. 3. Weitere Untergliederungen finden sich im Prüfungsbericht Deloitte.

Die Rolle von RDG in diesem Zusammenhang

Der Rotary Deutschland Gemeindienst e.V. (RDG) ist eine gemeinnützige Körperschaft nach deutschem Steuerrecht, die Spendenbescheinigungen ausstellen darf. RDG empfängt Spenden deutscher Rotarier, die dafür eine Spendenbescheinigung erhalten.

Dies sind zum einen Spenden für Programme der Rotary Foundation im Rahmen des Annual Program Fund und des PolioPlus Fund („Foundation-Programm Spenden“ ohne nähere Projektbestimmung und „Foundation-Projekt-Spenden“ als Eigenbeiträge für ein bestimmtes Matching Grant). RDG gibt diese Spenden unter Beachtung des deutschen Steuerrechts im Rahmen der Rotary-Foundation-Programme und in Abstimmung mit der Rotary Foundation und bei den Foundation-Projekt-Spenden nach Maßgabe der Clubweisungen zeitnah für Projekte aus. Insoweit ist RDG im Verhältnis zur Rotary Foundation eine sogenannte Associate Foundation. Die Spenden, die RDG zugunsten der Foundation erhält, werden auch bei dieser bilanziert.

Zum anderen empfängt RDG Spenden von deutschen Rotariern für gemeinnützige Projekte, die die Clubs ohne Mitwirkung der Rotary Foundation hier oder im Ausland durchführen, soweit sie das nicht über einen eigenen gemeinnützigen Unterstützungsverein abwickeln. RDG gibt diese Spenden unter Beachtung des deutschen Steuerrechts nach Maßgabe der Clubweisungen zeitnah für diese gemeinnützigen Clubprojekte aus.

Erschienen in Rotary Magazin 1/2011

Martin Gutsche

Dr. Martin Gutsche ist Past-Gov. des Distrikts 1850 und war bis zum Ende des rotarischen Amtsjahres 2012/13 Regional Rotary Foundation Coordinator der Zone 14 und von Teilen von Zone 19.

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