03.06.2011

Finanzen

Spenden, Projekte und die Rotary Foundation

Martin Gutsche

In den elf Jahren 2001 bis 2011 kommen 93,8 Prozent der Spenden der Rotarier(innen) der Welt bei der Rotary Foundation den Begünstigten unmittelbar zugute: 89,2 Prozent gehen direkt in die Projekte, 4,6 Prozent erhöhen das Vermögen, das in den verschiedenen Fonds für die Projekte zur Verfügung steht. 6,2 Prozent der Spenden werden nach Saldierung mit den Investmentergebnissen für Betriebsausgaben (Spendenbeschaffung, allgemeine Verwaltung) verwendet. Die Rotary Foundation ist unabhängig von den einzelnen Fonds als Ganzes zu betrachten.

Betriebsausgaben nach DZI-Kriterien „angemessen“

Die Zahlen stammen aus den veröffentlichten Jahresberichten und dem ebenfalls veröffentlichten Budget 2010/11. Das Verhältnis wird sich – bezogen auf den Zeitraum 2001/2011 – deutlich zugunsten der Projekte bzw. der Vermögenszunahme verschieben. Als Investmentergebnis 2010/11 sind budgetiert 35 Mio. US-Dollar. Nach dem Schreiben von Ed Futa vom 25. April 2011 belief sich das Investmentergebnis 2010/11 der Rotary Foundation zu diesem Zeitpunkt schon auf ca. 110 Mio. US-Dollar, war also um 75 Mio. US-Dollar besser als budgetiert. Zwischen 1997 und 2000 haben die Trustees aus den die Betriebsausgaben übersteigenden Investmentergebnissen zusätzlich zu den Spenden der Rotarier(innen) 99,3 Mio. US-Dollar in die Projekte gegeben.Die Aufwendungen für Projekte umfassen in Übereinstimmung z. B. mit dem  Verwaltungskostenkonzept des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen (DZI) auch die Aufwendungen für die Projektbegleitung. Bezogen auf die Summe der Ausgaben gehen in diesen elf Jahren 87,9 Prozent in die Projekte. 12,1 Prozent sind Betriebsausgaben. Das DZI stuft Betriebsausgaben unter 10 Prozent der Gesamtausgaben als „niedrig“ ein, unter 20 Prozent als „angemessen“ und von 20 bis 35 Prozent als „vertretbar“. Nach den Kriterien des DZI, einer Stiftung getragen vom Senat von Berlin, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag, dem Deutschen Städtetag und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V., sind die Betriebsausgaben der Rotary Foundation als „angemessen“ anzusehen. Der amerikanische Charity Navigator nennt die Rotary Foundation an Nummer 4 (68,81 Punkte) unter den „10 of the Best Charities everyone‘s heard of“ mit vier von vier möglichen Sternen, die ab 60 Punkten vergeben werden (große, weltweit arbeitende Organisationen mit herausragendem Finanzmanagement).

Langfristig wurden ca. 100 Mio zusätzlich in Projekte investiert

Das Ziel, die Betriebsausgaben möglichst vollständig aus den Investmentergebnissen zu decken, kann naturgemäß wegen der Volatilität (Schwankungsbreite) von Geldanlagen nicht in jedem einzelnen Jahr erreicht werden. Über einen langen Zeitraum zusammengenommen ist es mehr als erreicht worden. Es sind sogar ca. 100 Mio. US-Dollar zusätzlich zu den Spenden in Projekte gegangen. Da die anzulegenden Gelder (abgesehen von Polio) langfristig zur Verfügung stehen, können sie unter Inkaufnahme einer höheren Volatilität unter langfristigen Gesichtspunkten angelegt werden und sind dann auch so zu beurteilen. Als Liquiditätsvorsorge für Zeiten negativer Wertentwicklung besteht ein Reservefonds mit kurzfristigen Anlagen. Dieser soll auf etwa 70 Mio. US-Dollar aufgebaut werden (Betriebskosten für drei Jahre). Die Ausgaben für Projekte werden aus den laufenden Spendeneinnahmen geleistet.

Eigene Projekte profitieren von der weltweiten Kasse

Die 1,2 Millionen Rotarier(innen) weltweit sind demokratisch organisiert. Wir alle wählen mittelbar den RI-Präsidenten und den RI-Vorstand. Dieser bestellt die Trustees. Diese haben den Auftrag, die Spendenmittel zu beschaffen und sie so zu verwalten, dass auf lange Sicht gesehen die Betriebsaufwendungen durch die Investmentergebnisse gedeckt werden und dass die Spenden voll in die Projekte gehen. Das haben sie getan. Die Entscheidung über das angemessene Rendite-Risiko-Verhältnis ist ihnen von den Rotariern übertragen worden. Das halte ich für klug. Vermutlich haben die 1,2 Millionen Rotarier – jedenfalls im Vorhinein – 1,2 Millionen Meinungen dazu und wir hätten darüber alle ständig Streit miteinander. Bei einem angelegten Vermögen von derzeit rund 740 Mio. US-Dollar sind für rund 24 Mio. US-Dollar Betriebsausgaben jährlich im Schnitt und über alles 3,2 Prozent erforderlich. Die Rotary Foundation steht für die Taten der Rotarier(innen) weltweit. Die Finanzen sind eine wichtige Voraussetzung, aber nicht alles. Mit der jährlichen Spende an die Rotary Foundation ist jeder Spender an allen mehreren Tausend internationalen rotarischen Projekten ein wenig beteiligt. Bei einem eigenen internationalen rotarischen Projekt helfen alle anderen Rotarier(innen) weltweit mit der gemeinsamen Kasse und Kompetenz der Rotary Foundation. Von den rund 1000 deutschen Rotary Clubs haben per April 2011 mehr als 400 für 2010/2011 noch keinen nennenswerten Beitrag für die gemeinsame Kasse Annual Program Fund geleistet. Insgesamt liegen wir noch unter 3 Mio. US-Dollar. Bei ca. 50.000 Rotarier(innen) ist das Jahresziel 5 Mio. US-Dollar. Pro Rotarier pro Jahr ca. 100 Dollar. Das entspricht unter Berücksichtigung der Steuerersparnis einer jährlichen Belastung von etwa 50 Dollar! In einem Land wie unserem – reich, weltoffen, international, hilfsbereit – sollten wir das doch im Durchschnitt schaffen.

Erschienen in Rotary Magazin 6/2011

Martin Gutsche

Dr. Martin Gutsche ist Past-Gov. des Distrikts 1850 und war bis zum Ende des rotarischen Amtsjahres 2012/13 Regional Rotary Foundation Coordinator der Zone 14 und von Teilen von Zone 19.

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