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Interview

Ein Club, der Paare aufnimmt

Interview - Ein Club, der Paare aufnimmt
Christina und Axel Feyh auf der Convention in Hamburg © Alexander Fehn (2)

Im Gespräch mit Christina und Axel Feyh aus dem RC Schweinfurt-Friedrich Rückert

Matthias Schütt01.08.2019

Junges Paar um die 40, beide berufstätig, zwei kleine Kinder – da kommt die Einladung in einen Rotary Club eher ungünstig. Oder gerade nicht: Der 2015 gegründete RC Schweinfurt-Friedrich Rückert nimmt auch Paare auf, zum Beispiel Christina Feyh (Juristin) und Ehemann Axel (Unternehmer). Beide versichern: „Ohne dieses Modell wären wir nicht bei Rotary.“

 

Ihr Club hat 29 Mitglieder, darunter 20 Paare. Welche Reaktionen erleben Sie in der rotarischen Welt, wenn Sie Ihr Clubmodell erläutern?
Axel: Das geht von Erstaunen über „toll“ bis zu totaler Ablehnung („unrotarisch“).
Christina: Die Ablehnung kommt vor allem aus Clubs, die keine Frauen aufnehmen, was mich auch nicht wundert. Wer etwas weiter nach vorn schaut, findet das Modell aber schon interessant. Auf der Convention in Hamburg kamen wir mit Paaren ins Gespräch, die in verschiedenen Clubs sind. Da heißt es dann, unser Modell wäre ja viel schöner …

Wie kamen Sie darauf, gemeinsam in den Club zu gehen?
Axel: Ich war vorher bei Round Table, wo Frauen als Mitglieder nicht willkommen sind. Zu Hause hieß es dann immer, das sei „mein“ Club und ich bin auch nicht immer ganz unbeschwert zum Meeting gegangen, weil die Zeit dafür der Familie fehlte. Das ist heute anders. Wir genießen es, gemeinsam in unseren Club zu gehen …
Christina: … oder uns flexibel zu arrangieren. Heute passt es bei mir schlecht, geh du doch alleine. Trotzdem bleibt der Club in jedem Fall ein regelmäßiges Familienthema. Es schließt beide viel stärker ein.

Wie muss man sich das Aufnahmeverfahren vorstellen?
Christina: Das ist nicht anders als bei anderen Clubs: Jeder muss sich als eigenständiges Mitglied durchsetzen. Wir sind übrigens nicht ein „Ehepaar-Club“, sondern ein Club, der auch Paare aufnimmt. Das ist mir wichtig: Die Einsatzbereitschaft für Rotary steht an erster Stelle.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrem Club?
Axel: Wir verstehen uns nicht so sehr als Geldgeber, sondern als Ideen- und Zeitspender. Das heißt, wir wollen direkt Projekte planen und umsetzen. Wir kümmern uns um ein Heim für behinderte Kinder und Jugendliche, für die wir unter anderem ein Gartenhaus bemalt und einen alten Zirkuswagen gestaltet haben. Mit unserem Bienenprojekt we4bee wollen wir für Natur- und Umweltschutz werben, gerade haben wir einen Workshop dazu für Jugendliche organisiert.

Wo genau sehen Sie die Stärken Ihres Clubmodells?
Christina: Wenn Paare gemeinsam aufgenommen werden, ergibt sich schnell ein gemeinsamer großer Freundeskreis. Der wiederum stärkt die Bindung an den Club. Viele Aktivitäten gelingen viel einfacher, weil beide gleichberechtigt einbezogen sind. Wir wissen, dass Rotary sich anstrengen muss, um auch in Zukunft seine angestammte Rolle zu spielen. Unser Clubmodell ist ein Angebot, das die Vielfalt des rotarischen Lebens bereichert und sicherlich stärken wird.

Das Gespräch führte Matthias Schütt.


Weitere Informationen:

Lesen Sie den Artikel "Chancen durch Umdenken" und die Information zur Mitgliedsbeauftragten des Deutschen Governorrates.

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.