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Polio beim Treffen in Kassel im Fokus

Aktuell - Polio beim Treffen in Kassel im Fokus
Diskussion in der Runde der Poliobeauftraten der Distrikte © Rotary Magazin (alle Fotos)

Die Poliobeauftragten der Distrikte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechenstein trafen sich, um sich über aktuelle Entwicklungen, Tendenzen und anstehende Aktionen auszutauschen.

Sabine Meinert12.02.2023

Christian Schleuss, Initiator und Vorsitzender des Gremiums, konnte zum Auftakt eine hoffnungsvolle Nachricht weitergeben: Seit dem 15. September 2022 habe es weltweit keinen Wildpolio-Fall mehr gegeben. Das sei zwar erst eine kleine Etappe, doch mache sie nach den Ereignissen im vergangenen Jahr mit einigen neuen Polio-Fällen und größeren impfinduzierten Krankheitszahlen Mut.

Impfquoten im Fall

Hans-Iko Huppertz (D1850, RC Bremen-Neuenlande) gab als Mediziner Einblick in den aktuellen Stand des Polio-Geschehens hierzulande. So berichtete er von sinkenden Impfquoten als Auswirkung der Corona-Pandemie. Allein bei Kindern in Deutschland sei die Impfquote um 30 Prozent gefallen, auch Erwachsene hätten vielfach die Erneuerung ihres Impfschutzes verpasst. Die Nationale Kommission für die Polioeradikatin in Deutschland beim Robert-Koch-Institut verifizierte jedoch bisher, dass Polio nicht in deutschen Regionen zirkuliert, berichtete er.

Dennoch seien bei einem Berliner Pilotprojekt in zwei Klärwerken Polio-Viren im Abwasser gefunden worden. Ebenso müsse darauf aufmerksam gemacht werden, dass manche Länder (zum Beispiel Israel) bei der Ein- und Ausreise eine Polio-Immunisierung verlangten — nicht älter als zwölf Monate. Dies müsse bei Privatreisen wie bei der Organisation von rotarischen Projekten bedacht werden, möglicherweise auch beworben werden.

Besserer Impfstoff

Huppertz berichtete auch von einem neuen Impfstoff, der genetisch stabiler und gegen den Polio-Virus äußerst wirksam sei. Er könne in Afrika und Asien eingesetzt werden und wegen seiner extrem minimalen Rückmutationsrate helfen, die Krankheit endgültig auszurotten. In der Testphase hatte es dazu in den Niederlanden einen Impfstoff-Test mit 30 freiwilligen Probanden in einem isolierten Container gegeben (siehe: www.rotary.de/a10611).

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Ist bereits Mitglied in der Polio Plus Society, wie der Pin am Revers beweist: Urs Herzog

Nicht zu vergessen sei: Rotary habe bisher bereits 19 Millionen Kinder vor einer Lähmung bewahrt. Dieser Erfolg sei unbezahlbar. Dennoch gelte es nun, weiter zu impfen. Weltweit sei sonst der Gesamterfolg, die Ausrottung in Gefahr. Probleme in Mozambique oder Kongo, wo Polio wieder aufflackerte, gebe es derzeit nicht mehr. Die Regionen dort seien wieder poliofrei, so Huppertz.

Ein Ende 2026?

Polio-Zonenkoordinator Urs Herzog beleuchtete speziell die Situation in den beiden noch verbliebenen Polio-Ländern Afghanistan und Pakistan. Bereits 2026, so stellte er in Aussicht, solle jedoch ein neuer Dreifach-Impfstoff kommen. Bis dahin könne das Wildvirus bereits eliminiert sein.

Seinen Dank richtete der RI-Vertreter an die vielen Clubs, die Polio-Aktionen  umsetzten, wie zum Beispiel ein Tulpenfeld am Frankfurter Flughafen oder einen Tulpenschriftzug "End Polio Now" am Kamener Kreuz. Ebenso berichtete er über den Spendenstand. "Derzeit richtet sich das Spendengeschehen eher auf Hilfe für die Türkei und Syrien aus, aber auch für Polio ist noch einiges nötig", mahnte Herzog.

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Im Oktober in Chemnitz: Die Pläne stellte Sabina Gärtner-Nitsche vor.

9000 km gegen Polio

Zudem berichtete er von der geplanten Fahrradtour eines Rotariers quer durch Europa, die am Weltpoliotag bei der Polio-Veranstaltung der deutschsprachigen Länder in Chemnitz enden soll — nach mehr als 9.000 km. Bashar Jamal will zum Auftakt der Tour auch Lobbyisten und Vertreter der Politik in Berlin treffen, ergänzte Sabina Gärtner-Nitsche (D1880), die die Festveranstaltung der deutschsprachigen Distrikte 2023 mit organisiert. Auch die Anstrengungen der Clubs in Sachen Polio sollen dann wieder im Fokus stehen und ausgezeichnet werden, so die Chemnitzer Pläne.

Zuätzliche Informationen gab es zur Polio Plus Society, eine Gesellschaft die ein Werbeinstrument im Kampf gegen die Kinderlähmung sein soll, das Clubs und auch externe Spender mobilisiert. Eine jährliche Spende von mindestens 100 Euro soll die Zuwendungen für den Anti-Polio-Kampf verstetigen helfen. Sehen Sie hier das Video von Jennifer Jones zur Society.

Aktionen gehen weiter

Governor Reinhard Fröhlich (RC Bad Homburg vor der Höhe) und Governorin elect Heidemarie Krüger (RC Baunatal) informierten sich bei dieser Tagung bei den Vertretern der Distrikte über anstehende Initiativen. Sie machten deutlich, dass ihnen das Vorzeigeprojekt von Rotary — auch wenn es schon fast beendet ist — am Herzen liegt. "So kurz davor, das Ziel zu erreichen, dürfen wir nicht aufgeben", sind auch sie überzeugt.

Weitere Neuigkeiten: Aus Anlass des Welt-Polio-Tages wird der Distrikt 1940 am 20. Oktober ein großes Benefizkonzert ind er Marienkirche Berlin veranstalten. Der Distrikt 1890 berichtete vom "Lauf zwischen den Meeren", der im Juni von zwei rotarischen Teams zugunsten von Polio absolviert wird. Im Distrikt 1930 geht indes die Kaffee-Verkaufsaktion zugunsten der Anti-Polio-Kampagne weiter. Bisher waren dabei bereits 60.000 Euro zusammengekommen. Weitere Distriktaktivitäten sind in Vorbereitung.

Antrag für Polio Plus Society - hier anklicken!

Die Runde der Polio-Verantwortlichen aus der DACH-Region diskutiert regelmäßig zweimal im Jahr, um das große Projekt der Rotarier hierzulande voranzutreiben. Das nächste Treffen ist für den 21.10. 2023 in Chemnitz geplant.