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Erste Stolpersteine in Jülich: Rotary übernimmt Verantwortung

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Der Rotary Club Jülich setzt ein Zeichen für Erinnerungskultur, Bildungsarbeit und demokratische Werte.

Mit der Verlegung der ersten Stolpersteine am 29. Januar 2026 hat der Rotary Club Jülich einen sichtbaren Beitrag zur lokalen Erinnerungskultur geleistet. Sieben Gedenksteine erinnern an Mitglieder der jüdischen Familien Voss und Horn, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Die Steine wurden an den letzten frei gewählten Wohnorten der Opfer in der Kölnstraße und der Marktstraße gesetzt.

Initiiert, organisiert und finanziert wurde das Projekt vom RC Jülich. Ein Projektteam um Rudolf Hannot und Gereon Langen koordinierte die Umsetzung in enger Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Haus Overbach und dem Stadtarchiv. Schülerinnen und Schüler hatten über Monate hinweg die Biografien der Opfer recherchiert und ihre Ergebnisse in die Gedenkveranstaltung eingebracht. So wurde durch den Kontakt mit den Nachfahren der Opfer Geschichte nicht abstrakt vermittelt, sondern an konkreten Lebenswegen nachvollziehbar gemacht und in den öffentlichen Raum getragen.

Rudolf Hannot betonte die gesellschaftliche Dimension des Engagements: „In einer Zeit, in der sich unsere Gesellschaft spürbar polarisiert, wollen wir aus der Mitte heraus nachhaltige Impulse setzen, weil das Unrecht von vor fast 100 Jahren bis heute nachwirkt.“ Für Rotary gehe es dabei nicht allein um historisches Gedenken, sondern auch um die Stärkung demokratischer Werte durch Bildung, Völkerverständigung und die aktive Beteiligung junger Menschen.

Der Initiator des europaweiten Projekts Stolpersteine, der Künstler Gunter Demnig, verlegte die Steine persönlich. Angehörige der Familie Voss waren aus den USA und Israel angereist und zeigten sich tief bewegt von der würdevollen Gestaltung des Gedenkens. Die Zeremonie wurde von Gebeten und Worten der Mahnung begleitet. Rabbi Benzion Dov Kaplan unterstrich die Bedeutung des Ortes: „Die Steine liegen dort, wo das Leben war – mitten in der Stadt. Wer sich vor ihnen verneigt, verneigt sich vor einem Leben und einer Geschichte.“

Die Stolpersteine holen die Namen der Opfer zurück in den öffentlichen Raum und machen Geschichte im Stadtbild präsent. Für den RC Jülich ist das Projekt langfristig angelegt: Weitere Recherchen und Verlegungen sind geplant. Rotary verbindet damit Erinnerungskultur mit aktivem Gemeinsinn – lokal verwurzelt und getragen von der Überzeugung, dass Verantwortung für die Vergangenheit eine Verpflichtung für die Zukunft ist.

Susanne Bauer, RC Jülich